Friesland

Landräte befürworten Impfpflicht

geschrieben von Michael Tietz

Der im September neu gewählte Landrat des Kreises Wesermarsch, Stephan Siefken, plädiert wie einige seiner Amtskollegen für eine Impfpflicht. Er ist selbst positiv auf das Coronavirus getestet worden und befindet sich seit gut einer Woche in häuslicher Quarantäne. Foto: Bolte/LK Wesermarsch

„Überzeugungsarbeit war nicht ausreichend“ – Belastungsgrenze erreicht


Weser-Ems.
Vor dem Hintergrund eines sich stetig weiter verschärfenden Infektionsgeschehens auch in der Region haben sich am Mittwoch mehrere Hauptverwaltungsbeamte aus Landkreisen und Städten in Weser-Ems für eine Pflicht zur Corona-Impfung ausgesprochen.

Im Kampf gegen das Corona-Virus fordern Landräte und Landrätinnen sowie Oberbürgermeister und Oberbürgermeisterinnen, über eine allgemeine Impfpflicht nachzudenken. In einer gemeinsamen Presseerklärung heißt es: „Die Lage spitzt sich gerade dramatisch zu, die vierte Welle trifft uns mit voller Wucht. Um uns vor weiteren Wellen zu schützen, wäre eine allgemeine Impfpflicht für ganz Deutschland sinnvoll. Es ist das letzte Mittel, aber wir dürfen dieses Mittel nicht mehr ausschließen.“

Auf Freiwilligkeit zu setzen, helfe an diesem Punkt kaum noch weiter. Es sei erkennbar, dass sich noch zu viele Menschen nicht impfen lassen wollen, solange dazu keine Verpflichtung bestehe. Deshalb sei es an der Zeit, über die Einführung einer allgemeinen Impfpflicht ernsthaft nachzudenken. „Denn in unseren Krankenhäusern und auch in unseren Gesundheitsämtern ist die Belastungsgrenze erreicht, die Lage ist ernst“, sagt der Friesländer Landrat Sven Ambrosy, der sich ausdrücklich dem Votum seiner Kolleginnen und Kollegen anschloss. Gleichlautend äußerten sich die Ammerländer Landrätin Karin Harms, der Amtskollege Matthias Groote aus Leer sowie der Wilhelmshavener Oberbürgermeister Carsten Feist. Er fügte in einer Mitteilung hinzu: „16 Millionen Menschen in Deutschland sind derzeit ungeimpft, obwohl sie impfberechtigt und impffähig sind und ausreichende Impfressourcen zur Verfügung stehen. Hinzu kommen etwa neun Millionen Kinder im Alter von 9 bis 12, für die im Dezember 2021 Impfstoffe zur Verfügung stehen sollen. Umfassende Angebote zum Impfen, Überzeugungsarbeit und auch der Druck durch 2-G- und 3-G-Regelungen waren mit Blick auf die 16 Millionen Ungeimpften nicht ausreichend wirksam und erfordern nunmehr im Sinne des Gesundheitsschutzes und der Perspektive für das öffentliche Leben entsprechende strengere Maßnahmen, um zumindest mit Blick auf 2022 eine Herdenimmunität zu erreichen.“

Zwar sei die große Mehrheit der Bevölkerung inzwischen geimpft – das aber reiche „offensichtlich immer noch nicht aus, um das Gesundheitssystem vor einer Überlastung zu schützen.
„Insbesondere die Kinder und die Jugendlichen, die noch nicht geimpft werden können, müssen geschützt werden“, so Ambrosy. Darüber hinaus befürchten die Verwaltungschefs der Landkreise und kreisfreien Städte schwerwiegende Folgen für die Wirtschaft, wenn das Land von einer Infektionswelle in die nächste schlittert. Sogar ein weiterer Lockdown sei nicht auszuschließen, wenn die Lage sich weiter verschlechtere.

Zu Wort gemeldet hat sich am Mittwoch auch der neue Wesermarsch-Landrat Stephan Siefken: Er befindet sich wenige Wochen nach Amtsantritt derzeit in häuslicher Quarantäne – Siefken war am 18. November positiv auf das Coronavirus getestet worden. Es gehe ihm gut, teilte Siefken am Mittwoch aus dem Heimbüro mit. Mit Blick auf seinen milden Krankheitsverlauf sei er froh, doppelt geimpft zu sein. „Die Impfung schützt nachweislich vor schweren Verläufen. Ich rate daher nochmals allen Bürgerinnen und Bürgern, sich zum Selbstschutz wie aber auch zum Schutz der Mitmenschen, impfen und boostern zu lassen.“ Angesichts der dynamischen Entwicklung des Infektionsgeschehens sei es nahezu fahrlässig, ein Impfangebot auszuschlagen, wenn keine medizinischen Gründe dagegen sprechen. „Für dieses Verhalten fehlt mir jegliches Verständnis“, findet Siefken klare Worte. Für ihn steht fest: Ein Weg aus der Pandemie führt letztlich nur über die Impfung.

 

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