Nun bleibt mehr Zeit für die Altdeutschen Kröpfer

Henning Karasch

Wolfgang Menssen ist als Gärtner schon seit zehn Jahren im Ruhestand. Nun verabschiedet er sich auch als Marktbeschicker ins Rentnerdasein. Foto: Karasch

Für seine schöne Ampeln, Beetware, Alpenveilchen und Campanula war er bekannt bei seinem großen Kundenstamm. Doch nun soll Schluss sein, schließlich ist Wolfgang Menssen als Gärtner schon seit zehn Jahren im Ruhestand. Mit einem Schild, das ihm seine Tochter Tanja mitbrachte, sagte er Tschüß.

Wolfgang Menssens Kunden kamen aus ganz Wilhelmshaven und Friesland, bis nach Zetel, wie er sagt. Früher seien viele Leute schon um 7 Uhr auf dem Markt gewesen. Im Laufe der Jahre nahm die Zahl der Marktbeschicker ab. Wegen der Corona-Pandemie seien die Kunden 2020 vorsichtiger. Im Frühjahr war Wolfgang Menssen überhaupt nicht auf dem Wochenmarkt.

Von Anfang an suchte Wolfgang Menssen seine Ware bei der Gärtnerei in Wiesmoor selbst aus, statt Pflanzen nur zu bestellen. Dadurch konnte der Schortenser beste Qualität gewährleisten. Auf dem heimischen, 500 Quadratmeter großen Feld gediehen zudem Chrysanthemen und Begonien. Er hatte stets Glück, sagt Wolfgang Menssen rückblickend, dass seine Pflanzen nie Hagel abbekamen. Im November, wenn die Leute Gestecke für die Gräber am Totensonntag oder Kränze für den Advent kauften, half Wolfgang Menssens Ehefrau Grete beim Binden. Durch seine Pflanzen sei er bekannter als durch seinen Namen, ist sich Wolfgang Menssen sicher. Bis vor zehn Jahren arbeitete Wolfgang Menssen fünf Monate im Jahr ausschließlich in der Gärtnerei und beschickte in sieben Monaten zusätzlich den Wochenmarkt in Wilhelmshaven.

In seinem großen Garten gedeihen auch jene Pflanzen, die seine Lieblinge, die Altdeutschen Kröpfer, am liebsten mögen: Vogelmiere, Löwenzahn, Petersilie, Knoblauch, Porree und Sellerie. Seit über 20 Jahren brauchten seine Ziertauben weder Medikamente noch zusätzliche Vitamine, so der leidenschaftliche Züchter. Auch ein Tierarzt musste nicht konsultiert werden. Die Tauben haben keine Namen. Der älteste Vogel wurde 21 Jahre alt. Die rund 50 Zentimeter langen Ziertauben können sich auf Kommando aufblasen. Sie gehorchen wie Hunde und sind derart handzahm, dass Wolfgang Menssens Tauben bereits bei der Theatergruppe des Bürgervereins Sande im Weihnachtsmärchen mitspielten. Die Altdeutschen Kröpfer lassen sich nicht aus der Ruhe bringen, da können sich ruhig Katzen auf ihre Voliere legen, hat der Züchter beobachtet.

Wolfgang Menssen Vater begeisterte ihn für die Tierzucht. Er züchtete Hühner, und so begann auch der Sohn bereits mit zehn Jahren, Italiener rebhuhnfarbig und Welsumer zu züchten. Als Wolfgang Menssen 14 Jahre alt war, schenkte ihm sein Lehrmeister in Jever seine ersten Altdeutschen Kröpfer. Im Gegenzug musste der Lehrling 14 Tage lang die Hühnerställe des Meisters reinigen. Wolfgang Menssen lernte Blumen- und Zierpflanzenbau, Kranzbinderei und Friedhofsgärtnerei.

Wolfgang Menssen gehört dem Rassetaubenzuchtverein Jade-Friesland e.V. sowie dem Geflügelzuchtverein Oestringen von 1900 e.V. an. Für Ausstellungen reist er mit seinen Tieren bis nach Bremen, Hannover, Münster, Dortmund und Leipzig. Sein schwarzer Täuber erhielt auf der Haupttaubenschau 2018 in Bramsche ein „V“ für „vorzüglich“. Auf der jährlichen Bundesschau in Leipzig gab es immerhin die zweithöchste Bewertung „hervorragend“. Wolfgang Menssen ist einer von gut 50 Züchtern aus ganz Deutschland, die im Sonderverein der Züchter Altdeutscher Kröpfer organisiert sind. Aus Münster, Hannover und Frankfurt/Main kommen Züchter nach Schortens, um Tiere von Wolfgang Menssen zu erwerben. Ihm gehe es aber nicht so sehr um Pokale, versichert er, sondern darum, die Tiere mit Geduld aufzuziehen und zu dressieren. Tauben legen stets zwei Eier. Die Brutzeit dauert von Januar bis April. Vogelgrippe befällt die Tauben nicht, erklärt Wolfgang Menssen. 50 Jahre lang züchtete er zudem Danziger Hochflieger weiß und gemasert, die hoch statt weit fliegen. Im Urlaub füttert ein Nachbar Wolfgang Menssens Tauben. Da der Nachbar Kaninchen züchtet, füttert Wolfgang Menssen diese im Gegenzug ebenfalls. Der zweifache Vater und vierfache Großvater hofft, dass alle Menschen gesund bleiben und es nächstes Jahr wieder Vogelschauen geben darf.


 

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