Vorreiterrolle in Deutschland

Bekundeten den Willen zur Fortsetzung des Projekts, von rechts: OOWV-Projektingenieurin Kerstin Krömer, OOWV-Geschäftsführer Karsten Specht, Bürgermeister Carsten Seyfarth, OOWV-Regionalleiter Olaf Sonnenschein und Uwe Glänzer, Leiter der städtischen Kläranlage. BILD: OOWV/Poppen

NORDENHAM – Nordenham. Das steht symbolisch für die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen der Stadt Nordenham und dem Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverband (OOWV): Die Metropolregion Nordwest hat das Projekt „MULTI-ReUse“ zum Ende der Pilotphase mit dem NachhaltigkeitsAward ausgezeichnet. „Es ist der Lohn für die intensive Arbeit unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Projektpartner im Bereich der Wiederverwendung von geklärtem Abwasser“, sagte OOWV-Geschäftsführer Karsten Specht.

In diesem Zusammenhang erwähnte er auch die Mitarbeiter der Kläranlage Varel, in deren Händen die Betriebsführung lag. „Forschung und Wissenschaft sind hier in den vergangenen drei Jahren auf unserer Kläranlage in Nordenham zusammengekommen, um Lösungen für einen schonenden und verantwortungsvollen Umgang mit Wasser zu entwickeln“, freute sich Bürgermeister Carsten Seyfarth: „Bei Multi-ReUse handelt es sich auch um eines der zentralen Projekte in unserer energiewirtschaftlichen Strategie“.

Nun richten die Partner den Blick nach vorne. Der Wille zur Fortsetzung ist auf beiden Seiten vorhanden. Wie wichtig neue Wege in der Wasseraufbereitung sind, zeigt die Diskussion um Grundwasserstände. In vielen Regionen Niedersachsens wird das Grundwasser knapper. Das hat in der vergangenen Woche auch der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) berichtet. Niederschlagsmengen gehen zurück, der Wasserbedarf steigt stetig.

Einsparungen bis zu einer Million Kubikmeter sind möglich

Auf diese Entwicklung kann das Nordenhamer Projekt eine Antwort liefern: Bis zu eine Million Kubikmeter Trinkwasser könnte auf diese Weise im Jahr gespart und somit Grundwasser geschont werden. „Obwohl die Wesermarsch über kein eigenes Wasserwerk verfügt, kann diese Form der Wiederverwendung von Abwasser einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit leisten“, merkte hierzu Olaf Sonnenschein an. „Nicht immer muss es Trinkwasserqualität für industrielle Zwecke sein. Benötigt wird sogenanntes Brauchwasser. Hierfür gibt es vor Ort

potenzielle Abnehmer“, sagte der Regionalleiter des OOWV in den Landkreisen Cuxhaven und Wesermarsch.

Durch Membrantechnik und Umkehrosmose wird das Abwasser aufbereitet und beispielsweise von Salzen, Nährstoffen und unerwünschten Rückständen befreit. „Mit diesem Forschungsprojekt sind wir unserem eigenen Anspruch der Nachhaltigkeit gerecht geworden“, sagte Karsten Specht. Die Pilotanlage ist mittlerweile abgebaut, die Idee einer großtechnischen Anlage konkret. 2023 soll sie möglichst in Betrieb gehen. Im Moment besprechen die Partner Details einer Kooperation. Mit möglichen industriellen Kunden findet schon seit längerer Zeit ein enger Austausch statt. Die Abstimmung mit Aufsichtsbehörden ist gut und konstruktiv.

Die Kosten für den Bau einer solchen Anlage liegen ersten Schätzungen zufolge bei knapp sechs Millionen Euro. „Darin enthalten ist auch die Erstellung eines Brauchwassernetzes“, betonte OOWV-Projektingenieurin Kerstin Krömer: „Es werden selbstverständlich keine Trinkwasserleitungen für den Transport des aufbereiteten Abwassers genutzt.“ Der OOWV hofft auf Fördermittel. „Ein Antrag ist in Arbeit“, berichtete Kerstin Krömer.

Uwe Glänzer, Leiter der Kläranlage Nordenham, freut sich bereits auf einen möglichen Start. „Es unterstreicht die wichtige Bedeutung von Abwasser für zukünftigen Ressourcenschutz“, sagte er und ergänzt: „Eine großtechnische Anlage wäre die erste in Deutschland.“

„Die Entwicklung ist beeindruckend“, bilanzierte Karsten Specht, der sich bei der Stadt Nordenham für die Möglichkeit der Zusammenarbeit bedankte. „Dieses Beispiel zeigt, was möglich ist, wenn Akteure an einem Strang ziehen – und es stellt unter Beweis, über welch hohes Fachwissen wir in unserer Region verfügen“, fügte Carsten Seyfarth hinzu.

Der NachhaltigkeitsAward der Metropolregion Nordwest ist mit 10.000 Euro dotiert. „Wir möchten dieses Preisgeld gemeinnützigen Einrichtungen in unserem Verbandsgebiet zukommen lassen“, sagte der OOWV-Geschäftsführer. Davon sollen Institutionen in allen Landkreisen sowie in der Stadt Oldenburg gleichermaßen profitieren.


 

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