Atommüll: Kreis sagt Informationsabend ab

Artikel vom 03.12.2021

Henning Bielefeld

Ein Blick ins Erkundungsbergwerk Gorleben. Es kommt inzwischen nicht mehr als Endlager für Atommüll in Frage.Bild: Symbolboild/atomdruid

Der Kreis sagt den Informationsabend zum Salzstock unter Seefeld ab. Die Gesteinsformation ist als mögliches atomares Endlager im Gespräch.

Diese Absage kommt nicht unerwartet: Wegen der steigenden Corona-Infektionszahlen in der Wesermarsch hat die Kreisverwaltung die angekündigte Informationsveranstaltung zur Suche nach einem Endlager für Atommüll verschoben. Sie sollte am Mittwoch, 8. Dezember, ab 18.30 Uhr in der Nordenhamer Stadthalle Friedeburg stattfinden; dabei sollte es auch um die Bewertung des Salzstocks unter Seefeld durch das Öko-Institut Darmstadt gehen.

Kein neuer Termin

Die Veranstaltung wird im nächsten Jahr nachgeholt, kündigt Landrat Stephan Siefken (CDU) an. Ein Termin ist aber bisher noch nicht ins Auge gefasst.

Die bundeseigene Gesellschaft für Endlagerung (BGE) sucht in ganz Deutschland nach einem Endlager für hochradioaktiven Abfall aus Kernkraftwerken und hat dabei auch den Salzstock Seefeld wegen günstiger geologischer Voraussetzungen als möglichen Platz identifiziert – zusammen mit 89 anderen Orten, die insgesamt 54 Prozent der Grundfläche der Bundesrepublik Deutschland bilden.

Weil das Suchverfahren über mehrere Schritte abläuft und rund zehn Jahre dauern wird, hat die Aufschiebung der Veranstaltung keine negativen Folgen, betont Landrat Stephan Siefken. Der Prozess werde weiterhin offen geführt, die Kreisverwaltung werde wie bisher auf ihrer Homepage über den Stand des Verfahrens informieren.

1900 Behälter

Es geht um 1900 Behälter mit hochradioaktiven Abfällen, die bis zur Abschaltung des letzten Kernkraftwerks in Deutschland 2022 angefallen sein werden. Bisher werden sie in Zwischenlagern an den Kraftwerken verwahrt. Hochradioaktive wärmeentwickelnde Stoffe machen nach Auskunft des Bundesamtes für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) nur etwa 5 Prozent des Gesamtvolumens aller radioaktiven Abfälle aus, enthalten aber etwa 99 Prozent der gesamten Radioaktivität des Atommülls.

Auf der Grundlage vorhandene geologischer Daten hat die BGE in etwa 3 Jahren die 90 möglichen Orte identifiziert. Die Kreisverwaltung reagierte auf die Benennung Seefelds, indem sie am 8. Juni das Öko-Institut in Darmstadt beauftragte, in einem Gutachten die Plausibilität der Vorgehensweise und der Bewertung anhand der verfügbaren Unterlagen zu prüfen und mit den Vorgaben des Standortauswahlgesetzes abzugleichen.

Gutachten liegt vor

Dieses Gutachten der Wissenschaftler Dr. Saleem Chaudry und Judith Krohn liegt inzwischen vor; es sollte am 8. Dezember in der Friedeburg vorgestellt und erläutert werden. Dazu hatte die Kreisverwaltung mehrere Referenten, unter anderem Dr. Saleem Chaudry, eingeladen. Sie sollten auch Fragen von Bürgern beantworten.

Mit dem Gutachten beteiligt sich der Kreis auch am Prozess der Endlagersuche, der einen kritischen Austausch von Bürgern und Institutionen vorsieht. Zwei Säulen begleiten dieses Konzept: ein öffentliches Fachforum, das ein- oder zweimal im Jahr tagt und über Arbeitsfortschritte der BGE berät, und eine Beratungs- und Planungsgruppe, die die Arbeit der BGE engmaschig und kontinuierlich begleitet und das Fachforum vorbereitet. Die Mitglieder der Beratungs- und Planungsgruppe sind am 13. November in einer Auftaktveranstaltung in Berlin gewählt worden.


 

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