Bau von Flüssiggas-Terminal in Wilhelmshaven kann starten

Artikel vom 06.05.2022

Stefan Idel, Büro Hannover

Ein Frachter für flüssiges Erdgas (LNG) liegt im Hafen. Solche Schiffe sollen spätestens ab 2023 in Wilhelmshaven anlegen. Bild: Lex Van Lieshout

An diesem Donnerstag treffen sich Umweltminister Olaf Lies (SPD) und Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) am Voslapper Groden, um einen Vertrag zur „Energie-Drehscheibe Wilhelmshaven“ zu unterzeichnen. Doch eine gute Nachricht gibt es schon im Vorfeld.

Grünes Licht für den Bau des ersten Importterminals für Flüssigerdgas (LNG) bei Wilhelmshaven: Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) hat dem vorzeitigen Beginn der Maßnahme zugestimmt. Das bestätigte Niedersachsens Energieminister Olaf Lies (SPD) am Montag auf Anfrage unserer Redaktion.

Lies drückt aufs Tempo

Erst in der Vorwoche hatte Niedersachsen Ports das Planfeststellungsverfahren zum Bau und Betrieb des LNG-Terminals an der gut zwei Kilometer langen Umschlaganlage Voslapper Groden zwischen Hooksiel (Friesland) und Wilhelmshaven auf den Weg gebracht. Lies spricht in diesem Zusammenhang von der neuen „Deutschland-Geschwindigkeit“. Das heißt: Wie bei der Tesla-Autofabrik in Brandenburg werden parallel zur Bauphase alle Belange – vom Umweltschutz bis zur Fischerei – geprüft. Die Qualität des Verfahrens mindere sich dadurch nicht, betonte der Minister.

Vom vorzeitigen Maßnahmenbeginn sind nach Informationen dieser Zeitung betroffen: das Rammen der Stahlrohrpfähle zur Gründung der Verladeplattform, das Aufsetzen der Stahlbetonplatte als Verladeplattform, die Ausstattung der Verladeplattform mit Geländern und Steigleitern, die Anbringung einer Brücke zum bestehenden Anleger, das Einbringen mehrerer Dalben sowie eine Verbindung mit Laufstegen.

Bei der Zulassung des vorzeitigen Baubeginns handele es sich um die „Maßnahme 1“, wie es in dem Schreiben des NLWKN heißt. Die weiteren „Maßnahmen 2 und 3“ beschreiben die Vertiefung des etwa 41,2 Hektar großen Zufahrtbereichs der bestehenden Fahrrinne sowie die Vertiefung der „Liegewanne“

N-Ports wolle rund 40 Millionen Euro in die Hafen-Infrastruktur investieren, erläuterte Lies. Weiterhin werde der Betreiber, die Energiefirma Uniper, Millionen in das Projekt stecken. Über die Plattform soll spätestens Anfang 2023 mit dem LNG-Import über Wilhelmshaven begonnen werden, so der Zeitplan.

Sprung zur Energiewende

Die Bundesregierung plant, die Genehmigung der LNG-Projekte mit einem neuen Gesetz zu beschleunigen. Lies sieht in dem Gesetz eine „sehr gute Grundlage“ für die rasche Realisierung der Vorhaben. Die schwimmenden Terminals blieben aber eine Übergangslösung hin zum Import für klimafreundliche Gase. Die jetzige Situation könne somit ein Sprungbrett für die Energiewende sein.

Am Donnerstag soll im Beisein von Lies und Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) der erste Rammschlag für das LNG-Terminal am Voslapper Groden fallen. Die Minister wollen außerdem eine Vereinbarung unterzeichnen, Wilhelmshaven zu einer „Drehscheibe für saubere Energie“ auszubauen.

Flüssiggas-Importe über Wilhelmshaven

2020 wurde noch gegen einen LNG-Terminal in Wilhelmshaven protestiert. Nun soll spätestens Anfang 2023 mit dem LNG-Import über Wilhelmshaven begonnen werden. Ziel ist, die deutsche Abhängigkeit von Gaslieferungen aus Russland zu verringern. Der fest installierte Terminal soll frühestens 2025 betriebsbereit sein. In Wilhelmshaven werden zunächst sogenannte Floating Storage and Regasification Units (FSRU) zum Einsatz kommen. Dabei handelt es sich um schwimmende Anlande- und Speicherplattformen, an denen die LNG-Tanker festmachen.

Für vier solcher FSRU-Einheiten sowie für die Infrastruktur stellt der Bund rund 2,9 Milliarden Euro zur Verfügung. Neben Wilhelmshaven sind auch Standorte in Brunsbüttel (Schleswig-Holstein) und Stade im Gespräch. Die Verteilung der vier Einheiten ist noch offen, so ein Sprecher des Umweltministeriums.

Bis Jahresende soll vom geplanten LNG-Terminal eine Gasleitung von Wilhelmshaven bis zur Kaverne in Etzel (Kreis Wittmund) fertig sein. Das Genehmigungsverfahren für die 28 Kilometer lange Leitung läuft beim Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG).


 

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