Wenn der Partner sein wahres Gesicht zeigt

Artikel vom 30.11.2021

Ulrike Krebs

Cornelia Koepsell las im Mehrgenerationenhaus aus ihrem Roman „Lauf weg, so lange du kannst“. Bild: Ulrike Krebs

36 Bäckereien in der Wesermarsch beteiligten sich an der Aktion „Gewalt kommt nicht in die Tüte“. Im Mehrgenerationenhaus Nordenham gab es eine Lesung zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen

Tätliche Übergriffe durch Männer haben viele Frauen bereits erleiden müssen. Auch die jüngsten Zahlen sind mehr als erschreckend: Laut einer Statistik des Bundeskriminalamts starben allein im vergangenen Jahr in Deutschland 139 Frauen durch die Hand ihrer Partner oder Ex-Partner. Insgesamt erlebten in dem Zeitraum fast 120.000 Frauen Gewalt in der Beziehung, wobei es am häufigsten zu einfacher Körperverletzung kam, gefolgt von Nötigung, Bedrohung und Stalking. Hinzu kommt eine Dunkelziffer in unbekannter Höhe.

Häusliche Gewalt

Grund genug für viele Frauenorganisationen, mit Veranstaltungen und anderen Aktionen auf die Gefahren durch häusliche Gewalt aufmerksam zu machen. Anlässlich des Internationalen Tags gegen Gewalt an Frauen am 25. November beteiligten sich in der Wesermarsch 36 Bäckereigeschäfte an einer Brötchentütenaktion unter dem Motto „Gewalt kommt nicht in die Tüte“. Bereits zum fünften Mal hatte das Gleichstellungsreferat des Landkreises Wesermarsch die Verteilung von Papiertüten organisiert, die mit Anlaufstellen für Betroffene bedruckt sind. Unterstützung gab es dabei von der Arbeitsgemeinschaft der kommunalen Gleichstellungsbeauftragten, der Kreishandwerkerschaft und den Präventionsräten im Landkreis.

Zudem fand im Nordenhamer Mehrgenerationenhaus eine Lesung statt. Cornelia Koepsell las aus ihrem zweiten Buch, das den Titel „Lauf weg, wenn du kannst“ trägt. Diese Veranstaltung hatte eigentlich schon im vergangenen Jahr stattfinden sollen, musste da aber coronabedingt abgesagt werden.

Autorin zu Gast

Die in der Lüneburger Heide lebende Autorin erlebte als junge Frau selber Gewalt in einer Beziehung. Diese Erfahrung bewegte die heute 66-Jährige zu ihrem im Geest-Verlag erschienenen Roman. Die fiktive Geschichte um die Protagonistin Eva spielt vorwiegend in den 1980er-Jahren. Das Buch handelt von einer jungen Frau, die sich Hals über Kopf verliebt. Ihr Partner namens Jens erweist sich jedoch bald als gewalttätiger Psychopath, der Eva brutal misshandelt und sie zu einem Raub mit schwerer Körperverletzung anstiftet. Die Resozialisierung nach ihrer Entlassung aus dem Gefängnis erweist sich in vielerlei Hinsicht schwierig.

Cornelia Koepsell beschönigt nichts, sie schildert die Handlung realitätsnah und schonungslos. Die Protagonistin Eva erweist sich jedoch keineswegs als der Frauentyp, der in das Klischee des klassischen Opfers hineinpasst. Die junge Frau überrascht immer wieder und entwickelt verschiedene Strategien, um ihr Leben in den Griff zu bekommen.

„Ich wollte schon immer gerne schreiben“, sagte die Autorin, die gerade ihren dritten Roman überarbeitet. Ihren Wunsch setzte Cornelia Koepsell dann um, nachdem sie einen Kursus über Kreatives Schreiben besucht hatte. Zuerst waren es Kurzgeschichten, die sie in Literaturzeitschriften und Anthologien publizieren konnte. Ihr Debütroman „Das Buch Emma“ erschien 2013. Organisiert wurde die Lesung mit anschließender Diskussion von der Gleichstellungsbeauftragten Karin Windheim zusammen mit dem Arbeitskreis gegen Gewalt an Frauen.


 

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