Als kalte Buttermilch mit Zimt und Zucker gegen die Hitze half

Von Christina Hinrichs

Nur die Verpackung hat sich geändert: Frische kalte Buttermich mit Zimt und Zucker gehörte zu den Lieblingsgetränken während der Sommer in den 60er Jahren.                   BILD: HINRICHS

WESERMARSCH – Deutschland schwitzt. Tropische Temperaturen bringen uns um den Schlaf. „Viel trinken und möglichst keine anstrengenden Aktivitäten an der frischen Luft“, steht im aktuellen Apotheken Ratgeber. „Frische Luft?“ denke ich. Davon kann nun wirklich nicht die Rede sein. Neulich habe ich mich dabei ertappt, dass ich drei Mal die Woche den Drogeriemarkt aufgesucht habe. Immer unter einem anderen Vorwand. Die haben dort nämlich eine Klimaanlage. Zu Hause haben wir ja keine. „Lohnt sich nicht“, sagt mein Mann. „Für die paar heißen Tage im Jahr“. Der hat gut reden. Er hat eine im Büro. Das langt ihm.
Angenehm ist auch der Aufenthalt in der Frischeabteilung im Supermarkt. Da steh ich dann so rum. Vorräte anlegen, Preise vergleichen oder – bestenfalls – Bekannte treffen. Bisschen quasseln. Über die Hitzewelle, schlaflose Nächte und manchmal auch über das Unverständnis unserer Männer.
In dieser Woche stand ich also wieder mehr oder weniger unschlüssig vor einem der Kühlregale. Brauchen brauchte ich nichts. Also nichts wirklich Notwendiges. Ich versuche dann immer so zu tun als ob. Man will ja auch nicht auffallen. Nicht, dass so ein Kaufhausdetektiv noch auf mich aufmerksam wird. Womöglich unvermittelt anspricht. Oh Gott. Ich merke schon. Die Hitze beeinflusst die Phantasie ...
Ich steh‘ da also immer noch so rum. Vor dem erfrischenden Kühlregal. Wahlweise zwischen dem Käse, der Milch und den Desserts – und da sehe ich sie. Direkt vor mir. Sehe den vertrauten Schriftzug. Die habe ich seit Jahren nicht mehr getrunken.  Buttermilch. Frische kalte Buttermilch mit Zimt und Zucker. Und Zack – bin ich wieder zehn. Sommerferien in den 60er Jahren. Barfuß mit dem Fahrrad zum Einkaufen. „Vergiss den Zwieback nich“, ruft mir meine Mutter hinterher. Hab‘ ich nicht. Und für das Rückgeld, 50 Pfennige, darf ich mir Brausepulver kaufen. Als Proviant für den Freibadbesuch am Nachmittag. Da geht allerdings noch der Eintritt von 25 Pfennigen ab.
Apropos Freibad. Raus aus den Kindheitserinnerungen vorm Kühlregal. Rauf aufs Rad und ab ins Freibad. Aber vorher noch eben mit der Buttermilch zur Kasse. Einen Liter. Am nächsten Tag war ich wieder im Supermarkt. Nachschub holen.


 

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