Die Menschen nicht alleine lassen

Bianca Czeranowicz ist im Fahrdienst der Johanniter-Tagespflege Nordenham engagiert.BILD: Dennis Weiß

NORDENHAM – Der weiße Wagen steht mit angeschalteten Warnblinkern auf dem Parkstreifen vor einem Einfamilienhaus in Nordenham. Die Hebebühne, mit der ein Einsteigen im Rollstuhl möglich ist, ist bereits heruntergelassen. „Wir holen die Gäste unserer Tagespflege jeden Morgen ab und bringen sie nachmittags sicher wieder nach Hause“, erzählt die 46-Jährige und drückt die Klingel. Ohne Helferinnen wie sie würden einige der Versuche der älteren Menschen, gesellschaftliche Teilhabe zu bekommen, wohl schon an dieser Haustür scheitern.

Als das öffentliche Leben wegen des Coronavirus im März zum Stehen kam, bekamen auch die Tagespflegen im Land ein Betriebsverbot. Auf einmal waren ältere Menschen und ihre Familien auf sich gestellt. Ebru Tavan aus dem Pflegeteam der Nordenhamer Johanniter ließ sie nicht allein und rief in der folgenden Zeit bei den Tagesgästen an. Jede Woche klärte sie, ob alles geregelt und die Versorgung sichergestellt ist.

Seit Anfang Mai läuft in der Tagespflege der Johanniter ein Notbetrieb, um vor allem jenen zu helfen, die der Unterstützung dringend bedürfen. „Nicht überall gibt es Familie, die sich über Wochen hinweg kümmern kann.“ Dabei bleiben die Gruppen klein, um das Infektionsrisiko niedrig zu halten. Also holen Bianca Czeranowicz und ihre Kollegen derzeit weniger Menschen von zu Hause ab als gewöhnlich. Derzeit ist nur ein Fahrzeug statt zweien unterwegs, im Fahrzeug selbst sind einzelne Sitze gesperrt, um Abstand zu schaffen. Mehrfach täglich werden die Kontaktflächen desinfiziert. Und alle Menschen im Fahrzeug tragen eine Bedeckung von Mund und Nase. „Als Brillenträgerin ist das schon lästig“, sagt Bianca Czeranowicz und man sieht ihr an, dass sie das Stück Stoff vor dem Gesicht gerne loswerden würde. Jedoch: „Zum Schutz meiner Fahrgäste gehört es nun mal dazu.“

Auch bei wärmerem Wetter trägt die Ehrenamtliche, die selbst im Stadtteil Blexen wohnt, langärmlige Kleidung und Handschuhe, denn ganz ohne Kontakt geht es nicht. „Ich fahre ältere Menschen, die auch mal meine helfende Hand benötigen“, erklärt sie, während sie der älteren Dame in das Fahrzeug hilft, vor deren Haus sie parkt. „Wenn jemand beim Gehen gestützt werden muss, dann kann ich nicht danebenstehen und tatenlos zuschauen.“ Mit den geplanten Schutzmaßnahmen muss sie das auch nicht. Angst hat sie keine. „Diese Menschen brauchen meine Hilfe. Da kann ich doch nicht zu Hause sitzen bleiben“, sagt Bianca Czeranowicz und steigt an der Fahrertür ein. Ihre Tour ist für heute noch nicht zu Ende.


 

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