Erst vermeiden und dann baggern

Vor dem Mündungsschöpfwerk in Großensiel (von links): Dirk Decker (Vorsteher Stadlander Sielacht), Dirk Harms-Herrmann (Braker Sielacht), Burchard Wulff (bisheriger Vorsteher des Planungsverbandes) und Dieter Hülstede (Entwässerungsverband Butjadingen, seit  1. Januar auch Vorsteher des Planungsverbandes     BILD: LOHE

WESERMARSCH – Laut dem niedersächsischen Umweltministerium wird die vor einigen Jahren konzipierte Lösung nicht mehr ausreichen, um weitere Versalzungen der Siele und Gräben in der Wesermarsch nach der geplanten weiteren Weservertiefung zu vermeiden. Das Ministerium verweist auf neue Erkenntnisse. Das sehen die Wasserverbände ebenso: Das Salz-Problem werde wegen des Klimawandels und damit verbundener längerer Trockenperioden verschärft.
Dies dürfe jedoch nicht dazu führen, dass wegen einer nun nötigen erweiterten Lösung die Vermeidung von Schäden durch die neue Weservertiefung auf die lange Bank geschoben wird – ganz im Gegenteil.

Das haben die Verbandsvertreter Dirk Decker (Vorsteher Stadlander Sielacht), Dirk Harms-Herrmann (Braker Sielacht), Burchard Wulff (bisland Vorsteher des Planungsverbandes für den Generalplan Wesermarsch) und Dieter Hülstede (Entwässerungsverband Butjadingen, seit 1. Januar auch Vorsteher des Planungsverbandes) deutlich gemacht.
Sie wiederholen und bestärken ihre Forderung, dass die Fahrrinne der Weser erst dann erneut angepasst werden darf, wenn zuvor eine Salz-Vermeidungslösung umgesetzt ist – und nicht später.
„Andernfalls wären wir gezwungen, in Butjadingen, Nordenham und Stadland die Sieltore geschlossen zu halten und somit die Zuwässerung aus der Weser komplett einzustellen, um noch größere ökologische Schäden im Binnenland zu verhindern“, sagt Dieter Hülstede.
„Damit würde die Kulturlandschaft Wesermarsch in Gefahr gebracht“, unterstreichen Dirk Decker und Dirk Harms-Herrmann.

Die bisher geplante Vermeidungslösung sieht vor, Ufer des Butjadinger Zu- und Entwässerungskanals durch deichartige Wälle zu erhöhen. So könnte der Kanal mehr salzarmes Wasser, das zuvor aus der Weser zugeführt wird, speichern – bevor die Tide aus der Außenweser höheren Salzgehalt stromaufwärts drückt.
Das Land und die für die Weservertiefung zuständige Wasserstraßenverwaltung des Bundes streben jetzt an, diese Vermeidungslösung auch an den Klimawandel anzupassen und zu erweitern – durch eine direkte Verbindung mit dem Generalplan Wesermarsch.
Mittels Generalplan soll das Systems der Zu- und Entwässerung in der mittleren und nördlichen Wesermarsch komplex umgebaut werden, um künftig noch weiter südlich – bei Brake – weniger salzhaltiges Wasser der Weser entnehmen und dieses Wasser von dort bis nach Butjadingen leiten zu können. Mit diesem vom Land zugesagten Generalplan sollten bereits eingetretene Versalzungen infolge früherer Weservertiefungen rückgängig gemacht werden. Die Realisierung des Generalplans würde jedoch einige Jahre in Anspruch nehmen.
Nach Ansicht der Wasserverbände darf aber die Vermeidung neuer Schäden aus der neuen Weservertiefung nicht erst im Zuge der mehrjährigen Umsetzung des Generalplans gewährleistet werden. Denn diese Zeitverzögerung würde akute und nachhaltige Schäden der Gewässerökologie auslösen.

In Frage kommt somit für die Verbände nur dies: Eine verbesserte Vermeidungslösung wird als eine Art Baustein für den Generalplan realisiert – aber unbedingt, bevor mit den Baggerarbeiten zur Weservertiefung begonnen wird. ?Wie das konkret realisiert werden kann, sei zurzeit völlig offen. Aufgabe der Politik sei es, dies zu regeln. Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hatte bereits im November 2012 und im September 2016 eine Nachbesserung der damaligen Planungsvariante einer Vermeidungslösung verlangt. ?Auch angesichts dieser Vorgaben steht für die Verbände fest: Eine wirksame Vermeidungslösung ist, so Dieter Hülstede, „für uns immer noch das Maß der Dinge.“


 

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