Grünes Licht an der Kakerlakenbahn

An der Kakerlakenbahn der Kindertagesstätte Lüttje Lüü in Schwei ist die Luft rein, wie das CO²-Messgerät zeigt, das die Kita-Leiterin Miriam Mogwitz und der sechsjährige Theis gemeinsam in Händen halten. BILD: HENNING BIELEFELD

SCHWEI- 672 ist eine ziemlich gute Zahl. In Schulnoten ausgedrückt wäre sie eine glatte Zwei. Und das bedeutet: Die Luft ist rein in der Roten Gruppe der Schweier Kindertagesstätte Lüttje Lüü. In absehbarer Zeit muss nicht gelüftet werden.

Die Kinder, die hier in der Notbetreuung sind, dürfen also weiter an der Kakerlakenbahn spielen. Die Bahn ist eine Stadt aus bunten Bauklötzen, durch die ein aufziehbares Plastikinsekt flitzt.

Die Zahl 672 bedeutet: In einer Million Teilen Luft schweben 672 Teile Kohlendioxid – festgestellt von einem CO²-Sensor. Das Gerät ist kleiner als ein Smartphone und misst den Kohlendioxidgehalt der Raumluft. Wenn der unter 1000 Teile liegt –das ist weniger als 0,1 Prozent –, zeigt es unter der Zahl einen kleinen grünen Balken an. Jetzt wissen auch die Kinder, die mit der großen Zahl noch nicht so viel anfangen können: Alles in Ordnung.

Dabei geht es natürlich gar nicht um Kohlendioxid. Sondern um Coronaviren, die sich bekanntlich durch die Luft weiterverbreiten. Für die gibt es allerdings noch keinen Sensor. Deshalb behilft sich die Gemeinde Stadland mit dem CO²-Messgerät, das sie für etwa 50 Euro gekauft hat. Das Erzieherinnen-Team um die Leiterin Miriam Mogwitz hatte sich im Herbst bereit erklärt, die kleine Anti-Corona-Waffe in ihrer Tagesstätte zu testen.

Die Gemeindeverwaltung hatte auf Anregung der SPD/WPS/FDP-Mehrheitsgruppe im Rat in den Kitas und Grundschulen nachgefragt, ob Interesse an den Messgeräten bestehe. Das Schweier Team griff sofort zu, weil es in dem Messgerät ein wichtiges Mittel erkennt, das Ansteckungsrisiko so gering wie möglich zu halten.

Das ist gerade in Kindertagesstätten eine Herausforderung, weil die Mädchen und Jungen in den Gruppenräumen keine Masken tragen. Die Erzieherinnen können andererseits keine Mindestabstände einhalten – und Schutzkleidung tragen sie selbstverständlich auch nicht.

Zudem sind die Lüftungskonzepte nicht immer korrekt einzuhalten, weil der Alltag in einer Kindertagesstätte seinen Tribut fordert. Deshalb sieht das Schweier Team die Messgeräte als sinnvolle und wichtige Ergänzung zu den Lüftungskonzepten an, wie Miriam Mogwitz sagt.

Und so funktioniert das Gerät: Werte zwischen 400 und 600 ppm (Teile pro Million) gelten als „hervorragend“ – eine glatte Eins –, Zahlen von 601 bis 1000 als „gut“ oder „befriedigend“ – in allen Fällen steht die Ampel im Messgerät auf Grün. Von 1001 bis 1500 ppm wechselt die Ampel auf Gelb, die Luft ist nur noch „mittel“, eine Lüftung wird empfohlen. Ab 1501 ppm leuchtet Rot auf, Lüften ist erforderlich.

Schon sobald die Ampel auf Gelb umspringt, öffnen die Erzieherinnen die Terrassentür zum Lüften. Ein solcher Lichtwechsel ist kaum zu übersehen, sagt Miriam Mogwitz, denn auch die Kinder achten auf die kleine Ampel. Und falls doch mal eine Verschlechterung an Kindern und Erzieherinnen vorbeigehen sollte, meldet sich das Gerät von selbst: mit einem durchdringenden Alarmton.

Dann heißt es „Türen und Fenster auf und Jacken an!“ Je nach Bedarf wird dann bis zu einer halben Stunde lang gelüftet. Das richtet sich auch nach der Größe des Raums, der Höhe der Decke und dem Wetter.

Jetzt bekommen auch die übrigen Kindertagesstätten der Gemeinde die kleine Corona-Ampel.


 

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