Kleines Buch, starker Inhalt

Artikel vom 25.11.2021

Henning Bielefeld

Vor der Kanzel präsentieren sie den neuen Kirchenführer für St. Secundus Schwei: (von links) Pastor Bernd Eichert, Autorin Ivonne Kaiser, Dr. Cord Diekmann, Autor Achim Knöfel, Fotograf Ibeling van Lessen und Verleger Florian Isensee  Bild: Henning Bielefeld

Der neue Kirchenführer für St. Secundus Schwei liegt vor. Auf 54 Seiten werden 400 Jahre Kirchen- und Kunstgeschichte lebendig

Der neue Kirchenführer für St. Secundus Schwei ist schmal und eignet sich viel eher für die Manteltasche als für das Bücherregal. Wie seinem Thema fehlt ihm das Repräsentative, schon auf den ersten Blick Beeindruckende. Und doch: Genau wie das Gotteshaus selbst überzeugt auch der Kirchenführer durch seinen Inhalt. Für nur drei Euro bekommt der Käufer kompakte Information auf höchstem Niveau.

6166 Euro

„Der Preis ist eher eine Schutzgebühr“, betont deshalb Dr. Cord Diekmann, der Vorsitzende des Kirchbauvereins Schwei. In einer Veranstaltung der Oldenburgischen Landschaft präsentierte er am Donnerstagnachmittag das Werk, das in vierjähriger Arbeit entstanden ist. Als eine Art Taufgeschenk brachte Dr. Jörgen Welp von der Landschaft eine Zusage für 500 Euro Förderung mit, weitere 500 Euro steuert die Raiffeisen-Volksbank Varel-Nordenham bei. Den großen Rest der Druck- und Herstellungskosten von insgesamt 6166 Euro finanziert der Kirchbauverein vor.

Die 54-seitige Broschüre ist im Oldenburger Verlag Isensee erschienen, als fünfter Band der 2013 gestarteten Serie „Kirchen im Oldenburger Land“. 1000 Stück sind gedruckt worden; zu haben sind sie bei der Kirchengemeinde Schwei, in der Dorfbäckerei Ahlers und im Buchhandel.

Hommage an Runge

Der Kirchenführer ersetzt ein Werk von Wolfgang Runge aus dem Jahr 1981. Der Pastor, Autor und Journalist hatte bis zu seinem Tod mehr als 40 Kirchen in der Wesermarsch, im Ammerland und dem Oldenburger Stadtgebiet nach dem damaligen Stand der Wissenschaft beschrieben. Dieser Stand gilt heute als teilweise überholt, was aber weder die beiden Autoren Dr. Ivonne Kaiser und Achim Knöfel noch der Verleger Florian Isensee als Kritik verstanden wissen wollen. Im Gegenteil, wie Ivonne Kaiser betont: Das kleine Bild von der David-Figur auf der Rückseite sei „eine Hommage an Runge“: Es zierte den Titel des Runge-Werks.

Der neue Kirchenführer profitiert davon, dass die beiden Autoren sich nur einer Kirche widmeten, also mehr Zeit hatten, in die Tiefe zu gehen. Zudem profitiert er von der Digitalisierung, die viele zusätzliche Quellen – etwa aus Bibliotheken und Fachzeitschriften – zugänglich macht. Eine ganz wesentliche Quelle war auch das große Ludwig-Münstermann-Werk von Dietmar J. Ponert und Rolf Schäfer. Dazu kamen die Schwei-Chronik von Pastor Konrad Diedrich Muhle aus dem 19. Jahrhundert und – ganz neu – die Hauschronik der Schweier Familie Wulff, der etwa der frühere Deichband-Vorsteher Burchard Wulff angehört.

Zunächst arbeitete die Archäologin Dr. Ivonne Kaiser allein an dem Werk, bald brachte sich Achim Knöfel ein, der beim Oberkirchenrat für Kirchenbaukunst und Denkmalpflege zuständig gewesen war und damit ein profunder Kenner nahezu aller Kirchen des Oldenburger Landes ist.

Wie Detektive

Ihn habe diese 1619 geweihte Kirche schon immer beschäftigt, sagt der Experte. Ihr fehle die Atmosphäre ähnlich alter und ähnlich wertvoll ausgestatteter Gotteshäuser, weil sie mehrfach „radikal“ umgestaltet worden sei. Es brauchte den detektivischen Spürsinn der beiden Autoren, um das ursprüngliche Aussehen zu rekonstruieren. So fanden die beiden heraus, dass Schwei von 1633 bis 1647 nicht zur Grafschaft Oldenburg gehörte, sondern zu Delmenhorst, und der Landesherr, der auf dem Portalstein gewürdigt wird, nicht etwa Graf Anton Günther von Oldenburg ist, sondern Graf Christian IX. von Delmenhorst. Der ließ St. Secundus von Ludwig Münstermann neu ausstatten. Dessen wertvollste Erbe ist die Kanzel.

„Unser Anspruch ist, wissenschaftlich fundierte Texte zu veröffentlichen“, sagte der Verleger Florian Isensee. „Diesen Anspruch haben Dr. Ivonne Kaiser und Achim Knöfel mehr als erfüllt.“ 


 

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