Friesland

Varel wehrt sich gegen Umbaupläne bei Airbus

geschrieben von Michael Tietz

Ihren Widerstand gegen die Airbus-Pläne zur Zerschlagung von Premium Aerotec brachten Beschäftigte, Gewerkschaft und Politik am Donnerstag beim „Marsch der Solidarität“ zum Ausdruck. Vom Werk Neuenwege aus machten sich gut 600 Teilnehmer auf den Weg durch Obenstrohe über die Autobahnbrücke (Bild) bis zum Vareler Rathaus. Betriebsrat und IG Metall kündigten einen „heißen Herbst“ an für den Fall, dass Airbus weiter nicht auf die Gesprächsangebote eingeht. Foto: Michael Tietz

Premium Aerotec: Solidaritätsmarsch zum Rathaus – Kritik an Airbusführung

Varel.
Mit einem „Marsch der Solidarität“ vom Werk in Neuenwege bis nach Varel und einer Kundgebung vor dem Rathaus haben am Donnerstag etwa 600 Menschen gegen die Pläne des Airbuskonzerns protestiert, die womöglich die Abtrennung der Standorte Varel und Augsburg aus Premium Aerotec bedeuten könnten. Beschäftigte aus dem Werk Neuenwege, Betriebsrat und Gewerkschaft IG Metall sowie Vertreter der Politik nahmen an dem Protestmarsch teil. Die Polizei begleitete die angemeldete Kundgebung, zeitweise waren am Vormittag die Autobahnabfahrten Obenstrohe gesperrt.

Zu der Solidaritäts-Kundgebung eingeladen hatten der Vareler Bürgermeister Gerd-Christian Wagner, der Landtagsabgeordnete und Landesminister Olaf Lies sowie die Bundestagsabgeordnete Siemtje Möller. Wagner zeigte sich „schier überwältigt“ von der großen Beteiligung, es waren auch Delegationen aus den Aerotec-Werken in Nordenham und Bremen gekommen. Zeitgleich fand eine ähnliche Veranstaltung am Standort Augsburg statt.

Im Aufruf hieß es, der angedrohte Verkauf des Standortes von Premium Aerotec in Varel sei nicht nur „eine massive Bedrohung der Belegschaft und deren Angehörigen“, vielmehr sei das gesamte öffentliche Leben in der Stadt Varel und der Region Friesland betroffen.

Wagner und Lies fühlten sich zurückversetzt ins Jahr 2007 – schon damals waren sie vom Airbus-Werk zum Rathaus marschiert, Hintergrund war seinerzeit das Sparprogramm „Power8“. Wagner erinnerte daran, dass es damals gelungen sei, „Schlimmes abzuwenden“ und erinnerte an die Gründung von Premium Aerotec und den Bau des Technologie- und Ausbildungszentrums gleich nebenan.

Airbus plant, den Flugzeugbau neu zu strukturieren, die Werke des Tochterunternehmens Premium Aerotec sollen teils in neue Firmen überführt werden. Nicht aber die Einzelteilefertigung in Augs­burg und Varel. Insgesamt arbeiten in beiden Standorten rund 3.300 Beschäftigte. „Wir werden nicht zuschauen, wie Varel und Augs­burg außen vor bleiben“, erklärte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Thomas Busch. Er kritisierte, dass sich das Management bislang noch nicht auf ein lösungsorientiertes Gespräch eingelassen habe. „Wir haben sehr konstruktive Vorschläge gemacht“, so Busch, die jüngsten Äußerungen von Airbus-Seite könne man indes nur als Absage verstehen. „Wir sind sehr enttäuscht“, so der Betriebsratschef.
„Was das Unternehmen vorhat, ist der falsche Weg“, betonte Minister Olaf Lies. Es müsse gelingen, alle Standorte im Verbund zu halten. "Airbus muss nun an den Verhandlungstisch", so Lies, denn die Vorschläge, die vom Betriebsrat vorgelegt wurden, seien der richtige Weg. Ein "lapidares Schreiben" von Unternehmensseite reiche nicht aus, die Vorschläge müssten nun gemeinsam besprochen werden.

Jürgen Bruns als Betriebsratsvorsitzender des Vareler PAG-Werks zeigte sich angesichts der Beteiligung beeindruckt, "was hier innerhalb von zwei Tagen auf die Beine gestellt worden ist." Die Polizei hatte den Demonstrationszug abgesichert, zeitweise waren am Vormittag auch die Autobahnabfahrten Obenstrohe gesperrt worden. Auch die Kreuzung Windallee/B 437 wurde bei Eintreffen der Marschkolonne gesperrt, die Ampelschaltung ausgesetzt. Am Rathaus angekommen, gab es für die Teilnehmer zunächst eine Stärkung von der IG Metall.

Bruns betonte die "einzigartige Allianz", in der Vertreter aus der Politik auf allen Ebenen und aller Parteien sich für den Erhalt des Standorts stark machen würden. Am Morgen war auch die Bundestagsabgeordnete Siemtje Möller zum Werk gekommen und hatte ihre Solidarität zum Ausdruck gebracht.
"Wir sind überzeugt, dass es andere Lösungen gibt", betonte Jürgen Bruns, der dem Unternehmen einen "heißen Sommer" versprach, sollte man sich dort weiterhin konstruktiven Gesprächen verschließen. Der Vorwurf der Konzernspitze, die Standorte seien nicht ausreichend konkurrenzfähig, sei bislang nicht belegt, schimpfte der Betriebsratsvorsitzende. Und auch die Kritik, man sei veränderungsresistent, konterte Bruns: "Ja, gegen Blödsinn haben wir uns immer gewehrt, und das werden wir auch weiterhin tun."

 

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