Noch mehr neue Jobs bei Airbus in Nordenham

Artikel vom 22.01.2024

Norbert Hartfil

Werkleiter Alexander Gloxin – hier in der neuen Flowline 2 der A-320-Fertigung – freut sich über die „phänomenale Entwicklung“ des Standorts Nordenham. Bild: Norbert Hartfil 

Die Flugzeugindustrie boomt: Angesichts der vollen Auftragsbücher schraubt Airbus die Produktionsraten hoch. Am Standort Nordenham entstehen noch mehr neue Arbeitsplätze.

Nordenham - Die Flaute in der Corona-Krise ist abgehakt, der europäische Luftfahrtkonzern Airbus befindet sich in einem rasanten Steilflug. Im vergangenen Jahr konnte das Unternehmen so viele Bestellungen verbuchen wie nie zuvor in der Firmengeschichte. Ende 2023 hat sich der Auftragsbestand auf 8598 Flugzeuge belaufen. Verkaufsschlager sind vor allem die Mittelstreckenflieger aus der A-320-Familie, für die alleine 7197 Bestellungen vorliegen. Angesichts dieser Rekordzahlen fährt Airbus die Produktionsraten hoch, erweitert die Fertigungskapazitäten und schafft neue Jobs. Davon profitiert auch das Rumpfschalenzentrum in Nordenham.

Mitarbeiter gesucht

„Wir brauchen mehr Mitarbeiter“, sagt Standortleiter Alexander Gloxin. Er hat den Chefposten in Nordenham im Juli 2021 übernommen, als das Werk noch zur Premium Aerotec GmbH (PAG) gehörte. Ein Jahr später erfolgte die Eingliederung in die neugegründete Airbus Aerostructures GmbH. „Die Stimmung hier war von Beginn an positiv“, schildert Alexander Gloxin den aus seiner Sicht sehr erfolgreichen Übergang von PAG zu Airbus Aerostructures. Dem Nordenhamer Flugzeugwerk bescheinigt er eine „phänomenale Entwicklung“.

Die Produktionsdrosselung und der Abbau von rund 600 Stellen in Nordenham aufgrund der Corona-Krise seien unvermeidbar und eine richtige Entscheidung gewesen, die aber nicht leicht gefallen war. Damals habe ja niemand damit rechnen können, dass sich die Lage so schnell wieder bessert. Bereits Mitte 2021 habe die Weichenstellung für den Hochlauf und die damit verbundenen Investitionen begonnen.

Nach Alexander Gloxins Angaben sind im zurückliegenden Jahr am Standort Nordenham 300 neue Arbeitsplätze geschaffen worden. Für 2024 ist eine Personalaufstockung in einer ähnlichen Größenordnung geplant. Das bedeutet, dass die Stammbelegschaft auf etwa 3300 Beschäftigte anwächst. Zudem soll die Zahl der Leiharbeitskräfte, die zuletzt infolge der vielen Übernahmen in Festanstellung auf einen „kleinen zweistelligen Bereich“ geschrumpft war, auf rund 100 erhöht werden.

Neue Gebäude

Das Unternehmen investiert aber nicht nur in mehr Personal, sondern auch in eine bauliche und technische Aufrüstung des Standortes. Laut Alexander Gloxin ist für die nächsten vier Jahre ein „mittlerer dreistelliger Millionenbetrag“ eingeplant. Zu den Vorhaben gehören zwölf Neu- und Erweiterungsbaumaßnahmen auf dem Werksgelände in Einswarden, das allmählich an seine Grenzen stößt. Unter anderem ist vorgesehen, neue Produktionshallen, Büroräume und Mitarbeiterparkplätze zu errichten und die Ausbildungswerkstatt deutlich zu vergrößern. Hinzu-kommt die Anschaffung neuer Anlagen für die Fertigung.

Angesichts der enormen Nachfrage bei den Fluggesellschaften will Airbus die Produktionsraten kräftig ausweiten. Im A-320-Programm lautet die Zielvorgabe, ab 2026 jeden Monat 75 Maschinen auszuliefern. Ende 2022 waren es um die 45 in diesem Segment. Für die A-350-Fertigung ist ab 2026 eine Rate von zehn Flugzeugen im Monat vorgesehen, beim Airbus A 330 sind es vier ab dem Jahr 2024.

