Die Jugendfeuerwehr Marx war vor 50 Jahren die zweite im Landkreis Wittmund

Von Henning Karasch

Bernd Hollje ist Jugendfeuerwehrwart der Freiwilligen Feuerwehr Marx. Foto: Karasch

Normalerweise wollten die Mädchen und Jungen der Jugendfeuerwehr Marx dieses Jahr ihr goldenes Jubiläum feiern. Doch was ist in Zeiten der Coronapandemie schon normal. Bernd Hollje, seit 1997 Jugendfeuerwehrwart, verspricht aber, dass das Fest im Herbst 2022 nachgeholt wird. Dann soll an der Streeker Straße, Richtung Bentstreek, das neue Feuerwehrhaus stehen, für das diesen Sommer der erste Spatenstich erfolgt. Darin bekommt die Jugendfeuerwehr ihren eigenen Raum. Zur Einweihung möchten die Jugendlichen dann mit Mitgliedern benachbarter Jugendfeuerwehren aus den Landkreisen Friesland, Aurich und Leer Spiele ohne Grenzen spielen. Das sei schon zum 40-jährigen Bestehen gut angekommen, erinnert sich Bernd Hollje. Das Gelände, auf dem damals gespielt wurde, lag an Tüschen Fennen und ist mittlerweile bebaut.
Die Idee zur Gründung der Jugendfeuerwehr hatte der Marxer Hans Eckhoff, dessen Kollege auf dem Fliegerhorst Wittmund aus Adorf kam, wo schon erfolgreich eine Jugendabteilung gegründet worden war. Start war mit zwölf Jungen, von denen niemand mehr der Freiwilligen Feuerwehr Marx angehört. Anfangs sei alles einfacher gewesen, erklärt Bernd Hollje. So gab es beim Zeltlager nur einen Donnerbalken. Als 1987 Mädchen aufgenommen wurden, sei man vorsichtiger geworden. In den ersten Jahren war sonntags vormittags Dienst. Heute treffen sich die 22 Jugendlichen, etwa zur Hälfte Mädchen und Jungen, vierzehntägig donnerstags für zwei Stunden. Die Digitalisierung war ein großer Schritt. Heute müsse er keine Eltern mehr aufsuchen, damit sie etwas unterschrieben. Mitgliederausweise seien nach wie vor analog.
Es gab auch schon mehr Mädchen als Jungen in der Jugendfeuerwehr. Eine Warteliste würde Jugendliche abschrecken, denkt Bernd Hollje. Sie ist auch unnötig, denn 25 Plätze wären erlaubt. Sein Sohn, der das Down-Syndrom hat, ist seit seinem zehnten Lebensjahr dabei. Im neuen Feuerwehrhaus ist die Gründung einer Kinderfeuerwehr angedacht.
Die Jungen und Mädchen, lernen über Fahrzeug- und Feuerwehrtechnik, saugen Bohrbrunnen an und lassen auch den Spaß nicht zu kurz kommen. Disziplinprobleme gebe es nicht. Vor allem auswärts sei das Auftreten wichtig. Nicht alle Heranwachsenden gehen schon mit zehn Jahren in die Jugendfeuerwehr. So gibt es 14-jährige Quereinsteiger, die erst zuziehen. Ein Mädchen zog nach Leerhafe, blieb aber in der Jugendfeuerwehr Marx, bis sie in die Einsatzabteilung der Freiwilligen Feuerwehr ihres neuen Wohnorts eintrat. Rund 80 Prozent der Jugendlichen werden in die Einsatzabteilung, die derzeit in Marx 36 Mitglieder zählt, übernommen. Außerdem gibt es sieben Mitglieder in der Ehrenabteilung. Im neuen Feuerwehrhaus sollen sechs Jugendliche in die Einsatzabteilung aufgenommen werden. Im alten Gebäude sei dafür kaum Platz.
Die Jugendlichen bereiten sich auf die Jugendflammen eins und zwei vor, die beim Gemeinde-Jugendfeuerwehrtag abgelegt werden. Seit 1987 fahren sie regelmäßig zur Leistungsspangenabnahme bis ins Ammerland oder nach Wardenburg. Sie gehen Eis essen, grillen und bringen zu Geburtstagen Kuchen und Getränke mit. 2018 ging es ins Kreiszeltlager nach Stedesdorf, 2019 fuhr man ins Bezirkszeltlager nach Weener. Wegen der Lockdowns konnte man sich lediglich im August 2020 zu zwei Diensten treffen. Einmal zur Fahrzeugkunde, ein andermal zum Grillen bei der Jugendfeuerwehr-Königin. Die Tradition, das Jugendfeuerwehr-Königshaus auszuschießen, gebe es seit 35 Jahren, sagt Bernd Hollje. Seine vier Betreuer und er stellten während der Pandemie Fahrzeugkunde ins Netz. Die Jugendlichen seien aber voll mit Onlineangeboten gewesen, habe er festgestellt. Zum Glück sei niemand aus der Jugendfeuerwehr in dieser Zeit abgesprungen. Als es wieder losging, waren alle sofort da. Allerdings sei über die Hälfte der Jugendlichen innerhalb anderthalb Jahren aus ihrer Dienstkleidung herausgewachsen.
Bernd Hollje, Jahrgang 1961, stammt aus Bohlenberge. Der Jugendfeuerwehr Zetel trat er als 13-Jähriger bei, weil ihn ein Mitschüler mitnahm und ihr Schulhausmeister Jugendfeuerwehrwart war. Die Jugendfeuerwehr Zetel zählte 15 Mitglieder. Nach seinem Übertritt in die Einsatzabteilung war Bernd Hollje bei Verkehrsunfällen am Autobahnabschnitt Zetel, bei Großbränden und zur Wache beim Zeteler Markt eingesetzt. 1987 zog der bei den Olympia-Werken ausgebildete Werkzeugmacher, der später in der Luftfahrtindustrie arbeitete, nach Marx. Er absolvierte Lehrgänge zum Truppführer und Gruppenführer, wurde zum Hauptlöschmeister befördert, ließ sich zum Atemschutzgerätewart wählen, aus Interesse nach einem Lehrgang, wie Bernd Hollje sagt, und ist Ausbilder in der Feuerwehrtechnischen Zentrale in Wittmund. Jugendfeuerwehrwart wurde er, nachdem sein Vorgänger nach Carolinensiel verzog. 
Im ersten Halbjahr hatte die Freiwillige Feuerwehr Marx kaum Einsätze. Danach mussten Keller leergepumpt werden, es wurden Brände in Friedeburg und Horsten gelöscht. Denn die Marxer verfügen über einen Schlauchwagen mit 2000 Meter Schlauch. Es sei allerhand aufzuholen, sagt Bernd Hollje. So müsse die Atemschutzausbildung weiterlaufen, wobei einmal jährlich ein Leistungsnachweis erforderlich ist, auch während der Pandemie. Fahrzeuge mussten kontrolliert werden, zu Bewegungsfahrten durften nur zwei Personen mit, und Bernd Hollje ließ zwischendurch die Kettensäge laufen, damit alles einsatzbereit blieb. Alle sind froh, dass sie wieder Dienste machen dürfen. Und mit seinen Boßlern, Bernd Holljes zweiter Leidenschaft, darf er auch wieder auf die Straße. Es seien vom Ordnungsamt Abstandskontrollen gefahren worden, berichtet er. Begonnen hat Bernd Hollje in der Friesischen Wehde, spielt mit seinen Männern zwei, mit denen er zweiter Vereinsmeister wurde, nun in Ostfriesland.
 


 

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