Friesland

Fynn Hofer: „Das Laufen hat mich frei gemacht“

geschrieben von Anke Kück

Ein respektvolles und herzliches „Danke“ richteten Bärbel Lücking (Hospizbewegung Varel e.V.) und Christian Winkel (Hospiz am Wattenmeer) an Fynn Hofer, der voller Stolz den symbolischen Spendenbetrag übergab. Anke Kück

VAREL. Es ist über fünf Jahre her, als Fynn Hofer im Sommer 2015 vom Hospizlauf erfuhr.


Fynn ist in seiner Entwicklung eingeschränkt. Als er geboren wurde, wog er nur 900 Gramm. Erst wenige Tage alt, erlitt er einen Schlaganfall und die Ärzte machten seiner Mutter Tanja Hofer wenig Hoffnung, dass er jemals würde laufen oder sprechen können.
Heute ist Fynn ein begeisterter Läufer, nimmt regelmäßig an öffentlichen Events teil und natürlich war er auch bei allen drei Hospizläufen dabei: Er kennt das Geheimrezept für diese tolle Entwicklung: „Ich kann nur so gut laufen, weil ich immer hart trainiert habe.“

Und wenn er dies sagt, kommt auch immer sein großes Idol ins Gespräch: „Das macht Ronaldo auch genauso!“
Als er jetzt wegen der Corona-Krise nicht an öffentlichen Veranstaltungen teilnehmen konnte, hatte er eine Idee: „Mir war langweilig und da habe ich gedacht, dass ich ja auch ganz alleine meinen Hospizlauf organisieren kann.“
Wie das funktioniert, hat die ganze Familie Hofer bereits mehrfach unter Beweis gestellt: Es werden im Freundes- und Bekanntenkreis und über die sozialen Medien Sponsoren gesucht – und das klappt prima. Für jeden gelaufenen Kilometer bat Fynn um eine Spende in Höhe von 10 Cent, eine kleine Summe auf den ersten Blick.
Fynn lief in vier Wochen insgesamt 77 Kilometer – als er wegen einer nötigen Quarantäne das Haus nicht verlassen durfte, verlegte er die Strecke ins heimische Wohnzimmer auf den Stepper. Wenn man dann noch über 70 Sponsoren für die Aktion gewinnen kann.... Insgesamt kamen so 1.707,74 Euro zusammen, einige Sponsoren rundeten ihre Beträge noch auf.

„Teilhaber mit Herz“

Mit der Übergabe dieser Summe hat Fynn insgesamt durch seine Läufe 10.207 Euro für das Haus der Hospiz- und Palliativarbeit „Am Jadebusen“ (HHP) erlaufen. Christian Winkel (Hospiz am Wattenmeer) und Bärbel
Lücking (Hospizbewegung Varel e.V.) zeigten bei der Übergabe ihren voller Respekt und ihre Dankbarkeit für diese Leistung.Längst ist eine besondere Verbindung zwischen der Familie Hofer und den in der Hospiz- und Palliativarbeit „Am Jadebusen“ engagierten Menschen gewachsen – sie sind „Teilhaber mit Herz“, was auch durch eine entsprechende Urkunde ausgedrückt wird.

Etwas Besonderes:


Die Verbindung zwischen Fynn und der Hospizversorgung hat aber noch eine ganz andere Seite.
Anke Kück, Vorsitzende der Hospizbewegung erinnert sich:
„Als ich Fynn kennenlernte, erlebte ich einen sehr zurückhaltenden, ja schüchternen Jungen, der zum Beispiel aufgeregt eine Woche vor dem ersten Hospizlauf eine eigene Trainingseinheit mit Begleitung von Andreas Cölsmann in der Innenstadt absolvierte, um sich mit den Örtlichkeiten vertraut zu machen. Dann erinnere ich mich an das Strahlen, als er nach sieben (!) Kilometern am 26. September 2015 ins Ziel einlief.
Wir erlebten aber auch den Fynn, der bei einer Info-Veranstaltung zum Bau unseres Hauses ins Rathaus kam, um sich zu informieren, was wir denn mit dem von ihm unterstützten Projekt machen wollten. Damals war er der mit Abstand jüngste Zuhörer. Beim ersten Spatenstich strahlte er genauso wie viele andere der Anwesenden und durfte auch selbst natürlich kräftig zum Spaten greifen.
Fynn begleitet die Arbeit in unserem Haus, ist bei vielen Festen dabei und verbreitet mit seinem strahlenden Lächeln viel Freude.
Für mich persönlich hat Fynn – und hat seine Familie – gezeigt, dass jeder etwas bewegen kann – auch wenn die Bedingungen dafür manchmal nicht einfach scheinen. Es gibt immer Wege.
So wie ich spüre, dass Fynn durch unsere Arbeit viele schöne Momente erlebt hat, so spüren auch wir durch Fynn eine besondere Begleitung.
Fynn ist ein Stück weit zu unserem „Paten“ geworden – und wir sind es vielleicht auch ein wenig für ihn...
Auf jeden Fall sind wir schon jetzt gespannt auf weitere gemeinsame Aktionen und ich bin sicher, dass es davon noch einiges zu sehen und zu erleben gibt. Darauf freue ich mich.
Nach unserem ersten Inter-viewtermin im Frühsommer 2015 lautete die Überschrift, Wenn ich laufe bin ich frei – das ist längst Realität geworden, wie er selbst sagt.“

 

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