Grünes Licht für Container-Kita

Artikel vom 28.11.2021

Jens Milde

Die Stadt Nordenham kann die zuletzt von der Gemeinde Stadland genutzten Container bekommen, um dringend benötigte Kita-Gruppen einzurichten. Bild: Archiv

Die Stadt Nordenham muss zusätzliche Kita-Plätze schaffen. Mit einer Container-Anlage beim Freizeitbad Störtebeker will sie jetzt kurzfristig den bestehenden Mangel entschärfen.

Es muss etwas passieren, und zwar schnell. Da sind sich Politik und Verwaltung einig. In der Sitzung des Jugend- und Bildungsausschusses am Donnerstagabend im Rathaus ging es um die fehlenden Kita-Plätze in Nordenham. Aktuell gibt es eine erhebliche Unterversorgung. Darauf wies der Leiter des Amtes für Bildung und Freizeit, Jens Freese, nicht zum ersten Mal hin. Zurzeit fehlen 51 Krippenplätze (das entspricht drei bis vier Gruppen) und 110 Kindergartenplätze (4 bis 5 Gruppen). Um diese Lücke kurzfristig wenigstens halbwegs zu schließen, sollen nun Container angeschafft werden. Dafür gab der Ausschuss einstimmig grünes Licht.

Nach der Prüfung verschiedener Standorte ist die Verwaltung zu dem Schluss gekommen, dass die Container-Kita am besten auf der ehemaligen Minigolfanlage beim Freizeitbad Störtebeker aufgehoben ist.

Die gute Nachricht: Die Container sind schnell zu bekommen – und zwar von der Nachbargemeinde Stadland. Sie sind so dimensioniert, dass mindestens zwei Gruppen darin betreut werden können. So lässt sich der Mangel an Kita-Plätzen schon im nächsten Jahr entschärfen. Ob die Containeranlage, die auch erweitert werde kann, gekauft oder gemietet wird, ist noch offen. Nach Ansicht der Verwaltung bietet sich ein Kauf an, weil die Anlage wohl mindestens vier Jahre benötigt wird und Nachnutzungen denkbar seien.

Zu wenig Fachkräfte

Das größere Problem ist aus Sicht von Jens Freese die Personalausstattung. Im ersten Schritt würden bis zu sieben zusätzliche Fachkräfte benötigt. Die sind aber rar. „Ich gehe davon aus, dass wir das hinkriegen, aber die Hand kann ich dafür nicht ins Feuer legen“, sagte Jens Freese. Der Amtsleiter machte deutlich, dass die Situation schon jetzt kniffelig ist. Das vorhandene Personal sei an der Grenze der Belastbarkeit, es gebe kaum Vertretungskräfte auf dem Markt. Um zwei weitere Kita-Gruppen zu schaffen, laufen bereits Planungen für einen Umbau des evangelischen Kindergartens Regenbogen in FAH und für einen Anbau am Kindergarten St. Willehad. Außerdem soll geprüft werden, wo weitere Krippengruppen geschaffen werden können, Bedarf besteht vor allem in der Innenstadt und in Abbehausen.

Ist damit der ursprünglich geplante Neubau einer Kita auf dem Gelände der Südschule vom Tisch? Die Verwaltung hält ihn für verzichtbar und bezieht sich auf eine neue Prognose zur Bevölkerungsentwicklung des Landkreises. Danach werden für das Jahr 2025/2026 80 Kita-Plätze weniger benötigt als bisher angenommen. Der Prognose zufolge werden zu diesem Zeitpunkt fünf Krippengruppen mehr benötigt als heute aber keine zusätzlichen Kindergartengruppen.

„Kaffeesatzleserei“

Erhebliche Zweifel an der Prognose kommen aus der SPD. Fraktionschef Nils Humboldt bezeichnete die Zahlen als „Kaffeesatzleserei“. Nicht berücksichtigt seien politische Entwicklungen. Er gehe davon aus, dass eine neue Einwanderungspolitik der Ampel-Koalition zu mehr Migration führen könne. Eine gute Versorgung mit Kita-Plätzen sei auch ein Standortfaktor, wenn es darum geht, junge Familien in Nordenham anzusiedeln. Weitere Baugebiete im Einzugsbereich der Südschule könnten den Bedarf erhöhen. Zudem sei es nicht schlimm, etwas über den Bedarf zu planen. Aber spielt der Landkreis als Aufsichtsbehörde bei einer solchen Planung mit? Jens Freese schätzt die Chancen eher gering ein.

Der Beschluss, auf den sich der Ausschuss einigte, sieht nun vor, dass neben der Neuschaffung von Krippenplätzen an bestehende städtische Einrichtungen weiterhin auch die Option Neubau an der Südschule geprüft wird.


 

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