32 Jahre das Gesicht des Strands

Zum Abschied hat Bernd Kappus einen goldenen Erdbohrer geschenkt bekommen. Damit hat es eine besondere Bewandtnis, aber das ist eine andere Geschichte.    BILD: DETLEF GLÜCKSELIG

BRAKE – Die Momente, wenn früh morgens noch keine Touristen da sind, es noch ganz still ist am Strand und hinter den Containerbrücken in Bremerhaven langsam die Sonne aufgeht – Bernd Kappus vermisst sie jetzt schon. Dabei ist es erst wenige Tage her, dass der 65-Jährige von der Gemeinde und der Tourismusgesellschaft in einen neuen Lebensabschnitt verabschiedet wurde. 32 Jahre lang war Bernd Kappus das Gesicht des Burhaver Strandbads. Nun ist er in den Ruhestand gewechselt.

Am 4. April 1989 trat der gelernte Metallflugzeugbauer, der nie das Ziel hatte, sein gesamtes Berufsleben in einer Halle zu verbringen, einen neuen Job an. Es war der Job des Campingmeisters in Burhave, sein Arbeitgeber war und blieb bis zum Schluss die Gemeinde. Damals, an seinem ersten Arbeitstag in Burhave, war Bernd Kappus war so hundemüde, dass er direkt wieder nach Hause geschickt wurde – in der Nacht davor war sein Sohn zur Welt gekommen.

An den Tag, an dem es dann wirklich losging, kann Bernd Kappus sich noch gut erinnern. „Ich dachte, irgendjemand würde mir eine Einführung geben“, blickt er zurück, „statt dessen bekam ich einen Ordner in die Hand gedrückt, und es hieß: mach mal“.
Bernd Kappus machte. Und er lernte schnell zu schätzen, wie vielfältig sein Job an der Wasserkante war. Der Campingplatz war sein Reich; als Knaus die Anlage übernahm, wurde es das Strandbad. Zeitweise fielen auch die Strände in Tossens und Eckwarderhörne in seinen Zuständigkeitsbereich. Weil das alleine kaum zu bewältigen war und er mehr Zeit im Auto als an den Stränden verbrachte, konzentrierte Bernd Kappus sich bald wieder als Bereichsleiter auf Burhave. Dort übernahm er noch eine andere wichtige Aufgabe: die des Standortleiters der DLRG. Vor ihm hatte Hans Janke dieses Amt innegehabt.

Bernd Kappus sorgte dafür, dass am Strand alles sauber und ordentlich war, er wartete die Anlagen, reparierte, wenn etwas kaputt war, kümmerte sich um die Pflege der Spielgeräte, setzte Pfähle für Beschilderungen, leerte Parkautomaten, baute zum Saisonauftakt alles auf und zum Saisonende alles wieder ab, war für die Gäste am Strand der erste Ansprechpartner.

Der besondere Reiz seiner Arbeit lag für Bernd Kappus stets darin, dass er draußen in der Natur tätig war und dass ihm dabei niemand reingeredet hat. „Ich war immer mein eigener Herr“, sagt er. Dass er als Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat der Tourismusgesellschaften manche wichtige Entscheidung mit auf den Weg bringen durfte – zum Beispiel die für den Bau der Nordseelagune –, das freut Bernd Kappus ebenfalls.
Arbeiten, wo andere Urlaub machen? Nichts als Sommer, Sonne, Strand? Knapp daneben. Bernd Kappus erinnert sich an manche Sturmflut, bei der er nachts raus musste, um am Strand zu retten, was zu retten ist. Wenn dann die aufgewühlte Nordsee die schwere Eisentür des Bunkers – so heißt die Werkstatt unter dem Rondell – erzittern ließ, zeigte sich, dass es eben doch mehr ist als ein Schönwetterjob.

Als Ruheständler kann Bernd Kappus bei Sturmfluten nun liegenbleiben. Ganz Abschied nehmen vom Arbeitsleben mag aber nicht. Er hat sich einen 450-Euro-Job geangelt und wird künftig auf den Parkplätzen der Tourismusgesellschaft danach gucken, dass auch jeder brav einem Parkschein gelöst hat.


 

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