Jetzt kommt es auf jeden an

Der Landkreis erläuterte die Maßnahmen in einer Video-Konferenz. BILD: HANS-CARL BOKELMANN

BRAKE – Zum ersten Mal in der Geschichte des Landkreises Wesermarsch – seit Gründung des Landes Niedersachsen im Jahr 1946 – ist am Montag eine Ausgangssperre verhängt worden. Landrat Thomas Brückmann begründete diese Maßnahme am Dienstag in einer Videokonferenz mit der hohen Zahl an Corona-Erkrankten im Landkreis und dem hohen Inzidenzwert. Die Corona-Fälle hätten sich bis zu 70 Prozent in die Fläche verlagert. Es gelte, gegenzusteuern.

Private Treffen

Die Ausgangssperre von abends 21 Uhr bis morgens um 5 Uhr soll nun dazu führen, die Fallzahlen zu senken. Es gehe vor allem um „heimliche private Treffen“, die so unterbunden werden sollten, begründete der 1. Kreisrat Hans Kemmeries die Verfügung. Zuvor hatte Thomas Brückmann bereits betont, dass die hohen Infektionszahlen getragen werden von diversen Geschehen in Einrichtungen, egal welcher Art. „Aber auch das unnötige Fehl-Verhalten bei privaten Zusammenkünften hat uns in die Lage gebracht, in der wir heute sind und in die wir alle nicht hinein wollten“, sagte er.

Mehr Kontrollen

In Abstimmung mit der Polizei wollen die Landkreis-Kommunen präsent sein und die Einhaltung der Ausgangssperre kontrollieren. „Wir tauschen uns aus, es wird gemeinsame Kontrollen geben“, sagte Nordenhams Kommissariatsleiter Patrick Hublitz. So werden nach seinen Worten Polizei-Kollegen aus Nachbarkreisen, von der Bereitschaftspolizei und auch Mitarbeiter der Ordnungsämter die Arbeit unterstützen.

200 Euro Strafe

Der Landkreis hofft, dass die Maßnahmen fruchten. Wer gegen die Ausgangssperre verstößt, muss mit 200 Euro Strafe rechnen. Wie es beim Schulunterricht weitergeht – die Präsenzpflicht ist derzeit ausgesetzt – wird sich laut Hans Kemmeries zum Wochenende hin zeigen. Am Freitag werde eine Entscheidung gefällt. Der Inzidenzwert, den das Niedersächsische Landesgesundheitsamt mitteile, sei zu berücksichtigen. „Sollte er bei 200 liegen, gilt weiter Szenario C“, so der 1. Kreisrat. An den Gymnasien bereiteten sich Schüler aufs Abitur vor. Wie in diesen Fällen zu verfahren ist, soll noch besprochen werden.

Kein Zutrittsverbot

Die Ausgangssperre gilt zunächst bis zum 24. Februar. Ab 21 Uhr sollten die Wesermärschler zuhause bleiben, sofern es beispielsweise keinen triftigen Grund wie Fahrten zur Arbeit und wegen eines medizinischen Notfalles gibt. Die Wesermarsch riegelt sich aber nicht komplett ab. Wer beispielsweise von Bremerhaven aus nach Delmenhorst fahren möchte, auch in Zeiten der Ausgangssperre im Landkreis, könne dies ohne Weiteres tun, so Hans Kemmeries.

Hoher Inzidenzwert

Den 7-Tage-Inzidenzwert gab das Niedersächsische Gesundheitsamt am Dienstag mit 239,3 an. Er lag damit unter dem Wert vom Vortag (254,0). Wie Landrat Thomas Brückmann betonte, habe sich der Wert zwar etwas nach unten bewegt. Das sei aber der höchste Wert in Niedersachsen. Im gesamten Bundesgebiet rangiere die Wesermarsch hinter dem Landkreis Tirschenreuth (Bayern; Inzidenzwert am Dienstag bei 309,5) auf dem zweiten Platz.

Es bleibt also abzuwarten: Wenn der Inzidenzwert stabil unter 200 liegen und sich bei 160/170 einpendeln werde, sei über Lockerungen nachzudenken, betonte Hans Kemmeries in der Videokonferenz.

Gassigehen erlaubt

Landkreis, Kommunen und Polizei setzen laut Thomas Brückmann alles daran, das gegenwärtig hohe Infektionsgeschehen rasch zu senken. Jeder sei in der Pflicht, sich an die Kontaktbeschränkungen und Maskenpflicht zu halten. Und was die Hundehalter betrifft: Diese können auch noch nach 21 Uhr mit ihren Vierbeinern Gassi gehen.


 

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