Hier ist die Hilfsbereitschaft groß

Von Isabel Stübben

Viele Tüten wurden in den vergangenen Wochen an Bedürftige geliefert. BILD: pixabay

Sie möchten für die Bedürftigen da sein, und viele rechnen mit ihnen: Die Tafeln und ähnliche Organisationen sind für zahlreiche Menschen – gerade auch für Ältere – ein wichtiger Bestandteil zur regelmäßigen Versorgung mit Lebensmitteln geworden. Doch Corona hat die meisten Tafeln regelrecht ausgeknockt. Nun öffnen die ersten Lebensmittelausgaben unter bestimmten Voraussetzungen nach und nach ihre Türen, um die Grundversorgung wieder gewährleisten zu können.

Eine davon ist die Nordenhamer Tafel, die neben der Ausgabestelle in der Victoriastraße ebenfalls in Brake, Rodenkirchen und Burhave Menschen mit Lebensmitteln versorgt. Seit Freitag, 8. Mai, können in Nordenham endlich wieder Dinge vor Ort abgeholt werden. Allerdings nur unter bestimmten Auflagen: „Jeder, der zu uns kommt, muss einen Mund- Nasenschutz tragen und Abstand halten. Hierfür sind auf dem Gelände extra Absperrungen und Zeichen angebracht worden. Nach der Übergabe muss die Person dann unmittelbar das Gelände verlassen“, erklärt Süntka Janßen, Leiterin des Arbeitslosenzentrums in Nordenham. Auch dürfe nur eine Person pro Haushalt die Ware entgegennehmen. „Wir berücksichtigen bei der Ausgabe dennoch den gesamten Hausstand. Sorge, dass wir nicht genug für die Familie mitgeben, muss also nicht entstehen. So stellen wir sicher, dass die Personenanzahl auf dem Gelände nicht zu groß wird“.  Die anderen Ausgabestellen der Nordenhamer Tafel bleiben allerdings weiterhin geschlossen. „Hier können wir die Auflagen nicht einhalten. Die Räumlichkeiten sind dafür schlichtweg nicht ausgelegt“, fügt die Leiterin hinzu. Während die Tafel geschlossen hatte, wurden über 100 Haushalte mobil mit den Grundnahrungsmitteln versorgt. Die Mitarbeiter und Ehrenamtlichen haben umdisponiert und die Ware per Lieferservice an den Mann bzw. an die Frau gebracht. Das bleibe auch weiterhin für Brake, Stadland und Burhave bestehen. Die Menschen müssten sich nicht extra nach Nordenham begeben. Bei Bedarf mögen sich Bewohner aus diesen Regionen telefonisch unter 04731-8695190 in der Zeit von 9 bis 12 Uhr melden.

Weiterhin geschlossen bleibt der Lange Tisch der ev.-luth. Gemeinde in Jade. Hier findet seit Mitte März keine Ausgabe mehr statt. Das frustriert auch Pastor Berthold Deecken. Doch ihm blieb keine Wahl: „Unsere Arbeit basiert auf ehrenamtlicher Hilfe. Die meisten von ihnen gehören zur Risikogruppe, zumeist wegen des Alters“, erklärt er. Hinzu komme, dass man an den Ausgabetagen nicht für eine Einhaltung des Abstandsgebotes garantieren könne. „Wir sind vielmehr ein Ort der Kommunikation. Unter normalen Umständen halten die Menschen sich hier gerne und auch mal etwas länger auf. Gerade, weil hier nicht nur Lebensmittel ausgesucht und ausgegeben werden. Auch eine Kaffeetafel und ein Secondhandladen gehören zu unserem Angebot“.  Die Wiederöffnung in Jaderberg, Bahnweg 5, ist für den 5. Juni geplant.

Anders als in Jaderberg sieht es in Berne aus: Bei der Lebensmittelausgabe „Radieschen “ in der Weserstraße 1 versucht man seit zwei Wochen, den Betrieb über Hygienemaßnahmen aufrechtzuerhalten. Mit Erfolg. „Wir packen die Grundsachen vor und geben diese ausschließlich vor den Räumlichkeiten aus“, so Diether Liedtke von den Johannitern.

 Auch hier wurde ein Lieferdienst in enger Zusammenarbeit mit der BEGU Lemwerder ins Leben gerufen, um die Menschen während der Schließung erreichen zu können. An Ostern haben die Ehrenamtlichen eine Tour gemacht und so das ein oder andere „Osterei“ als Überraschung verteilt.

Alle Lebensmittelausgabestellen und Tafeln in der Wesermarsch haben die Zusammenarbeit mit anderen Tafeln oder Organisationen der Region sehr lobend erwähnt. Auch seien nach wie vor viele Geld- und Sachspenden trotz Corona-Krise sowohl von Privatpersonen als auch von Supermärkten, Unternehmen und Gruppen abgegeben worden. Die Hilfsbereitschaft scheint in der Wesermarsch einen großen Stellenwert zu besitzen. Selbst in dunklen Zeiten wird im Hintergrund viel getan, damit die Hilfe weiterhin dort ankommt, wo sie gebraucht wird.


 

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