Zollstöcke und Zelluloidbälle

Hans Mester hat zwei Leidenschaften: das Tischtennisspiel und das Sammeln von Zollstöcken.      BILD: WOLFGANG BÖNING

GROSSENMEER – Mit 80 Jahren zählt Hans Mester aus Großenmeer zu den ältesten Tischtennisspielern im Kreisverband Wesermarsch. Wegen der Pandemie muss der trainingsfleißiger Senior seinen Schläger derzeit in der Sporttasche lassen, die ihr Dasein nun schon lange in der Ecke fristet.

Die Anfänge

Er fand erstrelativ spät zum Tischtennissport. Als er 23 Jahre alt war, wurde in seiner Heimat der TTC Südbollenhagen gegründet. Gespielt wurde im Saal der Gaststätte Jabben. Nach Tanzabenden war der Boden meistens glatt. Der TTC hatte deshalb einen großen Heimvorteil. Die Tischtennistische waren selbstgefertigt. Auch Hans Mester half, die Spanplatten auszusägen. Er ist gelernter Tischler. Die beiden Platten wurden auf Untergestelle gelegt, mit grüner Farbe bemalt, und schon ging es los – damals noch mit Zelluloidbällen.
1966 stieg der Verein in den Punktspielbetrieb ein. Die Spielstätten in der Wesermarsch waren oft unbeheizte Gaststättensäle oder – wie in Nordenham – sogar eine ausrangierte Flugzeughalle. Die Ernüchterung folgte auf dem Fuß: „Wir eilten von Niederlage zu Niederlage“, sagt Hans Mester. Oft habe es Diskussionen gegeben, wie das Team die Negativserie beenden könne. „Einen Trainer gab es ja nicht.“ Mühsam erarbeitete sich der TTC die ersten Erfolge. Auch die Spielstätten verbesserten sich: Bald spielten die Südbollenhagener in der Aula der Jaderberger Hauptschule, danach in die Sporthalle Großenmeer und dann in der Jaderberger Sporthalle.

Nach dem Zusammenschluss im Jahre 1994 mit den Mentzhauser Tischtennis-Aktiven zur TTG Jade wurde die dortige Mehrzweckhalle der neue Anlaufpunkt. Hans Mester sammelte Erfolge bis zum Gewinn der Kreismeisterschaft. Als Senior war er auf Bezirksebene erfolgreich und schaffte die Qualifikation zu den Landestitelkämpfen. Seit 1980 ist er ehrenamtlich Abteilungsleiter im Großenmeerer TV. Die Kinder des Vereins nehmen am Punktspielbetrieb teil. Außerdem hat sich eine Erwachsenen-Hobbygruppe etabliert.
Hans Mester hat noch ein zweites Hobby: Er sammelt Zollstöcke – ein für den Tischtennissport durchaus nützliches Hobby, wenn mal die Netzhöhe gemessen werden muss. Diese ist auf 15,25 Zentimeter vorgeschrieben.

Zu diesem Hobby führte ihn vor 30 Jahren sein Beruf. Die Sammlung ist inzwischen auf 800 Zollstöcke angewachsen, die alle gut sortiert sind. „Im Wohnzimmer habe ich die nicht ausgestellt“, sagt er und lacht. Schließlich will er den Hausfrieden wahren. Mit seiner Frau Inge hat vor einem Jahr die Goldene Hochzeit gefeiert – leider nur im kleinen Familien-Kreis.

Übrigens: Sein Schwager Heinz Mester hat dasselbe Hobby. „Er hat schon 2000 Stück gesammelt“, sagt Hans Mester. Früher sei es einfacher gewesen, an Zollstöcke heranzukommen, erzählt er. „Da brachten die Werbeabteilungen der Firmen mehr heraus.“
Übrigens: Die Zwei-Meter-Stöcke sind fast alle aus Holz. Nur selten verirrt sich mal ein Stück aus Kunststoff in seine Sammlung. Ob das Hobby Geld kostet? Nein, sagt er. „Ein Sammler kauft nicht. Der tauscht nur.“


 

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