Ärzte-Notstand soll ein Ende haben

Von Horst Haß

Ministerin Birgit Honé übergibt den ersten Bewilligungsbescheid an den stv. Landrat Dieter Kohlmann. BILD: HAß

Nordenham. So wie in vielen ländlichen Regionen fehlen auch in der Wesermarsch, und hier besonders in der nördlichen Wesermarsch, viele Hausärzte. Eine Prognose besagt, dass 2030 der Grat der vertragsärztlichen und vertragspsychotherapeutischen Versorgung unter 75 Prozent sinken wird. Dem soll entgegengewirkt werden.
Gemäß Helmut Scherbeitz, Geschäftsführer der Bezirksstellen Oldenburg und Wilhelmshaven der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen, sind schon jetzt sieben Vollzeitstellen für Hausärzte im Bereich Nordenham und Butjadingen unbesetzt. Ein Modellprojekt soll Abhilfe schaffen.
Dieses Projekt wurde vom Ministerium für Bundes- und Europaangelegenheiten und Regionale Entwicklung in Hannover initiiert. Drei RVZ-Standorte soll es in Niedersachsen geben, einer davon ist Nordenham. Die weiteren RVZ-Standorte entstehen in den Landkreisen Cuxhaven und Göttingen.
Eine Projektgruppe, der unter anderem Helmut Scherbeitz, Nordenhams Bürgermeister Carsten Seyfarth sowie der Erste Kreisrat Hans Kemmries angehören, haben ein Grobkonzept erarbeitet und in Hannover eingereicht. Mit gemeinsamer Unterstützung der vier Wesermarschlandtagsabgeordneten fand das Konzept in Hannover Gehör. Hauptbestandteil des RVZ sind Hausarztpraxen. Um diese Praxen herum können sich weitere medizinische, und soziale Dienstleister wie zum Beispiel Fachärzte, eine Hebammenpraxis, eine Apotheke, Pflegeberatung, Pflegedienste und einiges mehr ansiedeln. Durch diese Ballung bleiben den Patienten viele Wege erspart. Dazu sagt Carsten Seyfarth: „Das außergewöhnliche an dem Projekt ist, das der Fokus nicht nur auf Hausärzte liegt, sondern in Verbindung mit weiteren Versorgern durchgeführt werden soll“.
Die SPD-Landtagsabgeordnete Karin Logemann freut sich, dass die medizinische Versorgung im ländlichen Raum nun endlich neu überdacht wird. „Ich habe mich sehr dafür eingesetzt, dass ein RVZ in die nördliche Wesermarsch kommt“, so Karin Logemann und ergänzt: „Durch die Zentren kann es gelingen, die ländlichen Regionen attraktiver für Ärzte zu gestalten“.
Die Versorgungszentren sollen ein kombiniertes Angebot aus hausärztlicher Versorgung, Tagespflege und Beratungsangeboten bilden. Ärztinnen und Ärzte sollen dabei Anstellungsmöglichkeiten mit attraktiven, flexiblen Arbeitszeiten eröffnet werden, um so die Hausarztversorgung zu stärken.
Nun ist es soweit! Nordenham wurde als Standort für eines der drei RVZ ausgesucht. Am Donnerstag war die Ministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten und Regionale Entwicklung, Birgit Honé, im Kreishaus in Brake und übergab den ersten Bewilligungsbescheid über 18.000 Euro für die Planung an den stellvertretenden Landrat Dieter Kohlmann.
In Anwesenheit der Wesermarsch Landtagsabgeordneten Karin Logemann (SPD), Dragos Panescu (Bündnis 90/Die Grünen) und Horst Kortlang (FDP), Nordenhams Bürgermeister Carsten Seyfarth sowie Klaus Rübesamen (Bürgermeister Stadland) erklärte Ministerin Birgit Honé: „Mit den Regionalen Versorgungszentren stärken wir die soziale Daseinsvorsorge. Dafür wollen wir eine attraktive und an den praktischen Bedürfnissen der Menschen orientierte Infrastruktur schaffen, die lange Wege vermeidet.“
Darüber hinaus dankte sie den Abgeordneten für die gemeinsame Unterstützung: „Es ist in der Politik nicht selbstverständlich, dass jenseits der „Farbenlehre“ die vier Wesermärschler (dazu gehört auch Björn Thümler, CDU) sich so vehement für das Projekt eingesetzt haben“.
Für Birgit Honé ist das RVZ ein weiterer Baustein aus dem Instrumentenkasten des Regionalministeriums, der die vorhandene Expertise vor Ort bei der Identifizierung von Bedarf und der Entwicklung von Lösungen in den Mittelpunkt stellt. Abschließend sagte sie: „Wir brauchen diese flexiblen Instrumente, die die individuelle Situation vor Ort berücksichtigen. Das ist gerade in einem Flächenland wie Niedersachsen von zentraler Bedeutung – denn unsere Vielfalt ist unsere Stärke“.


 

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