Hier entsteht ein Tier-Paradies

Martin Sprötge (Planungsgruppe Grün), Cord Hartjen, Petra Henken (NLWKN) und Markus Baritz waren bei der kleinen Einweihungsfeier an der Durchstichstelle dabei. Dort strömte an diesem Tag erstmals das Wasser hindurch.       BILD: BODE

OHRT/RANZENBÜTTEL - „Erstes Wasser läuft“, hieß es nun bei der feierlichen Einweihung einer der größten Naturschutzmaßnahmen der Region. Zweimal täglich wird der Ruschsand, zwischen Ranzenbüttel und Ohrt, nach dem Durchstich zur Westergate jetzt geflutet. Auf einem 36 Hektar großen Kleiabbaugebiet, zu dem auch ein um fünf Hektar vergrößertes Stillgewässer gehört, ist in Zusammenarbeit von Deichband, NLWKN, der Planungsgruppe Grün, dem Grundbaulabor Bremen und der Mittelweser Tiefbau GmbH ein wesertypisches Paradies für Tiere und Pflanzen entstanden.


2003 wurden die Bestickhöhen der Deiche neu ermittelt, berichtete der Vorsteher des 1. Oldenburgischen Deichbands, Cord Hartjen. Sein Vorgänger Christel Bohn habe von Landwirten mehrere Flächen für den Kleiabbau angeboten bekommen und zugegriffen, sagte Hartjen.
So konnte in unmittelbarer Nähe der Klei abgebaut und das bereits als FFH an Brüssel gemeldete Gebiet hergerichtet werden anstatt mühevoll das für die Deicherhöhung benötigte Material „klein-klein“ zusammenzutragen. Ein Problem sei dabei eine Nato-Pipeline gewesen, die mitten durch das Gebiet verläuft, so dass die Planung am Ende zweigeteilt werden musste, sagte Cord Hartjen.

Neben den dort gelegenen landwirtschaftlich genutzten Flächen und dem jetzt auf sechs Hektar erweiterten Stillgewässer gehört die 18 Hektar große Abbaufläche zu dem neuen Naturschutzgebiet.
Es liegt hinter einem vier Meter hohen Sommerdeich, der bis zu 1,3 Meter überspült werden kann und hat eine Verbindung zur Westergate, neu geschaffene Röhricht- und Auwaldbereiche und zwei Inseln. 240.?000 Kubikmeter Klei wurden seit 2016 auf dem 4,5 Kilometer langen Abschnitt zwischen Ranzenbüttel und Ohrt bewegt.
Hinzu kamen 40.?000 Kubikmeter nichtdeichbaufähiges Material, das als Unterfütterung des Deichs, um Flachwasserzonen herzustellen oder steile Ufer auszugleichen, genutzt wurde.

Alles sei fast eine Punktlandung gewesen, freute sich Petra Henken, die als Aufgabenbereichsleiterin des NLWKN das elf Millionen Euro teure Großprojekt von Anfang an begleitete. Anwohner sollten dabei möglichst wenig belästigt werden, so der Plan.
Für alle Beteiligten war es am Ende eine große logistische Herausforderung – auch wenn die letztendlich ausgewählte Kleiabbaustelle in unmittelbarer Nähe der Baustelle lag. Nur drei Stunden vor und nach Niedrigwasser konnte die auf dem Ruschsand gelegene Entnahmestelle über die bestehende Furt erreicht werden. Die Anlegung einer tideunabhängigen Zuwegung wäre zu teuer geworden, hieß es.

Mehr als 5000 Pfähle, Jutegewebe und Weidenfaschinen befestigen die Ufer oberhalb der Steinpackung. Später sollen die Weidenfaschinen zu Bäumchen heranwachsen, erklärte Markus Baritz von der Planungsgruppe Grün. Die Saat wächst durch das Jutegewebe, das in ein paar Jahren nicht mehr zu sehen ist.
Schon jetzt wird das Gebiet von vielen Vogelarten gut angenommen, berichtete Cord Hartjen. Afrikanische Stelzenvögel fühlen sich dort neben Seeadlern, Silberreihern und vielen anderen Arten wohl.
Davon, wie das Wasser gurgelnd erstmals auf die Fläche einströmte, waren alle Gäste des feierlichen Durchstichs fasziniert.


 

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