Friesland

Dangast muss Abschied nehmen von der „Etta“

geschrieben von Michael Tietz

Ein Bild vom Sommer 2019: Die „Etta von Dangast“, gebaut 1935 in Norwegen und seit fast 40 Jahren eines des Wahrzeichen des Nordseebades, kurz vor Einfahrt nach Dangast. Seit einigen Wochen liegt das Schiff nun in der Werft. Ob sie noch einmal nach Dangast zurückkehren wird, ist derzeit offen. Mit Passagieren in See stechen wird sie aber wohl nicht mehr, das Fahrgastschiff hat keine erneute Betriebserlaubnis bekommen. Foto: Michael Tietz

Anton Tapken nimmt Fahrbetrieb nicht wieder auf – Neues Schiff für Dangast?




Dangast.
„Wo ist eigentlich die Etta? Fährt die diesen Sommer gar nicht?“ fragen sich derzeit nicht nur die Besucher und Feriengäste in Dangast. Denn tatsächlich war die „Etta von Dangast“ in den vergangenen Wochen an ihrem Stammliegeplatz im Dangaster Hafen nicht anzutreffen. Das Fahrgastschiff von Kapitän Anton Tapken, das seit 1982 ebenso zu Dangast gehört wie Kurhaus und Klause, liegt derzeit in Wilhelmshaven. Und ob es überhaupt noch einmal nach Dangast zurückkehren wird, ist ungewiss – den Ausflugsbetrieb mit Passagieren an Bord wird die „Etta“ aber nicht mehr wieder aufnehmen.


Foto: Die „Etta“ an ihrem derzeitigen Liegeplatz bei der Neuen Jadewerft in Wilhelmshaven, hinter ihr der ausgemusterte DGzRS-Rettungskreuzer „Alfried Krupp“. (Bild: Dietmar Bökhaus)


So war in den vergangenen Tagen von mehreren Seiten zu erfahren, dass die „Etta“ keine Betriebserlaubnis mehr für den Fahrgastbetrieb bekommen hat. Und Kapitän Anton Tapken, so heißt es, wolle sich nun zur Ruhe setzen. Tapken selbst war vor Redaktionsschluss für eine Stellungnahme nicht zu erreichen, doch auf der Etta-Webseite veröffentlichte der Dangaster Kult-Kapitän eine kurze Stellungnahme und erklärte darin, dass er während der Corona-Pause beschlossen habe, "den Fahrbetrieb für immer einzustellen". Tapken verabschiedet sich mit "einem herzlichen Dank für die schöne Zeit an Bord und auch an Land".

Zuvor hatte der Dangaster Kurdirektor Johann Taddigs bestätigt, dass auch nach seinen Informationen das Gerücht vom „Aus für die Etta“, das zuletzt im Dorf die Runde gemacht hatte, zutreffend sei. „Wenn die Etta tatsächlich zusammen mit ihrem Kapitän endgültig in Rente geht, ist das ohne Frage ein Verlust für Dangast“, erklärte Taddigs, „aber natürlich müssen auch betriebswirtschaftliche Aspekte berücksichtigt werden und es war abzusehen, dass die Tage für die Etta irgendwann gezählt sein würden.“ Der Aufwand, das fast 90 Jahre alte Schiff für eine erneute Betriebserlaubnis flott zu machen, sei demnach erheblich. Und ein Nachfolger, der die „Etta“ nach der Ära Anton Tapken weiter über den Jadebusen steuern könnte, war offenbar nicht zu finden.

Auch Rainer Rädicker, Geschäftsführer des Zweckverbandes Dangaster Hafen, bestätigte, dass die Etta nach wie vor im Wilhelmshavener Binnenhafen am Pier der „Neue Jadewerft“ liege. Zuletzt habe es unterschiedliche Informationen dazu gegeben, ob sie bereits ihrer Verwertung entgegen sieht oder noch einmal nach Dangast zurückkehrt, damit Etta-Enthusiasten noch einmal Abschied vom Schiff nehmen können. Kurdirektor Taddigs hofft das: „Es wäre schön, wenn die Etta noch einmal für ein paar Wochen in den Dangaster Hafen kommt, wo sie so viele Jahre quasi Inventar und immer ein beliebtes Fotomotiv war“, erklärte Taddigs.
Von Norwegen über Hamburg und Langeoog nach Dangast
Das markante weiß-rote Bäderschiff war seit über 30 Jahren ein Wahrzeichen des Nordseebades, eine Ausfahrt mit der "Etta" war quasi Pflicht, für Feriengäste ebenso wie für Dangaster und Stammgäste aus der Region. Kapitän Anton Tapken machte mit seinen launigen Moderationen und Erklärungen jede Fahrt zu etwas besonderem, ein wenig Aufpassen mussten die Passagiere nur hier und da, was den Wahrheitsgehalt seiner Ausführungen betraf - ein wenig Seemannsgarn gehörte auf der "Etta" immer dazu. Fahrten in den Sonnenuntergang, durch den Hafen Wilhelmshaven oder zu den Seehundbänken waren stets beliebt und ausgebucht. Auch an Land aufgezogene Heuler wurden mit der Etta wieder in die Nordsee entlassen. Als Frachtschiff diente sie im Herbst 2005, als Anton Tapken das alte Molenfeuer aus Wilhelmshaven nach Dangast holte.
Infos zur "Etta von Dangast" im Wikipedia-Eintrag.

Auch wenn Dangast sich von der „Etta“ verabschieden müsse, so betonte der Kurdirektor, bedeute das keineswegs, dass zukünftig keine Ausflugsfahrten mehr stattfinden: „Wir arbeiten an einer neuen Lösung für Dangast“, deutete Taddigs an, möglicherweise könne schon in Kürze ein neues Schiff das Erbe der „Etta“ antreten – mehr könne aber gegenwärtig noch nicht verraten werden.

 

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