Trostpflaster als Zeichen der Solidarität

Artikel vom 14.01.2022

Detlef Glückselig

Karl Jasbinschek, Süntka Janßen und Denise Smith freuen sich über den Scheck, den Axel Linneweber überreicht (von links). Das Geld haben die 19 Butjadinger Ratsmitglieder aus der eigenen Tasche für die Tafel gesammelt. Bild: Detlef Glückselig

Die Tafel hatte auf einen monatlichen Zuschuss von der Gemeinde Butjadingen gehofft. Den hat der Rat mehrheitlich abgelehnt. Dafür haben die Ratsmitglieder nun Geld aus der eigenen Tasche gegeben.

Dass es für die Entscheidung keinen Beifall geben würde, war allen Beteiligten klar. Doch der Butjadinger Gemeinderat sah in seiner Dezember-Sitzung mehrheitlich keine Chance, einem Antrag der Nordenhamer Tafel auf eine regelmäßige Zuwendung stattzugeben. Das Trostpflaster übergab jetzt im Bürgerhaus in Nordenham Butjadingens Bürgermeister Axel Linneweber: ein Scheck über 700 Euro. Das Geld haben die 19 Butjadinger Ratsmitglieder aus den eigenen Portemonnaies zusammengelegt.

Die Bürgerstiftung Nordenham, die die Tafel mit ihren vier Ausgabestellen in Nordenham, Burhave, Rodenkirchen und Brake betreibt, hatte auf einen monatlichen Zuschuss in Höhe von 250 bis 300 Euro von der Gemeinde Butjadingen gehofft. Die Stadt Nordenham zahlt nach Auskunft von Geschäftsführerin Süntka Janßen die Personal- und Sachkosten. Den gesamten laufenden Betrieb muss die Tafel dagegen aus Spenden finanzieren. Um bei laufenden Kosten von rund 2600 Euro im Monat neben einem im Vorfeld nicht kalkulierbaren Spendenaufkommen dennoch mit festen Positionen rechnen zu können, hatte die Tafel bei den Gemeinden Butjadingen und Stadland sowie der Stadt Brake monatliche Zuschüsse beantragt. Zumindest für Butjadingen steht seit dem Ratsbeschluss im Dezember fest, dass solche Zuschüsse nicht fließen werden.

Kaum Spielraum

Der Rat habe sich seine Entscheidung nicht leicht gemacht, versicherte Axel Linneweber am Donnerstag bei der Scheckübergabe in Nordenham. Dem ablehnenden Beschluss sei eine lange und emotionale Diskussion vorangegangen. Letztlich habe der Rat aber eine Haushaltsverantwortung, so der Bürgermeister. Und wenn er beschlossen hätte, Geld für die Tafel zur Verfügung zu stellen, hätte er diese Mittel bei anderen freiwilligen Leistungen abknapsen müssen, warb Axel Linneweber angesichts eines sehr begrenzten Spieltraums und einer angespannten Haushaltslage um Verständnis.

Karl Jasbinschek, Vorsitzender des Arbeitslosenzentrums, an das die Tafel angegliedert ist, sowie Süntka Janßen und Tafel-Koordinatorin Denise Smith zeigten sich von der Ablehnung des Butjadinger Rates auch im Nachhinein nicht gerade begeistert und hätten sich, wenn schon 250 Euro nicht drin sind, zumindest einen kleineren regelmäßigen Betrag gewünscht. Sie freuten sich aber über die 700 Euro und werteten diese Summe als ein Zeichen der Solidarität. Die Mitglieder des Gemeinderats waren noch während der Sitzung im Dezember übereingekommen, Geld aus der eigenen Tasche für die Tafel zu sammeln.

„Segensreich“

Axel Linneweber bezeichnete die Tafel als eine „grandiose und segensreiche Einrichtung“. Deren Arbeit wird indes nicht leichter, wie Süntka Janßen berichtete. Bei ständig steigenden Kosten würden die Warenwirtschaftssysteme der Supermärkte immer effektiver – mit dem Ergebnis, dass immer weniger Lebensmittel für die Tafel zur Verfügung stünden. Gleichwohl sprach die Geschäftsführerin den Supermärkten ein großes Lob aus. Wann immer sie Lebensmittel zur Verfügung stellen könnten, meldeten sie sich. Das gelte auch für die Bremerhavener Tafel, mit der die Nordenhamer eng kooperieren und die durch die Großhändler in der Seestadt oft mehr Lebensmittel zur Verfügung habe als sie selbst ausgeben könne. Zudem nähmen Zuwendungen von Privatleuten zu, freute sich Süntka Janßen.

Die Tafel versorgt zwischen Tossens und Großenmeer mehr als 470 Haushalte regelmäßig mit Lebensmitteln. In Nordenham sind es nach Auskunft von Denise Smith 240 Haushalte, in Brake 195, in Stadland 23 und in Butjadingen 15.

 


 

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