Das Handwerksmuseum Ovelgönne öffnet wieder

Von Horst Haß

Dr. Susanne Schlechter (vorne links) begrüßte eine Reihe Leihgeber und dankte ihnen für die Exponate. BILD: HAß

OVELGÖNNE - Rund ein halbes Jahr war das Handwerksmuseum in Ovelgönne, bedingt durch die Corona-Pandemie, geschlossen. Diese Zeit hat Museumsleiterin Dr. Susanne Schlechter mit vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern genutzt, um eine neue Sonderausstellung aufzubauen. Sie befasst sich mit der Geschichte des Melkens und der Molkereien in der Wesermarsch. Einen besonderen Raum nehmen dabei die alten Botterbloom-Milchwerke in Strückhausen ein.

Die Sonderausstellung im Handwerksmuseum „erzählt“ die Geschichte der Milch aus der Wesermarsch. Die weite Kulturlandschaft, überwiegend Weideland, wurde immer wieder durch nicht trinkbares Salzwasser überflutet. Die Urbarmachung der Marschlandschaft war nur durch Kühe möglich, denn sie wandelten das Gras in trinkbare Milch um. Auf die früheren kleinen Wesermarsch-Rinder, die vor 100 Jahren noch stark vertreten waren und viele hohe Preise bei nationalen und internationalen Bullen-Körungen erhielten, folgten später größer gewachsene Hochleistungsrassen. Die neue Rasse erzeugte in ihren Eutern erheblich mehr Milch. Wurden die Kühe früher direkt auf der Weide per Hand gemolken, so findet das Melken heute in den Ställen mit Melkrobotern statt und markiert eine historische Entwicklung zu einer industriellen Landwirtschaft. Diese Entwicklung findet in der Sonderausstellung ihren Niederschlag.

Aus dem Museumsmagazin werden alte Milchkannen, Melkschemel, Butterfässer zum Drehen und Stampfen, Rahmlöffel und Zentrifugen gezeigt. Ergänzt durch Sammlerstücke verschiedener Privatpersonen ist diese Ausstellung mit erstaunlichen Schätzen bestückt. So zum Beispiel zahlreiche Medaillen der alten Berner Molkerei, die diese schon kurz nach ihrer Gründung am Ende des 19. Jahrhunderts auf internationalen Weltausstellungen in Paris, den USA und Moskau gewinnen konnte. Neben den vielen privaten Leihgebern haben sich auch regionale Verbände mit Leihgaben an der Ausstellung beteiligt. So stellt die Landesvereinigung der Milchwirtschaft Niedersachsen e.V. eine Holz-Kuh zur Verfügung, an deren Gummieuter Besucher selbst das Melken ausprobieren können.

Im Rahmen einer Projektphase wurde 2011 das Grünlandzentrum gegründet. Seinen Sitz hat es in Ovelgönne. Über die Jahre hinweg hat es sich zu einem verlässlichen Partner von Landwirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Politik entwickelt. Die Weidecharta wurde am 28.10.2015 vom damaligen Agrarminister Christian Meyer feierlich unterschrieben und am 23.4.2017 wurde das neue Gütesiegel Pro Weideland durch den Minister beim Weideaustrieb vorgestellt.

Ausstellung ist vom 13. September bis zum 28. März 

Am Donnerstagabend begrüßte Dr. Susanne Schlechter eine Reihe Ehrengäste im Museum, die mit ihren Leihgaben zur Entstehung der Ausstellung beigetragen haben. Sie bedankte sich bei den Leihgebern und sagte: „Ohne ihre Exponate, die sie uns zur Verfügung gestellt haben, wäre die Ausstellung nicht das, was sie heute vor sich sehen“. 

Offiziell ist die Ausstellung vom 13. September bis zum 28. März 2021 zu sehen. Trotz der aktuellen Corona-Bestimmungen mit Abstands- und Maskenpflicht hofft die Museumsleiterin auf viele Gäste. Die Öffnungszeiten sind sonntags von 14 bis 18 Uhr sowie werktags auf Anfrage. Führungen sind in Kleinstgruppen auf Anfrage möglich.


 

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