Rückkehr mit großem Respekt

Aus einer kurzen Stippvisite wurde ungeplant ein längerer Aufenthalt: Julia Grüning (2.v.li.) mit ihrer amerikanischen Gastfamilie in den USA.            BILD: pv

WILHELMSHAVEN – Über 240.000 Deutsche wurden laut Bundesregierung zu Beginn der Coronakrise vom Auswärtigen Amt aus dem Ausland zurückgeholt. Eine von ihnen: Julia Grüning, Wirtschaftsstudentin am Campus Wilhelmshaven der Jade Hochschule. Wegen gestrichener Flüge blieb die 24-Jährige länger als geplant bei ihrer ehemaligen Gastfamilie in den USA und bekam die Krise und den unterschiedlichen Umgang vor Ort mit.
Das Studium so gut wie abgeschlossen, besuchte Julia im März ihre Gastfamilie in Ashburn im US-Bundesstaat Virginia. Im März 2015 war sie zum ersten Mal dort zu Gast, als sie als Au-Pair ein Jahr in den USA verbrachte. „Ich verbringe eigentlich jeden Sommer über zwei Monate in den USA. Dieses Jahr hatte ich die Gelegenheit, schon im Frühling dort hinzufliegen“, berichtet sie. Ursprünglich habe sie nur im März ihre ehemalige Gastfamilie besuchen wolle, „aber durch Corona wurde mein Rückflug abgesagt.“ Kurzerhand verschob sie den Rückflug in den April, doch auch dieser wurde gestrichen. Bis Mai blieb sie schließlich in Ashburn, bevor sie endlich nach Deutschland zurückfliegen konnte.

Belastungen und Ängste

„Zu Anfang hatte ich sehr viele Ängste und Sorgen“, erzählt die gebürtige Wilhelmshavenerin. Eine ihrer größten Sorge war es, sich während des Rückfluges mit dem Virus anzustecken und dieses an ihre Eltern zu übertragen. Doch auch für Julia wäre eine Ansteckung nicht ungefährlich gewesen. „Im Jahr 2013 war ich schwer erkrankt, was sich teilweise auch auf meine Lunge ausgewirkt hat. Somit gehöre ich zur Risikogruppe. Ja, ich habe schon großen Respekt vor Covid-19“, so die Studentin. Doch auch die vielen und ständig wechselnden Informationen belasteten Julia. „Durch Internet und Fernsehen wurde man stets auf dem Laufenden gehalten und es fiel mir schwer abzuschalten. Ich habe mir ständig Gedanken gemacht und mich komplett isoliert.“
 
Zeit für Abschluss genutzt

Trotzdem nutzte Julia die Zeit in den USA, um dort ihre Bachelorarbeit zu schreiben, da sie bereits alle Module bestanden hatte. Über einen VPN-Tunnel, eine besonders gesicherte Internetverbindung, hatte sie Zugriff auf unterschiedliche Plattformen und auch eine Bibliothek stand der Studentin in Amerika zur Verfügung. Während Julia ihre Bachelorarbeit schrieb, kümmerte sie sich nebenbei auch um die beiden Söhne ihrer Gasteltern, die im Home-Office arbeiteten. „Homeoffice ist in den USA nichts Neues, sodass den Amerikanern, im Gegensatz zu den Deutschen, die Umstellung wesentlich leichter fällt“, stellt Julia fest.

Umgang mit der Coronakrise

Während ihrer Zeit in den USA erlebte sie Unterschiede mit dem Umgang der Krise in den USA und Deutschland. Denn im Gegensatz zu anderen Ländern haben die USA erst später mit Ernsthaftigkeit auf das Virus reagiert. „Bei Gesprächen mit meiner Familie ist es mir am meisten aufgefallen wie sehr die USA hinterherhängen. Ungefähr zwei Wochen später als Deutschland haben die USA auf das Virus reagiert“, so die 24-jährige. In Virginia waren die Menschen ebenfalls aufgefordert, zu Hause zu bleiben und nur für wichtige Erledigungen ihr Zuhause zu verlassen, in Läden war die Anzahl der Kunden beschränkt. Doch viele Amerikaner hätten von der Einhaltung der Beschränkungen abgesehen. Auch das Tragen eines Mund- und Nasen-Schutzes war keine Pflichtmaßnahme.


 

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