Seit 70 Jahren im Watt unterwegs

Artikel vom 16.09.2022

Ulrike Krebs

Bei traumhaftem Wetter und Windstärke 4-5 machte sich der Wattführer Theo Köhne (vorne) jetzt zum letzten Mal in diesem Jahr mit einer Gruppe auf den Weg nach Langlütjen II. Bild: Ulrike Krebs

Die Landschaft hinter dem Deich ist das zweite Zuhause von Theo Köhne. Der Mann aus Blexen hat schon rund 20.000 Menschen ins Watt geführt – und wieder zurück.

Für den Blexer Theo Köhne ist das Wattenmeer fast schon eine zweite Heimat. Vor 70 Jahren, kurz nachdem die Familie von Burhave nach Blexen gezogen war, machte sich der damals 13-Jährige erstmals und verbotenerweise auf den Weg nach Langlütjen II. „Go mi do nich hen. Do sinn Löcker“, hatte seine Mutter ihn noch gewarnt. Hinzu kam, dass damals auf beiden Festungsinseln mit Sprengstoff- und Munitionsresten zu rechnen war. Auf Langlütjen II hatte sich von 1933 bis Januar 1934 ein Schutzhaftlager der SA befunden.

Theo Köhne ließ sich jedoch nicht von seinem Vorhaben abbringen. Bei seinem ersten Besuch auf der Insel, die wie auch die Nachbarinsel Langlütjen I im 19. Jahrhundert angelegt worden war, wagte er sich nur bis zum Kehlgraben. Doch schon bald, als er auch mit seinen neuen Blexer Freunden unterwegs war, erkundete er das Festungsbauwerk immer genauer.

Im Winter 1956, als das Watt zugefroren war, transportierten die Jungen mit dem Fahrrad sogar ein altes Feldbett von der Insel ans Festland, um es zu einer Werkbank umzubauen. Im darauf folgenden Sommer pflanzten Theo Köhne und sein Freund Günther Böger einen Apfelbaum auf der Insel, der heute zwar verholzt ist, aber immer noch Früchte trägt.

Faszination Watt

Ob zu Fuß, mit dem Schlickrutscher oder später auch mit dem eigenen Boot – mindestens alle 14 Tage zog es ihn auf die Weserinsel. Die Faszination für Langlütjen II und die Einzigartigkeit des Watts sind bis heute ungebrochen. „Ich bin der Insel immer treu geblieben. Ich hänge einfach an ihr“, sagt Theo Köhne, der Anfang der 1990er-Jahre mit dafür sorgte, dass Langlütjen I und Langlütjen II unter Denkmalschutz gestellt wurden. „Es ist schade, dass das Watt im Laufe der Jahre immer mehr verschlickt ist. Früher konnten wir hier immer angeln“, sagt der Nordenhamer. Er befürchtet, dass dieses Schicksal auch Fedderwardersiel ereilen wird.

Um Einheimischen und Urlaubsgästen einen behutsamen Umgang mit den künstlich angelegten Inseln und der einzigartigen Natur zu vermitteln, absolvierte der Blexer 1986 in Wilhelmshaven die Wattführerprüfung. Seitdem hat er mehr als 20.000 Menschen durch das Watt mit dem Schlick-Sand-Gemisch geführt. Es gab Zeiten, da war er – soweit die Tide es zuließ – nahezu jeden Tag mit einer Gruppe unterwegs.

Exkursionen

Rund dreieinhalb Stunden dauern seine Touren einschließlich des Aufenthalts auf der Insel. Die Teilnehmerzahl ist auf 30 Personen beschränkt. Auch in diesem Sommer war der Wattführer, der zudem zahlreiche Exkursionen für Kinder im Rahmen der Ferienpass-Aktionen der Stadt Nordenham angeboten hat, wieder im Einsatz. Die letzte Tour des Jahres fand jetzt bei bestem Wetter statt. 27 Teilnehmer aller Altersgruppen hatten sich angemeldet. Einige waren aus Wilhelmshaven, Osterholz-Scharmbeck und Hamburg angereist.

In Gefahr durch Gewitter und Nebel ist Theo Köhne auf seinen Wattwanderungen zum Glück nie gekommen. Allerdings mussten einige Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Tour abbrechen, weil sie zu anstrengend war. Es gab Jahre, in denen versackte man zeitweise bis zu den Knien im Schlamm.

Der 83-Jährige steckt das locker weg, obwohl er auf dem Rücken immer noch den Rucksack mit der Erste-Hilfe-Ausrüstung trägt. Der drahtige Mann hält sich mit täglicher Gymnastik fit. Er besucht in Waddens eine Sportgruppe und ist im Sommer auch häufig mit dem Fahrrad – ohne Elektromotor – unterwegs. Mit seinen 83 Jahren ist er wohl der älteste aktive Wattführer. Sein Kollege Heiko Kampen aus Norden ist zwar fünf Jahre älter, er bietet aber nur noch küstennahe Touren an, die nicht weiter als 200 Meter ins Watt führen.


 

Blaulicht-Ticker

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