Gemeinsame Sache gegen die Einsamkeit

Artikel vom 29.12.2021

Christian Schöckel

Die Teilnehmer an der Aktion „Gemeinsam gegen einsam“ packten Geschenktüten für Senioren. Bild: Christian Schöcke

135 Geschenktüten haben Nordenhamer Nachbarn für Senioren gepackt. Ihre Aktion haben sie „Gemeinsam gegen einsam“ genannt. Nun hoffen sie auf Nachahmer.

Es sind die Nachbarn aus der Schillerstraße und vom Lutherplatz, es sind die Kinder und ist die Familie von Ulrike Fuchs und Sabine Zinn, es sind zudem Bekannte und Freunde. Aber es gesellten sich auch viele andere spontan dazu, nachdem sie in den Sozialen Netzwerken davon gelesen hatten: In weniger als drei Wochen stampften sie gemeinsam eine Initiative gegen das Vergessen aus dem Boden und packten 135 rosa und blaue Weihnachtstüten für die Bewohnerinnen und Bewohner des Wohn- und Pflegezentrums Gut Hansing und Kunden der Ambulanten Pflege Regenbogen.

Über 40 Helfer zählt die Aktion inzwischen – die genaue Zahl weiß niemand. Auch einen Namen hat die Aktionsgemeinschaft noch nicht. Wohl aber eine packende Idee: „Gemeinsam gegen einsam“ beschreibt Sabine Zinn sie. „Corona nimmt uns alle doch ganz schön mit. Aber damit Corona uns nicht zermürbt, dachten wir uns: Tue Gutes, hilf anderen, und es wird uns sehr viel besser gehen“, ergänzt Ulrike Fuchs. Im vergangenen Jahr hatten die beiden bereits bei einer „Challenge für die Nordenhamer Tafel“ allerhand Geld eingesammelt. Mit ihrer jetzigen Initiative wollten sie noch eine Schippe drauflegen.

Dankbar für die Idee

Wie ein Lauffeuer sprach sich ihre Idee herum, und spontan gab es Unterstützung von vielen Seiten. Ulrike Fuchs: „Die Leute waren zauberhaft und haben uns angesprochen. Sie schienen dankbar für die Idee. Sie spendeten und sammelten auch. Beim gemeinsamen Packen dann hatten wir alle zusammen riesigen Spaß und schmolzen von Tag zu Tag mehr zu einer Gemeinschaft zusammen.“ Es wurde gestrickt, es wurden Krullkuchen und Kekse gebacken, Weihnachtssterne gebastelt, die Geschenktüten beklebt und bemalt und kleine Briefe geschrieben. Für das gesammelte Geld wurden kleine Leckereien gekauft, dazu einen Pikkolo oder ein Fläschchen Wein oder Parfüm und Duschgel. Ein Supermarkt spendierte zudem Äpfel und Mandarinen. „Irgendwann“, so erinnert sich Ulrike Fuchs, „hielt auch einmal ein großes schwarzes Auto vor unserer Haustür. Ein Mann stieg aus und übergab uns eine ganze Kiste mit dicken Mützen und Wollsocken. Alles neue Sachen. Der Mann fuhr dann ohne Worte wieder weg. Seinen Namen hat er uns nicht gesagt.“ Die Mützen und Socken brachten die Helfer zur Obdachlosenhilfe der Diakonie.

Tolle Resonanz

Ursprünglich, zu Beginn der Aktion, war „nur“ daran gedacht gewesen, den 85 Bewohnern von Gut Hansing mit den Weihnachtspäckchen ein frohes Fest zu wünschen. Da aber die Resonanz „so spontan so toll“ war und immer mehr Geld in die Sammeldosen kam, wurden weitere 50 Tüten für die Ambulante Pflege gepackt. Und auch ein kleines Dankeschön für die Pfleger war noch drin.

„Die Aktion lebte davon, dass alle kräftig mit angepackt haben. Ulrike und ich sind dabei nur ein Rädchen von vielen. Wir hatten quasi nur einen Stein ins Wasser geworfen“, zog Sabine Zinn Bilanz. Und sie ist überzeugt davon, dass sie nicht alleine bleiben, sondern Nachahmer finden werden.

Auch am Lutherplatz und umzu soll die Aktion „Gemeinsam gegen einsam“ keine Eintagsfliege bleiben. Die neue, noch namenlose Initiative sammelt schon fleißig findige Ideen fürs kommende Jahr.


 

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