Friesland

A 20 ein „Desaster für das Klima“

geschrieben von Michael Tietz

Schon bei der Klimatour Ende April mit Ziel Dangast galt der Protest der Teilnehmer auch den klimaschädlichen Plänen für eine neue Küstenautobahn. Bild: Anke Kück

Aktionstag Verkehr: Fahrrad-Sternfahrt am 5. Juni auch ab Varel und Jaderberg

Varel/Rastede.
Sollte die Küstenautobahn A 20 dereinst tatsächlich gebaut werden, würden im Norden Landschaften zerschnitten, Moore zerstört, hektarweise Kultur- und Naturflächen versiegelt, zusätzlicher Verkehr würde generiert, eine höhere Belastung durch Feinstaub, Lärm und klimaschädliche Abgase wäre die Folge. Dennoch wird bis dato an den Plänen für den Neubau der A 20 von Westerstede durch die Wesermarsch und weiter bis an die Elbe festgehalten.

Die Kritik an dem Projekt ist lautstark und vielfältig, nicht zuletzt weisen die Gegner des Vorhabens immer wieder auf das schlechte Nutzen-Kosten-Verhältnis der A 20 hin. Zudem sei die Küstenautobahn im derzeitigen Verkehrswegeplan des Bundes das mit Abstand umweltschädlichste aller geplanten Straßenbauprojekte.


Bestärkt sehen sich die Kritiker in Naturschutzverbänden und Klimaschutzgruppen nicht zuletzt durch den Beschluss des Bundesverfassungsgerichts hinsichtlich der Folgen der Klimakrise für nachfolgende Generationen. Das Gericht hatte am 29. April entschieden, dass die Regelungen im Klimaschutzgesetz „insofern mit Grundrechten unvereinbar sind, als hinreichende Maßgaben für die weitere Emissionsreduktion ab dem Jahr 2031 fehlen“.

So erklärte Uwe Schmidt für den Koordinationskreis der Initiativen und Umweltverbände gegen die A 20 Anfang Mai: „Die Klimawirksamkeit der A 20 ist hoch. Sie ist das klima- und umweltschädlichste Projekt des gesamten Bundesverkehrswegeplans. Die 200 Kilometer lange Autobahn zwischen Westerstede und Bad Segeberg würde über weite Strecken durch Moorgebiete führen. Vor allem Wälder und Moore sind hervorragende Speicher für das klimaschädliche Treibhausgas Kohlendioxid.“ Allein für die Abschnitte 1 und 2 im Ammerland und der Wesermarsch würden laut Planungsunterlagen rund 1,8 Millionen Kubikmeter Torf ausgehoben, wodurch fast 450.000 Tonnen klimaschädliches CO2 freigesetzt würden, rechnet Schmidt vor, „ohne dass dort auch nur ein Auto gefahren wäre.“ Als ein „Desaster für unser Klima“ bezeichnet Uwe Schmidt die Pläne für eine „Moorautobahn“. „Klimafreundlichere Alternativen haben wir bereits von zehn Jahren vorgestellt, sie wurden bei der Planung nie ernsthaft berücksichtigt“, kritisiert er. Nicht nur, aber erst recht nach dem Verfassungsgerichtsurteil müsse die A 20 umgehend aus dem Bundesverkehrsplan gestrichen werden, so die Forderung.

Nicht zuletzt dieser Forderung soll am ersten Juniwochenende anlässlich eines bundesweiten Aktionstages für eine klimagerechte Mobilitätswende erneut Ausdruck verliehen werden. Den Aktionstag haben Umweltverbände und Kritiker der geplanten A 20 zum Anlass genommen, sich über die Ländergrenze Niedersachsen/Schleswig-Holstein hinweg zu vernetzen und gemeinsam ein Programm entlang der Strecke von Westerstede bis Bad Segeberg auf die Beine zu stellen.


An der aufwändigen Planung beteiligt waren und sind BUND, NABU, Koordinationskreis der Initiativen gegen die A 20, FridaysForFuture und das Bündnis „Moor bleibt Moor“. Bei Bad Segeberg und Glückstadt wird es Fahrraddemos geben und am Fähranleger bei Glückstadt eine länderübergreifende Kundgebung. Bereits am 4. Juni startet eine zweitägige Fahrraddemo von Stade bis Nordenham.

Westlich der Weser und im Ammerland ist für Samstag, 5. Juni, eine große Sternfahrt geplant. Die Strecken starten in Westerstede, Bad Zwischennahn mit Halt in Wiefelstede, Oldenburg mit Halt in Rastede sowie in den Landkreisen Wesermarsch und Friesland. Auch im Friebo-Land gibt es drei Startpunkte:

• Varel, Kreisdienstleistungszentrum Karl-Nieraad-Straße, Start um 10.15 Uhr

• Jade, Rathaus Jader Straße, Start um 10.30 Uhr, Mitfahrmöglichkeit ab Jaderberg (Netto-Parkplatz), ca. 11 Uhr

• Ovelgönne, Start um 9.30 Uhr, Mitfahrmöglichkeit ab Jabben, Ecke Bollenhagener Straße/Kreuzmoorstraße ca. 11 Uhr.

Ziel ist eine zentrale Kundgebung mit umfangreichem Programm ab 12.30 Uhr auf Gut Hahn, Rastede.


Genaue Informationen gibt es unter www.A20-nie.de.
(27. Mai 2021)

 

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