Friesland

„Preise immer mehr unter Druck“

geschrieben von Redaktion

Auch Traktoren aus Friesland blockierten am Sonntag und Montag die Zufahrten zum Lidl-Lager bei Cloppenburg. Foto: J. Oltmanns

Protest gegen Tiefpreise: Landwirte blockieren Logistikzentren der Discounter


Friesland.
Landwirte aus dem Kreis Friesland haben sich zu Wochenbeginn an umfangreichen Protestaktionen vor Zentrallagern verschiedener Discounterketten beteiligt. Von Sonntagabend bis zum Dienstag standen dabei Logistikstandorte von Lidl etwa in Cloppenburg und Emstek im Fokus. Nach Angaben von Jennifer Oltmanns aus Schortens waren etwa 50 Landwirte aus Friesland mit ihren Traktoren bei der Aktion dabei, bei der die Zufahrten zu Zentrallagern blockiert wurden.


Der Protest richtet sich gegen die aus Sicht der Landwirtschaft deutlich zu niedrigen Erzeugerpreise. Diese würden immer weiter schrumpfen, während die Erzeugungskosten nicht zuletzt durch weitere Auflagen für die Landwirte steigen würden. „Diese Situation zieht sich durch alle landwirtschaftlichen Produktionszweige. Die gesamte Branche ist betroffen“, heißt es in einer Mitteilung „Land schafft Verbindung“.





Auch der Kreislandvolkverband Friesland unterstützt die aktuellen Proteste. „Das Weihnachtsgeschäft wird für den Lebensmittel-Einzelhandel aufgrund der Schließung von Hotels und Gaststätten so groß sein wie selten zuvor. Von diesem Geld kommt bei den Erzeugern aber zu wenig an“, sagt Hartmut Seetzen aus Varel, Vorsitzender des Kreislandvolkverbands Friesland. Im Gegenteil: Nach wie vor würden die Händler mit Schnäppchenpreisen für Fleisch und Milchprodukte arbeiten, um damit die Kunden in die Läden zu locken. „Die Anforderungen an die Landwirte steigen, aber die Preise steigen nicht mit, sie geraten immer mehr unter Druck“, so Hartmut Seetzen.


Problematisch sei die Marktmacht der vier großen Handelsketten von über 85 Prozent. Das habe dazu geführt, dass sich Praktiken etablieren konnten, die Erzeuger klar benachteiligen – kurzfristige Stornierungen, lange Zahlungsziele für verderbliche Waren oder einseitige Änderungen der Lieferbedingungen. „Diese unfairen Vertragsbedingungen sind die Schattenseite der billigen Preise. Dagegen will die Bundesregierung jetzt per Gesetz vorgehen“, heißt es einer Stellungnahme des Kreislandvolks.
„In diesem Jahr ging es viel um die Themen Artenvielfalt, Insektenschutz und Vogelschutz“, so Hartmut Seetzen. „Wir Landwirte sind hier mit dem ,Niedersächsischen Weg‘ in Vorleistung gegangen. Aber auch andere gesellschaftliche Akteure wie der Lebensmittel-einzelhandel tragen eine Verantwortung.“ Der Dialog der Politik mit Landwirtschaft, Umweltverbänden, Verbrauchern, dem Lebensmitteleinzelhandel und weiteren Akteuren entlang der Wertschöpfungsketten ist daher ebenfalls ein Punkt im „Niedersächsischen Weg“. „Wir erwarten von der Landesregierung, dass sie diesen Dialog jetzt zügig anschiebt. Die Landwirte dürfen mit diesem Problem nicht alleingelassen werden“, so Hartmut Seetzen.




Der Deutsche Bauernverband hatte mit einem offenen Brief an die Vorstände der Gruppen Edeka, Aldi, Lidl und Rewe auf Beschwerden der Konzerne über Äußerungen von Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner reagiert. Den darin geäußerten „Empfindlichkeiten“ der Lebensmittelketten wollten die Verbände „die Erfahrungen unserer Bauernfamilien gegenüberstellen, die seit langem unter massivem wirtschaftlichen Druck stehen, der die Arbeitsfähigkeit, Existenz und Nachhaltigkeit vieler Betriebe zerstört hat.“ Weiter heißt es, dieser Druck gehe maßgeblich vom Preiswettbewerb aus, den der Einzelhandel mit seinen Strukturen und seinem Einkaufsverhalten erzeuge und anheize. „Die Folgen dieser langjährigen Fehlentwicklung nicht nur für die Strukturen in der Landwirtschaft sind bekannt und sichtbar: eine ausgeprägte Niedrigpreiskultur, mangelnde Wertschätzung für Lebensmittel und das Aus für viele Betriebe.“

 

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