Umbau alter Bahntrasse rückt näher

Ab Juli sollen die alten Schienen Stück für Stück verschwinden.     BILD: INGO MÖLLERS

LEMWERDER –  Seit mehr als zehn Jahren rollt zwischen Delmenhorst und Lemwerder kein Zug mehr. An der alten Bahntrasse nagt der Zahn der Zeit. Im Oktober 2019 fasste die Kommunalpolitik den Beschluss, diesen Zustand zu ändern: Aus der Bahnstrecke soll ein Fahrradweg werden.
Im Juli soll die Umsetzung des Projekts mit kalkulierten Gesamtkosten von 1,86 Millionen Euro beginnen. Während der Zeitplan für den Delmenhorster Teil der Trasse konkrete Züge annimmt, ist die Nachnutzung der Schienen in Lemwerder noch völlig offen. Ob der Radweg irgendwann nach Lemwerder und damit an die Weser führt, muss die Kommunalpolitik dort noch entscheiden.

Der erste Schritt für das Bauprojekt ist der Rückbau der Schienen, der in Delmenhorst eigentlich für 2020 geplant war. Stattdessen werden die Bagger nun im Juli 2021 anrollen. Bis September sollen die Schienen zwischen der Nordwolle und Deichhausen verschwunden sein. „Anfang 2022 wollen wir die Kreuzungsbereiche zurückbauen. Das ist noch einmal deutlich aufwendiger als die reinen Gleisanlagen. Wann die Benutzung durch Fahrradfahrer möglich ist, lässt sich jetzt noch nicht sagen“, so Maximilian Donaubauer, Fachbereichsleiter für Planen, Bauen und Verkehr.
Das Kiesbett soll laut Planungen erhalten bleiben und als Grundlage für den Radweg dienen. Unklar ist aber, wie sich die Schadstoffbelastung entwickelt hat. 2019 warnte die Verwaltung davor, dass sich Schwellen in Bruchstücke auflösen. „Eine weitere Verwitterung in Kleinstbestandteile der teerölverunreinigten Holzschwellen könnte den Schotter und das Erdreich kontaminieren“, hieß es damals. Die Verzögerung des Gleisrückbaus hat dieses Problem möglicherweise verschärft.

Für den fertigen Radweg rechnen die Verkehrsplaner mit rund 1000 Fahrradfahrern pro Tag. Auch Touristen sollen über die komfortable Strecke ihren Weg nach Delmenhorst finden. Der Weg endet praktisch beim Nordwolle-Museum, auch die Städtische Galerie ist nicht weit weg.
Die Nord-Süd-Achse könnte auch mit einer Ost-West-Achse verbunden werden, dem Radschnellweg von Bremen nach Oldenburg. Für die selbst ernannte Klimamusterstadt spielt der Umbau der Bahntrasse eine zentrale Rolle, um Fahrradfahrern eine bessere Infrastruktur zu bieten.
Wie hoch der touristische Wert des Projekts ist, hängt auch von der Anbindung an Lemwerder ab. Die Bahntrasse endet dort im Bahnhof und somit in unmittelbarer Nähe des Fähranlegers in Richtung Vegesack. „Die Idee ist ein durchgehender Radweg“, betont Donaubauer.


 

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