Mehr Auszubildende

Wie gelingt es dem Unternehmen, trotz des angespannten Arbeitsmarktes den steigenden Personalbedarf abzudecken? Werkleiter Alexander Gloxin verweist auf verschiedene Rekrutierungskampagnen und kündigt eine weitere Aufstockung der Ausbildungsplätze an, deren Zahl erst im zurückliegenden Jahr auf 53 erhöht worden war. Besonders gefragt sind natürlich Metallfachkräfte, aber auch Bewerber aus anderen Branchen haben gute Chancen bei Airbus. Sie werden dann im Werk entsprechend geschult und auf ihre Tätigkeiten vorbereitet. Eine „aktive Abwerbung“ von Personal bei anderen Unternehmen betreibe Airbus nicht, versichert der Werkleiter.

Die bei Airbus in Nordenham beschäftigten Mitarbeiter nehmen laut Alexander Gloxin zum Teil weite Anfahrten aus dem Umland in Kauf – viele auch von der anderen Weserseite. „Das spricht für uns als Arbeitgeber“, sagt er. Das Einzugsgebiet erstrecke sich in etwa auf einen Radius mit einer Anfahrtsdauer von bis zu einer Stunde. Das Durchschnittsalter der Belegschaft am Standort Nordenham beziffert er mit „Mitte 40“.

Eine wichtige Bedeutung bei der zukünftigen Ausrichtung des Standortes haben auch die Themen Nachhaltigkeit und Klimafreundlichkeit. Dazu gehören eine deutliche CO2-Reduzierung in der Produktion und ein ehrgeiziges Energiesparprogramm. Bis 2030 will das Unternehmen den CO2–Ausstoß aller Fertigungsstätten um 85 Prozent und die Energieverbräuche um 20 Prozent verringern – Ausgangswerte sind dabei die Zahlen des Jahres 2015. „Das ist ein sehr spannender Prozess“, sagt Alexander Gloxin.

2035 will Airbus mit einem Flugzeug an den Start gehen, das mit Wasserstoff betrieben wird. Wie dieser Flieger aussehen wird, ist zwar noch offen. Aber eins steht laut Alexander Gloxin fest: Der auf die Rumpfschalenfertigung spezialisierte Standort Nordenham wird auch bei der Produktion dieses „Flugzeugs der Zukunft“ eine ganz entscheidende Rolle spielen.

Thailand, Frankreich, Mexiko

Alexander Gloxin hat am 1. Juli 2021 als Nachfolger von Cord Siefken die Leitung des Flugzeugwerks in Nordenham übernommen, das damals noch zur Premium Aerotec GmbH (PAG) gehörte. Zum 1. Juli 2022 erfolgte die Eingliederung des Standortes in die neugegründete Airbus Aerostructures GmbH. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Hamburg ist eine hundertprozentige Tochtergesellschaft des europäischen Flugzeugherstellers Airbus.

Geburtsort von Alexander Gloxin (49) ist die thailändische Hauptstadt Bangkok, wo er die ersten zwei Jahre seines Lebens verbracht hat. Aufgewachsen ist er in der Nähe von Marburg und in Berlin. Der Diplom-Maschinenbauingenieur mit Schwerpunkt Fahrzeugtechnik ist verheiratet und Vater einer Tochter.

2001 nahm Alexander Gloxin bei Airbus Helicopters in Donauwörth eine Tätigkeit als Systemingenieur auf. Von 2014 bis 2016 war er in Marseille in Südfrankreich und von 2016 bis Ende 2019 in Querétaro in Mexiko beschäftigt, wo er den Standort von Airbus Helicopters leitete und ausbaute. 2020 kehrte Alexander Gloxin nach Donauwörth zurück und war dort für die Flugzeugtürenproduktion und die Integration der Einzelteilefertigung verantwortlich.

Das Airbus-Werk in Nordenham bezeichnet Alexander Gloxin als einen „fantastischen Standort, an dem sich die Technologie rasant entwickelt“. Diesen Prozess zu begleiten und mitzugestalten, sei eine spannende, abwechslungsreiche und sehr reizvolle Aufgabe. Das Werk in Nordenham habe als Rumpfschalenzentrum einen besonderen Stellenwert im Airbus-Konzern. Der hohe Innovationsgrad spiegele sich auch in der Tatsache wider, dass Nordenham in der Flugzeugindustrie einer der größten Standorte für automatisierte Nietanlagen weltweit sei.

Etwa zwei Millionen Einzelteile hat das Airbus-Werk in Nordenham im vergangenen Jahr gefertigt. Die Zahl der ausgelieferten Sektionen und Schalen belief sich auf rund 5000 und damit wieder ungefähr auf dem Niveau des Vor-Corona-Jahres 2019.


 

Blaulicht-Ticker

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