Mit meinem Mann im Homeoffice

Von Christina Hinrichs

Zwischen den 80 Zentimetern beginnt es zu brodeln...  BILD: HINRICHS

ZU HAUSE –  Wie bringe ich in diesen Zeiten eigentlich zu Papier, was mich beschäftigt. Und zwar möglichst, ohne missverstanden zu werden. Rücksichtsvoll. Empathisch. Und trotzdem ehrlich. Ehrlich gesagt? Ich habe keine Ahnung. Schiebe die Bedenken beiseite und mach das jetzt einfach mal.

Als Redakteurin  bin ich den Büroalltag gewöhnt. E-mails bearbeiten, telefonieren,  Presse- und Kundentermine wahrnehmen. Fünf Stunden lang. An fünf Tagen in der Woche. Zwischendrin ein Schnack mit den Kollegen, Teamsitzungen und was sonst noch so anfällt. Und jetzt? Hocke ich seit fünf Wochen am heimischen Küchentisch. Arbeite im home office. Das Virus schickt mich und viele andere in die häusliche Verbannung. Fünf Stunden lang. An fünf Tagen in der Woche. Manchmal klingelt hier das Telefon. Aber nicht oft. Eigentlich eher selten.

Jetzt will ich ja nicht klagen. Denn: ganz ehrlich?! Das ist ja alles auszuhalten. Ungewohnt: Ja! Befremdlich: Ja! Aber: Hand auf‘s Herz. Viel befremdlicher ist doch der Umstand, dass man unter Umständen nicht allein im home office sitzt.  Mir gegenüber - also wirklich direkt vis a vis - guckt  nämlich mein Ehemann auf seinen Rechner. 

Ich hab das mal geschätzt. Also - den räumlichen Abstand zwischen uns geschätzt. Das dürften cirka 80 Zentimeter sein. Nicht, dass man mich jetzt falsch versteht. Ich bin wirklich gern mit meinem Mann verheiratet. Aber - jeden Tag? Ha-ha-ha... (Spaß muss sein...) 

Während andere Paare den täglichen Alltagskram miteinander gewohnt sind, verhält sich das bei uns nämlich so:  Wir leben seit fast 20 Jahren  zusammen. Allerdings nur an den Wochenenden. Schuld ist sein Job. Aber da kann ich gut mit leben inzwischen. Und er auch! Um genau zu sein beschränkt sich unser Eheleben normalerweise auf 62 Stunden pro Woche. Immer von Freitag Nachmittag bis Montag früh. Model „Wochenend-Ehe“. Und das klappt gut tatsächlich. Wir haben uns daran gewöhnt.  Von den 365 Tagen im Jahr verbringen wir an 30 Tagen den Urlaub miteinander.   Plus der gesetzlichen Feiertage. Alles geregelt und durchorganisiert. Wie sagt man? Läuft bei uns.

Und jetzt DAS! Corona-Krise. Das konnte ja kein Mensch ahnen, was da dran hängt. Unser Beziehungsalltag zum Beispiel.  Alles durcheinander. Urlaubsreisen sind gestrichen. Wochenend - Ausflüge auch. Mal lecker essen gehen oder auf ein Bierchen mit Freunden? Fehlanzeige! Stattdessen mutiert der Lebensmitteleinkauf bei uns inzwischen zum highlight.  

Die Quarantäne wird wohl noch andauern. Also weiterhin  zusammen im home office. Wer weiß wie lange noch?   An fünf Tagen in der Woche. Fünf Stunden am Stück? (Ich wiederhole mich). Das  birgt unter Umständen Konflikte. Also - bei uns jedenfalls. Zwischen den 80 Zentimetern beginnt es zu brodeln. Ohne Worte. Da liegt was in der Luft. Als Frau spürt man das. 

Gestern hat mich mein Mann gefragt, ob ich gereizt bin. „Nein! Wieso?“ hab ich geantwortet. Wahrscheinlich den Bruchteil einer Sekunde zu schnell. Vielleicht auch eine Spur zu schnippisch. „Also doch“, kam es wie aus der Pistole geschossen von ihm zurück.  Da bekommt doch der Begriff „Worthülse“ gleich eine ganz neue Bedeutung. In diesem Sinne: Durchhalten!


 

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