Das Schwimmen bestimmt ihr Leben

Artikel vom 04.01.2023

Kea Ulfers

Gisela Willms geht auch mit ihren 70 Jahren noch regelmäßig schwimmen und in die Sauna. Ohne Bewegung geht es schließlich nicht. Bild: Björn Lübbe

Gisela Willms leitet seit Jahrzehnten die Aqua-Fitnesskurse beim Wilhelmshavener Schwimm- und Sportverein. Auch mit ihren 70 Jahren denkt sie noch nicht ans Aufhören.

Bis zu sechs Aqua-Fitness Kurse die Woche hat Gisela Willms geleitet und das bei voller Berufstätigkeit. Mittlerweile sind es nur noch drei und doch bestimmt der Sport ihr Leben.

Seit 23 Jahren leitet die 70-Jährige mehrere Aqua-Fitness Kurse beim Wilhelmshavener Schwimm- und Sportverein (WSSV). In Hochzeiten betreute Willms bis zu 86 Teilnehmer. Selbst der eigene Urlaub wird bis heute um die Kurse herumgeplant, damit bloß keiner ausfallen muss. „Mir macht das einfach noch immer wahnsinnig viel Spaß und die Teilnehmenden freuen sich, wenn ich sie richtig trieze“, sagt Gisela Willms.

Erst mit 10 Jahren Schwimmen gelernt

Dabei hat sie erst spät das Wasser für sich entdeckt. „Ich bin regelmäßig mit meinen Geschwistern ins Jadebad gegangen, konnte aber nicht schwimmen.“ Das ändert sich, als die damals Zehnjährige einen Aushang für die Schwimmausbildung im Jadebad entdeckt.

Danach folgen viele Jahrzehnte mit ehrenamtlichen Posten beim Stadtsportbund bis hin zur Organisation der Osterjugendtage. „Das war immer ein Spektakel in der Stadt.“ Als sich 1989 die Grenze öffnet, kommen viele Sportler aus Osteuropa dazu. Die Organisation und das Zusammenkommen mit Menschen unterschiedlichster Herkunft habe Willms dabei immer besonders gut gefallen. Mit der niedersächsischen Delegation des Sportbunds reist sie sogar dreimal nach Japan. Bis heute zählen die Reisen zu den einprägsamsten Erfahrungen.

Obwohl die 70-Jährige gerne neue Länder erkundet, hat sie ihr ganzes Leben in Wilhelmshaven verbracht. Im November 1952 kommt sie in Bant unter dramatischen Umständen zwei Monate zu früh auf die Welt. Als ihre Mutter auf dem Weg zu Olympia mit dem Fahrrad in einen Graben stürzt, kann sie nur mit Mühe gerettet werden. Der Sturz ins Wasser leitet die Geburt ein. Weil man wenig Erfahrungen mit Frühgeburten hat, kommt Gisela Willms in das Paul-Hug-Krankenhaus, eingewickelt in Tüchern und umgeben von zig Wärmflaschen. Zwischenzeitlich soll bereits eine Nottaufe vorgenommen werden, weil nicht klar ist, ob sie es überleben wird „Man hat mich dann regelrecht aufgepäppelt und nach einem Jahr war alles vergessen.“

Kinderanimateurin in Hooksiel

Dass Gisela Willms keine Herausforderung scheut, zeigt auch ihr beruflicher Werdegang. Mit fast 50 Jahren verlässt sie die Anwaltskanzlei in der sie lange Zeit gearbeitet hat und fängt noch einmal von vorne an. Fortan arbeitet sie als Animateurin auf dem Campingplatz in Hooksiel. Mit bis zu 100 Kindern bastelt sie, backt Stockbrot oder unternimmt Radtouren. Das bedeutete für die 70-Jährige wenig freie Zeit von Ostern bis in den Sommer. „Ich bereue keine Sekunde, die ich auf dem Campingplatz verbracht habe.“ Heute organisiert sie noch gelegentlich Radtouren und fährt natürlich ohne E-Bike.


 

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