Exotische Konkurrenz für Miesmuschel und Co.

von Ulrike Krebs 

DIE PAZIFISCHE AUSTER HAT SICH IN UNSEREN BREITEN RASANT VERMEHRT. DEM KLIMAWANDEL HAT SIE ES ZU VERDANKEN, DASS DAS WATTENMEER NICHT VIEL ZU KALT FÜR SIE IST. BILD: INGO WAGNER

Pazifische Auster wird durch den Klimawandel im Wattenmeer heimisch 

Eigentlich hatte der Vortrag über die Pazifische Auster beim Butjenter Eeten auf dem Hof Iggewarden stattfinden sollen. Doch Corona hatte Renate Knauel und ihre Mitstreiter vom „Gezeiten“-Arbeitskreis zum Umdenken gezwungen. So trug Dr. Felicitas Demann am Freitagabend gut eine Stunde lang im Rathaussaal in Burhave über die invasive Muschelart vor. Alle 50 zur Verfügung stehenden Plätze waren besetzt.

Felicitas Demann ist in Butjadingen keine Unbekannte. Für ein Jahr war sie bis August 2020 kommissarische Leiterin des Nationalparkhauses in Fedderwardersiel. Heute leitet sie die Umweltstation am Rothsee in Hipoltstein im bayerischen Franken. Die gebürtige Osnabrückerin studierte in ihrer Heimatstadt Marine Umweltwissenschaften. Sie arbeitete in Wilhelmshaven am Institut für Chemie und Biologie des Meeres (ICBM) sowie am Senckenberg-Institut. Hier forschte sie über die Bioinvasion der Pazifischen Felsenauster. Am Alfred-Wegener-Institut (AWI) auf Sylt beschäftigte sie sich später schwerpunktmäßig mit der Spezies der hier heimischen Miesmuscheln.

Aus dem Nordpazifik

Die Pazifische Auster ist, wie bereits ihr Name vermuten lässt, keineswegs im hiesigen Wattenmeer heimisch. Sie stammt aus dem Nordpazifik und war ursprünglich in den Meeren unter anderem vor Japan und China zu finden. Für ihre Entwicklung benötigt sie eine Mindesttemperatur von 19,5 Grad. Da diese auch in der niedersächsischen und schleswig-holsteinischen Nordsee inzwischen vorherrscht, kam es innerhalb von nur zwei Jahrzehnten zu einer rasanten Vermehrung der Spezies, die vorwiegend aus Nordamerika eingeschleppt wurde.

Dies geschah auf dem Schiffsweg. Viele Austern gelangten über das Ballastwasser, das Seeschiffe aufnehmen, um auf dem Meer ohne oder mit nur wenig Ladung ausreichend Stabilität zu haben, nach Europa. Große Containerhäfen sind Hotspots für die Pazifische Auster. Hinzu kam der Umstand, dass der Klimawandel die schnelle Verbreitung der neuen Wattbewohner beschleunigte.

Im Jahr 2010 belief sich der Bestand der Pazifischen Austern allein im Niedersächsischen Wattenmeer bereits auf 141.000 Tonnen, was, so Felicitas Demann, einer anthropogenen Bioinvasion gleichkomme. Derartige Vermehrungsprozesse durch menschliches Handeln gehen mit einer massiven Veränderung von Ökosystemen einher. Sie gefährden die biologische Vielfalt und führen nach Auskunft der Referentin gegebenenfalls zur Ausrottung ganzer Arten.

Leben in Koexistenz

Im Falle der Pazifischen Auster sah es lange so aus, als ob die exotische Spezies die heimischen Miesmuscheln konsequent verdrängen würde. Die scharfkantigen Tiere machten sich nicht nur auf Steinen und an Hafenkais breit, sondern eroberten auch immer mehr die Miesmuschelbänke. Neuesten Forschungsergebnissen zufolge ist die Miesmuschel aber wohl nicht bedroht. Es scheint derzeit vielmehr eine Koexistenz der beiden Planktonfiltrierer vorzuherrschen, denn es gibt in der Nordsee nach wie vor reine Miesmuschelbänke.

Die blauschwarzen Pfahlmuscheln profitieren sogar von ihren exotischen Konkurrenten. Sie sitzen häufig auf den Austern und sind so vor den Angriffen durch Vögel geschützt. Unklar ist bislang jedoch, welche ökologischen Auswirkungen die mit der Pazifischen Auster eingeschleppten Parasiten mittel- und langfristig haben werden.

Meeresbiologen versuchen, die Europäische Auster wieder in der Nordsee anzusiedeln. Die ehemalige Königin der Meere war bis 1930 hier beheimatet, starb aber durch Überfischung, Eiswinter, Krankheiten und Parasiten aus.


 

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