Friesland

Luftfilter zuerst für die Kitas

geschrieben von Michael Tietz

Offene Fenster sind in Schulen und Kitas bis dato das Mittel der Wahl, wenn es um den Luftaustausch geht. Das soll durch Lüftungsanlagen mit Wärmetauscher anders werden. Symbolbild: pixabay.com

Stadt plant Einbau dezentraler Anlagen – derzeit werden die baulichen Voraussetzungen geprüft.




Varel.
Auch im zweiten Pandemiewinter ist in Schulen und Kitas die Anweisung „Fenster und Türen auf“ das Mittel der Wahl, wenn es um Ableitung von Aerosolen, sprich um einen Luftaustausch in Gruppen- und Klassenräumen geht. Das ist lästig und unangenehm (weils dann kalt wird) und obendrein verheerend mit Blick auf die Energieeffizienz, wenn regelmäßig die aufgeheizte Raumluft zum Fenster hinausgelüftet wird.

Doch es gibt kaum eine Alternative, denn leistungsfähige Lüftungen, die für einen effektiven Austausch der Raumluft sorgen, gibt es bis dato kaum, in den Grundschulen und Kitas der Stadt Varel gar nicht: Eine Möglichkeit wäre die Anschaffung mobiler Luftreiniger gewesen, doch in einem Gespräch zum Thema infektionsschutzgerechtes Lüften an Schulen im September hatten sich Vertreter von Stadtverwaltung und den Einrichtungen darauf geeinigt, auf solche rollbaren Anlagen zu verzichten, weil die ziemlichen Krach machen.

Stattdessen sollen sogenannte CO²-Ampeln angeschafft werden. Damit kann die Sättigung der Raumluft überwacht werden, was auch Aufschluss über eine Aerosolbelastung gibt.

Nun kann die Stadt aber grundsätzlich fest installierte raumlufttechnische Anlagen in den Gebäuden einbauen, die Kosten dafür würden sogar zum großen Teil vom Bund erstattet: Im August hatte die Stadtverwaltung vorsorglich einen Antrag auf Bundesförderung für den Einbau solcher Anlagen in den sechs Grundschulen und den vier städtischen Kindertagesstätten gestellt. Prompt wurden alle zehn Anträge bewilligt. Bei einer Gesamtinvestition von gut 4,4 Millionen Euro würde die Stadt eine Förderung von knapp 3,53 Millionen Euro bekommen, der Eigenanteil läge also bei knapp 900.000 Euro.

Das Problem sind damit also eher nicht unbedingt die – überschlägig ermittelten – Kosten, sondern die Tatsache, dass ein Einbau solcher Anlagen in einem überschaubaren Zeitraum schlicht nicht zu machen ist. Der Bewilligungszeitraum endet im September 2022, eine Verlängerung sei zwar denkbar, würde aber das Problem begrenzter Ressourcen nicht lösen.

Denn zunächst ist zu prüfen, ob in den Gebäuden die statischen und baulichen Voraussetzungen für den Einbau einer zentralen oder dezentralen Lüftungsanlage überhaupt gegeben sind. „Es fehlt einerseits an verfügbaren Ingenieurbüros, die solche Anlagen planen, als auch an Kapazitäten bei Unternehmen, die den Einbau vornehmen würden“, erklärte Antje Schönborn im Oktober im Fachausschuss für Planung und Umweltschutz.

Grundsätzlich sinnvoll seien diese Anlagen sehr wohl, die in der Regel über einen Wärmetauscher verfügen, auch mit Blick auf die Energieeffizienz und damit über Pandemiezeiten hinaus. Allerdings arbeiten diese Systeme nur dann effektiv, wenn die jeweilige Gebäudehülle nahezu dicht ist, was bei älteren Bauwerken selten der Fall ist.

Wohl aber bei Neubauten, wie den zuletzt errichteten Kitas an der Wiese, am Wald und in der Meischenstraße: Hier, so der Vorschlag, könnte der nachträgliche Einbau von lufttechnischen Anlagen sinnvoll und mit vergleichsweise geringem Aufwand möglich sein. Dabei seien dezentrale Anlagen, also jeweils ein Lüftungssystem pro Raum, vorzuziehen, weil dabei nicht eine Großbaustelle den laufenden Betrieb in den Einrichtungen stören würde, wie das bei Einbau einer komplexen, zentralen Anlage für das ganze Gebäude der Fall wäre.

Im Ausschuss kam man letztlich auf Vorschlag der Verwaltung überein, zunächst bei den Kitas zu beginnen und prüfen zu lassen, ob der Einbau dezentraler Systeme machbar ist.

Ein Fachingenieur ist damit zwischenzeitlich beauftragt worden, teilte Antje Schönborn auf Nachfrage mit, „zuerst in einem der neu gebauten Kindergärten, weil wir davon ausgehen, dass die Ergebnisse auf die baugleichen Gebäude übertragbar sind.“ Auch die Kita in der Peterstraße soll dann untersucht werden. Die Lüfter werden an der Raumdecke montiert, die Luft wird dann durch Wand oder Decke nach draußen geführt. Anders als die mobilen Geräte arbeiten diese Geräte flüsterleise, so Antje Schönborn. Sie hofft, dass in der Sitzung des Bauausschusses am 6. Dezember erste Erkenntnisse vorgestellt werden können.



Kreis beginnt im Januar mit Lüftungs-Einbau

Friesland. Auch an den weiterführenden Schulen in Trägerschaft des Landkreises soll in Kürze mit dem Einbau von raumlufttechnischen Anlagen begonnen werden. Bereits im Juli hatte der Kreisausschuss einstimmig beschlossen, die kreiseigenen Schulgebäude mit corona-gerechten, stationären Lüftungsanlagen auszustatten. Die Anlagen sollen für die Klassenräume der 5. und 6. Klassen sowie Fachräume und Förderschulen angeschafft werden. In diesen Klassenstufen werden Kinder unter 12 Jahren unterrichtet, für die es bis dato keine Impfmöglichkeit gibt.

Auch der Landkreis hatte dazu Fördermittel eingeworben, der Eigenanteil bei insgesamt 130 in Rede stehenden Räumen beläuft sich dabei insgesamt auf rund 500.000 Euro.Um die Förderung in Anspruch nehmen zu können, ist die Abwicklung innerhalb von zwölf Monaten bis September 2022 erforderlich.

Nach Mitteilung von Kreissprecherin Nicola Karmires wird derzeit geprüft, wie viele Anlagen innerhalb dieses Zeitraums überhaupt eingebaut werden können. „Nach jetzigem Stand werden die ersten Geräte in der ersten Woche des Jahres 2022 installiert“, so Karmires. Dann soll fortgesetzt an jeweils drei Schulen gleichzeitig mit der Installation begonnen werden. Wo die Anlagen eingebaut und betriebsfähig sind, kann dann auf das lästige Lüften fortan verzichtet werden.

Aktuell gibt es in den Kreisschulen bereits 17 mobile Luftreinigungsanlagen; je Schule eine Anlage. Diese seien jeweils in Absprache mit den Schulen in ausgewählten Räumen aufgestellt worden. Diese mobilen Lüfter sind für die Größe von Klassenräumen ausgelegt und dienen als Ergänzung zur Fensterlüftung.

 

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