Elsflether Kapitän nimmt Seeschifffahrt in die Pflicht

Artikel vom 23.01.2023

Evelyn Eischeid

Wie kann die Schifffahrtsbranche dem Klimawandel entgegenwirken? Kapitän Johannes Reifig hielt darüber einen Vortrag. Bild: Evelyn Eischeid

Der Elsflether Kapitän Johannes Reifig hat bei einem Vortragsabend des Nautischen Vereins Niedersachsen in Elsfleth referiert. Im Mittelpunkt stand dabei der Klimawandel.

Beim ersten Vortragsabend des Nautischen Vereins Niedersachsen im Restaurant Kogge berichtete Johannes Reifig, Elsflether Kapitän und Präsident des Schulschiffvereins „Großherzogin Elisabeth“, wie Klimakrise und Schifffahrt unter einen Hut zu bringen sind. Ob das Ziel der Begrenzung von 1,5 Grad Erderwärmung bis zum Jahr 2100 aber erreicht werden kann, ist laut dem Kapitän fraglich. „Auch die internationale Seeschifffahrt hat zur Emissionsverminderung ihren Beitrag zu leisten“, sagt der Kapitän.

Bisherige Entwicklung

Im Rückblick umriss der Referent die bisherige Entwicklung in der Bekämpfung der Treibhausgase. In der Gesamtheit der Emissionen sei die internationale Seeschifffahrt zwar nur mit zwei Prozent aufgelistet, dennoch sei die Branche inzwischen an einem Punkt angelangt, bei dem alles angegangen werden müsse, was im Bereich des Möglichen liegt.

Die schädlichen Emissionen von Schiffen kommen unter anderem aus den Abgasen von Verbrennungsanlagen, Schiffsmotoren und CO2 -Abgasen von Kesseln. Nach der Ermittlung der weltweiten Emissionsmengen will die Imo (International Maritime Organization) eine Reduzierung der Treibhausgase von Schiffen im Vergleich zu den Werten in 2018 um mindestens 50 Prozent erreichen.

Ende des Jahrhunderts sollte zunächst das Null-Emissions-Ziel erreicht werden, inzwischen strebt die Imo dieses Ziel bereits für 2050 an. Seit November 2022 gelten die Imo-Verordnungen zur CO2 -Intensität. Anfang 2023 trat mit der CII-Regulierung (Carbon Intensity Indicator) ein Indikator in Kraft, der die Energieeffizienzbelastung eines Schiffes im Hinblick auf die Emissionen angibt. Er gilt für alle Frachtschiffe über 5000 BRZ (Bruttoraumzahl), die international verkehren, so wie sie in den Vorschriften von Marpol (Übereinkommen zum Schutz der Meeresumwelt) beschrieben sind.

Steigende Kosten

Die Regelungen sollen für die gesamte fahrende Welthandelsflotte gelten – das sind derzeit über 50 000 Seeschiffe. „Festzustellen ist, dass die Reduzierungsmaßnahmen verschiedenster Art für die meisten Schiffe eine Teuerung bedeuten. Lange Seereisen, langsame Geschwindigkeiten, kurze Hafenzeiten, die Nutzung alternativer Brennstoffe und die Verwendung von Landstrom steigern die Kosten. Sie können aber bei der Erreichung der Ziele helfen“, sagt Reifig. Auch der EU-Beschluss, Schiffe in den europäischen Emissionshandel zu integrieren, könne die Emissionen reduzieren.

Die geplanten Maßnahmen der CII-Regulierung wurde vom Verband Deutscher Reeder als Kampf gegen den Klimawandel zwar begrüßt, allerdings stellen manche diese Regulierung auch massiv in Frage. „Alles in allem bleiben noch sehr viele Fragezeichen“, sagt Reifig.


 

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