Schlaues System lenkt die Besucher

von Rolf Bultmann

Unbeschwerter Urlaub am Strand – doch wenn es hier zu voll wird, hört schon wegen Corona der Spaß auf. Ein digitales Lenkungssystem soll Gästen in solchen Fällen künftig empfehlen, lieber gleich ein anderes Ziel anzusteuern. BILD: TSB

Gäste können künftig mit einem Blick aufs Smartphone oder Tablett in Erfahrung bringen, an welchen Hotspots es aktuell wie voll ist. Das System zeigt auch Alternativen auf.

BUTJADINGEN. Ein Blick aufs Handy, Tablet oder Laptop zeigt: An der Kasse der Nordseelagune in Burhave beträgt die Wartezeit circa eine Stunde, und auf dem Parkplatz des Friesenstrands in Tossens gibt es keinen freien Platz mehr. Empfohlen wird daher ein Besuch des Strandbades Eckwarderhörne. Ein solcher Service soll künftig Touristen und Tagesgästen in Butjadingen geboten werden. Voraussichtlich im August wird Tourismus-Service Butjadingen (TSB) eine digitale Besucherlenkung einführen, um Urlaubern einen unbeschwerten und möglichst kontaktlosen Aufenthalt zu ermöglichen.

Woher kommt die Idee und was kann das System ?

Es handelt sich um ein kooperatives Projekt mehrerer Tourismus-Gesellschaft der niedersächsischen Nordseeregion, das von der Dachmarketingorganisation „Die Nordsee GmbH“ koordiniert wird. Wie Robert Kowitz, Geschäftsführer der TSB, erläutert, sind die Vorarbeiten abgeschlossen, so dass jetzt die Installation des digitalen Lenkungssystems ausgeschrieben werden kann.

Den großen Vorteil des Systems sieht Butjadingens Tourismus-Chef darin, dass die Besucher für die Planung ihrer Aktivitäten in Echtzeit nicht nur Daten zur aktuellen Situationen, sondern auch Prognosen über die Entwicklung in den nächsten Stunden erhalten. Dabei werde sogar das Wetter berücksichtigt. „Die Erwartungshaltung der Gäste ist gestiegen. Sie wollen vorher wissen, wo es wie voll ist“, so Robert Kowitz. Er freut sich zudem darüber, dass das System Besucher auch noch nicht so bekannte Ziele in Butjadingen als Alternativen anzeigt.

Was kostet die digitale Besucherlenkung ?

Bei der Finanzierung des Projekts, dessen Kosten für Butjadingen auf 208 000 Euro veranschlagt sind, kommt der TSB die Corona-Pandemie zugute. Weil wegen der Auflagen die maximal möglichen Besucherzahlen in den touristischen Hotspots eingeschränkt sind und die digitale Lenkung für eine Entzerrung sorgt, hat das Land Niedersachsen die Förderquote von bislang 50 auf jetzt 80 Prozent bis maximal 250 000 Euro erhöht. Somit muss die TSB letztlich nur noch knapp 42 000 Euro beisteuern.

Wie funktioniertdas System ?

Die für das Lenkungssystem benötigten Bewegungsdaten werden mittels Sensoren, Kameras und Lichtschranken gesammelt. Informationen zur Auslastung der Orte können die Gäste dann bequem mobil über verschiedene Online-Kanäle wie die Webseiten der beteiligten Tourismus-Gesellschaften abrufen. Ergänzend dazu sollen in Tossens und Burhave digitale Informationsstelen (Monitore) aufgestellt werden. Ein Ampelsystem – ähnlich wie ein digitales Verkehrsleitsystem in Großstädten – signalisiert den Gästen schon bei der Anfahrt die Auslastung der Ziele.

Was sind die ersten Schritte ?

In Butjadingen sollen im ersten Schritt die Besucherzahlen der Strände in Burhave, Tossens und Eckwarderhörne sowie der Burhaver Nordseelagune erfasst werden. Auch die dazugehörigen öffentlichen Parkplätze sollen mit der entsprechenden Mess-Sensorik ausgestattet werden. Solange die Corona-Einschränkungen gelten, sind wegen der Abstandsregelung in der Nordseelagune nur bis zu 1450 Besucher erlaubt, während sich an den Stränden in Burhave 1664, in Tossens 1880 und in Eckwarderhörne 464 Personen aufhalten dürfen.

Was gibt es nochfür Vorteile ?

„Das neue Lenkungssystem ist auch eine große Hilfe für den Einsatz unserer Ordnungs- und Servicekräfte. Wir müssen nicht mehr alle Stationen abfahren, sondern sehen am Monitor, wo die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aktuell tätig werden müssen“, listet Robert Kowitz weitere Vorteile auf.

Mit dem System soll auch die Einführung der digitalen Gästekarte in Butjadingen vorangetrieben werden. Als weitere Schritte hält der TSB-Geschäftsführer die Einbindung der Besucherzählsysteme für Freizeiteinrichtungen wie die Spielscheune in Burhave, das Nationalparkhaus Museum Fedderwardersiel, den Klettergarten in Mitteldeich und das Erlebnisbad Aqua Mundo von Center Parcs in Tossens für möglich und sinnvoll.


 

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