Druckerei-Spezialisten mitten im Wohngebiet

Artikel vom 26.12.2022

Michael Halama

Kapitänleutnant Jürgen Campen (l.) ist der Druckerei-Chef, Carsten Wulf Sachgebietsleiter Herstellung und Bewirtschaftung. Bild: Björn Lübbe

Seit 30 Jahren gibt es die Marinedruckerei im Wilhelmshavener Rüstersiel, die zum Marineunterstützungskommando gehört, inzwischen. Eine Besonderheit: der Druck auf wasserbeständigem Papier. Doch die Marinedruckerei kann viel mehr als nur „drucken“.

Was mit dem Druck von technischen Zeichnungen und Dienstvorschriften begann, ist inzwischen ein bundeswehrweit gefragter Dienstleister mit besonderen Fähigkeiten: die Marinedruckerei in Rüstersiel. Am kommenden Freitag feiert die Dienststelle mit zum Teil hochrangigen Gästen ihr 30-jähriges Bestehen.

Mögen die meisten Rüstersieler schon mal von der Druckerei in ihrem Stadtteil gehört haben, so ist wohl vielen Wilhelmshavenern gar nicht bewusst, dass es diese Dienststelle überhaupt gibt. Es sei denn, sie haben als WZ-Leser den Artikel aus dem Herbst 2018 in Erinnerung; da wurde die Marinedruckerei zuletzt vorgestellt.

Zuletzt haben die Gäste des Marineballs im Schützenhof Jever eines der renommierten Produkte der Experten in den Händen gehalten. Denn das Ballheft mit Tischordnung und die Einladungskarten werden seit Langem in Rüstersiel gestaltet und gefertigt.

Wo einst alte Militär- Baracken standen

In alten Militär-Baracken am Rande von Rüstersiel fand nach dem Krieg zunächst ein „Hochschuldorf“ der Hochschule für Arbeit, Politik und Wirtschaft seinen Platz. Ab 1962 übernahm die Marine das Gelände und es war bis 1994 Sitz des damaligen Marineunterstützungskommandos. Seit dessen Auflösung ist nur noch ein überschaubares Gelände als Marineanlage Rüstersiel übrig geblieben. Der Rest wurde verkauft und mit Einfamilien- und Reihenhäusern bebaut.

Am 8. Dezember 1992 nahm die Marinedruckerei in der heutigen Liegenschaft ihren Betrieb auf. In den 30 Jahren ihres Bestehens hat sie jedoch mehrfach ihre Zugehörigkeit gewechselt: Vom damaligen Marineunterstützungskommando (MUKdo) zum Marineamt, vom Marineamt zum Marinestützpunktkommando Wilhelmshaven, von dort 2005 wieder zum Marineamt – und seit 2012 erneut beim MUKdo, das seinen Hauptsitz in Roffhausen hat.

Alle schätzen die familiäre Atmosphäre

Die Druckerei gehört zu dessen Dezernat „Querschnitt/Zentrale Aufgaben 3“. Leiter von „QZA 3“ ist seit Oktober 2021 Kapitänleutnant Jürgen Campen. Der 48 Jahre alte Auricher ist von Haus aus Personaloffizier. „Das ist schon eine tolle Lage hier im Wohngebiet. Doch vor allem schätze ich wie alle hier die familiäre Atmosphäre“, sagt er. Von den 27 Dienstposten des Dezernats seien nicht aktuell alle besetzt. Sechs Soldaten sind hier tätig, zwei Beamte und 19 Tarifbeschäftigte, wie es im Behördendeutsch heißt.

Einer der Experten der Druckerei ist zweifelsohne Carsten Wulf. Der 62-Jährige ist seit 13 Jahren hier beschäftigt und inzwischen Sachgebietsleiter Herstellung und Bewirtschaftung. „Auch wenn die Flotte und andere Dienststellen in Wilhelmshaven zu unseren wichtigsten Kunden zählen – inzwischen erhalten wir Druckaufträge aus ganz Deutschland“, sagt Wulf. Dazu gehöre zum Beispiel die gesamte Organisation der Familienbetreuungszentren der Bundeswehr, für die Infomappen, Poster und sonstiges erstellt werden.

Wasserbeständiges Papier ist eine Stärke

„Besondere Expertise haben wir inzwischen beim Druck auf wasserbeständigem Papier erlangt, das wir ursprünglich auf Wunsch der schwimmenden Einheiten erstmals eingesetzt haben“, so Wulf. „Bei diesem Thema stehen wir in engem Austausch mit der Industrie.“ Zwei Hersteller bieten das Spezialpapier an. „Inzwischen drucken wir darauf auch für Piloten der Luftwaffe und für die Feuerwehr.“

Die Aufgaben der Marinedruckerei sind vielfältiger als es der Name zunächst vermuten lässt. „Bei der Produktion von Printmedien, sowie CDs und DVDs – mit Vorschriften, aber auch Lehrvideos – sind wir für den kompletten Produktions- und Nachbereitungsprozess verantwortlich“, erklärt Druckerei-Leiter Jürgen Campen. Dazu zählen auch die vorzunehmenden Änderungen an den Dienstvorschriften und Regelungen der Marine.

Circa 3300 Aufträge werden pro Jahr erledigt

Ausgestattet mit modernster Technik, die den Vergleich mit der freien Wirtschaft nicht zu scheuen braucht, werden im Jahr circa 3300 Druckaufträge bearbeitet. Das sind rund fünf Millionen Blatt Papier und 2500 CDs/DVDs, die an Landdienststellen sowie Boote und Schiffe der Marine ausgeliefert werden. „Unsere Herausforderung ist, dass wir uns noch stärker an die Bedürfnisse des digitalen Zeitalters anpassen“, sagt Campern. „Dann muss uns um die Zukunft der Marinedruckerei nicht bange sein.“


 

Blaulicht-Ticker

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