Sorge um Umwelt, Fischerei und Tourismus

Artikel vom 27.10.2022

Christoph Reiprich

Chlor wird zur Bekämpfung von Muscheln und Seepocken am Terminalschiff „Höegh Esperanza“ eingesetzt. Umweltschützer befürchten irreparable Schäden des Ökosystems. Bild: Marinetraffic/Geir-Sindre Strand

Der im Bau befindliche LNG-Terminal in Wilhelmshaven treibt Umweltschützern die Sorgenfalten ins Gesicht. Auch aus Butjadingen kommen Einwände gegen das wasserrechtliche Erlaubnisverfahren.

300 Einwände sind gegen das wasserrechtliche Erlaubnisverfahren von Uniper im Zusammenhang mit dem LNG-Projekt in Wilhelmshaven beim Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) eingegangen. Auch aus der Wesermarsch gibt es Bedenken.

Ina Korter, ehemalige Bürgermeisterin der Gemeinde Butjadingen und Kreistagsabgeordnete der Grünen, hat ihre Einwendungen per E-Mail ans NLWKN gesendet. Die richten sich gegen das Vorhaben des Unternehmens Uniper, das die Einleitung von fast 180?000 Kubikmetern gechlortem Wasser zur Regasifizierung vom Flüssiggas beantragt hat. Das mit Bioziden angereicherte Wasser soll Muscheln und andere Meeresbewohner davon abhalten, sich in den Rohren anzusiedeln.

Schäden am Ökosystem

„Die Verwendung von Chlor als Biozid, um die Leitungen für das Prozesswasser (Seewasser) zur Erwärmung des Flüssiggases freizuhalten, entspricht nicht dem einzig verfügbaren und aktuellen Stand der Technik und ist abzulehnen. Es ist stattdessen eine belastbare Alternativenprüfung vorzulegen und mit umweltverträglicheren Verfahren weiter zu planen“, schreibt Ina Korter. Sie befürchtet durch die Einleitung „von derart großen Mengen Chlor“ irreversible Schäden für das Ökosystem in der Nordsee.

Dr. Wolfgang Meiners vom BUND-Kreisverband Wesermarsch kritisiert das Uniper-Vorhaben ebenfalls scharf. Viele negative Erfahrungen hätten gezeigt, dass die Anwendung von Bioziden unverträglich für das Ökosystem in Gewässern sei. Die langfristigen Auswirkungen für Natur, Fischerei und Tourismus seien nicht absehbar. Das gecharterte „Höegh Esperanza“ besitzt laut Wolfgang Meiners nicht die deutschen Technik- und Umweltstandards für das Schadstoffmanagement. Das Spezialschiff ist ein schwimmendes Flüssiggasterminale (Floating Storage and Regasification Unit, FSRU). „Es ist unverantwortlich, die Umwelt- und Sicherheitsverordnungen aufzuweichen, um eine veraltete und unzureichende Anlage zu betreiben“ meint Wolfgang Meiners. Entweder müsste nachgerüstet werden oder ein anderes FRSU-Schiff eingesetzt werden. „Die Technik muss sich an den heutigen Standards und Regeln orientieren. Um mein altes Schrottauto von 1970 zu betreiben, kann ich auch nicht die TÜV-Regeln aushebeln.“

Lies: keine Bedenken

Der Bund Wilhelmshaven machte vor kurzem darauf aufmerksam, dass der Einsatz von Chlor ein wesentlicher Grund war, warum australische Behörden im vergangenen Jahr den Betrieb der „Höegh Esperanza“ in Crib Point dicht an Meeres-Schutzgebieten an der Südostküste bei Melbourne abgelehnt haben. Nur deshalb bekam Deutschland kurzfristig Zugriff auf die schwimmende Flüssiggas-Umschlagsanlage.

Ina Korter nennt zwei weitere Punkte, die aus ihrer Sicht zu einer Ablehnung beziehungsweise Überarbeitung des Uniper-Antrags führen müssen. Das zur Erwärmung des Flüssiggases eingesetzte Wasser solle erheblich kälter zurück in die Nordsee eingeleitet werden. Das würde das Ökosystem punktuell gefährden. Zudem fordert sie, dass eine „mögliche Genehmigung, sofern nicht sofort umweltverträglichere Verfahren angeordnet werden, zu befristen und mit der Auflage zu versehen ist, nach spätestens drei Jahren schonendere Verfahren zu nutzen“. Umweltminister Olaf Lies (SPD) hatte sich bereits zum Thema geäußert. Er wies die Bedenken zurück. Der Flüssiggas-Terminal benötige lediglich 0,2 Milligramm Chlor pro Liter, damit die Rohre frei bleiben. Direkt am Auslass seien 0,003 mg/l zu erwarten, an der Muschelbank sinke der Chlorgehalt auf 0,001 mg/l. Selbst im Schwimmbad und im Trinkwasser sei die zulässige Konzentration von Chlor höher.


 

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