Fußgängerzone wird wieder komplett autofrei

Artikel vom 12.09.2022

Jens Milde

Wie an der Perlenkette aufgereiht parken Autos in der nördlichen Fußgängerzone. Ab dem 1. November ist das nicht mehr erlaubt. Bild: Jens Milde

Der Versuch ist gescheitert: Ab dem 1. November ist die Fußgängerzone in Nordenham wieder komplett autofrei. Nur einem Ratsmitglied gefällt das nicht.

Die Abstimmung fiel ziemlich eindeutig aus. Die Stadt Nordenham will den Autoverkehr wieder aus dem nördlichen Abschnitt der Fußgängerzone verbannen. Das hat der städtische Bauausschuss am Mittwochabend bei seiner Sitzung im Einswarder Mehrzweckhaus beschlossen. Lediglich Mustafa Sahin von der Wählerinitiative Nordenham stimmte dagegen.

Ab dem 1. November wird der Bereich zwischen Lloydstraße und Hafenstraße wieder autofrei. Diesen Abschnitt hatte die Stadt probeweise vor gut zwei Jahren für den Autoverkehr freigegeben. Damit war die Hoffnung verbunden, mehr Leben in die dort verbliebenen Geschäfte zu bekommen. Nach Ansicht der Stadtverwaltung ist der erhoffte Aufschwung allerdings ausgeblieben. Stattdessen habe die Öffnung für den Fahrzeugverkehr zu Problemen geführt, wie Baudezernentin Ellen Köncke in der Sitzung mitteilte. Kunden seien eher weniger geworden. Viele hätten den Bereich gemieden aus Angst vor Autofahrern, die mit überhöhter Geschwindigkeit unterwegs sind.

Gescheitert

Diesen Eindruck hätten auch Anlieger bestätigt, die die Stadt zu einer Versammlung eingeladen hatte. Die Teilnehmer hätten den Versuch einvernehmlich als gescheitert beurteilt. Neben Autofahrern, die deutlich schneller als die erlaubten 20 Stundenkilometer unterwegs waren, klagten sie über Probleme mit dem ruhenden Verkehr. Rettungswege seien täglich eingeengt worden. Außerdem hätten sich viele Autofahrer nicht an die eingeschränkten Parkzeiten gehalten.

Zum Beschluss gehört auch, dass die Wilhelm-Böning-Straße mit Sperrpfosten geschlossen bleibt, damit die Trasse nicht als Abkürzung genutzt werden kann. Dies war ein großes Problem für die Anrainer vor Öffnung der Fußgängerzone. Die Sperrpfosten können vom Rettungsdienst jederzeit entfernt werden.

Tabuzone

Mustafa Sahin (WIN) begründete sein Nein zu diesem Beschluss damit, dass ihm die Gewerbetreibenden leid tun. Hergen Kalitzki bedauerte, dass sich nur wenige Betroffene an der Abstimmung beteiligt haben. „Im Augenblick sehe ich aber auch keine Invasion von Geschäftsleuten, die sich hier ansiedeln wollen. Wenn sich die Lage ändert, kann man wieder über eine Öffnung nachdenken.“ Jörn Fuhrken (CDU) plädierte dafür, sich die Situation in einem Jahr noch einmal anzuschauen.

Ivonne Solbrig (SPD) sieht den nördlichen Abschnitt der Fußgängerzone auch langfristig als Tabuzone für Autos, vor allem wegen der geplanten Maßnahmen im Zuge des Förderprogramms Perspektive Innenstadt. Zudem sei der Autoverkehr eine Gefahr für Kinder und Jugendliche. Und die könnten bald vermehrt in diesem Bereich unterwegs sein. Auf einer Brachfläche an der Lloydstaße soll noch in diesem Jahr ein mobiler Freizeitpark entstehen. Darauf wies Stadtplaner Tim Lorenz hin. Die Verbesserung der Aufenthaltsqualität helfe den Gewerbetreibenden mehr als parkende Autos.

Tatsächlich hat sich bisher nur ein Gewerbetreibender öffentlich darüber beklagt, dass die Fußgängerzone wieder autofrei werden soll. Rainer Woge, der an der Ecke Hafenstraße seine Handy-Stube betrieben hatte, verzeichnete während der Versuchsphase einen Kundenanstieg. Inzwischen ist er mit seinem Geschäft an die Bahnhofstraße gezogen.


 

Blaulicht-Ticker

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