Im Schwimmlernkurs entwickelte sich die große Liebe zum Wasser

Von Henning Karasch

Zum Schwimmen kam Lennard Liphardt klassisch über den Schwimmlernkurs. Foto: Henning Karasch

Mitten während der Jahreshauptversammlung der Ortsgruppe Schortens-Jever der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) ging bei Lennard Liphardt, stellvertretender Leiter Einsatz, der Melder. Mit seinem Kollegen Jan Völkert machte er sich auf den Weg, einem Kitesurfer am Außenhafen Hooksiel Hilfe zu leisten. Lennard Liphardts Jahresbericht musste warten. Dies sei nichts Ungewöhnliches, sagt der 24-jährige Sander. Es seien vor allem Kitesurfer und Wattwanderer, denen seine 23 Einsatzkräfte Hilfe leisten müssten. Haupteinsatzzeiten seien Sonnabende und Sonntage, nachmittags bei gutem Wetter. Da werde manchen Wattwanderern der Rückweg abgeschnitten, wenn der Priel, der vorhin noch knietief war, plötzlich Schultertiefe hätte. Mit der Wangerland Touristik GmbH sei daher 2019 ein Informationsblatt speziell für Wattwanderer erstellt worden. Der Einsatz während der Jahreshauptversammlung, zu dem auch freiwillige Feuerwehrkräfte, die DLRG-Ortsgruppe Wangerland, die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) und der Rettungshubschrauber alarmiert wurden, konnte zum Glück abgebrochen werden. Der längste Einsatz war ein Flugzeugabsturz 2019, nach dem neun Stunden die Nordseeküste abgesucht wurde.
2020 ging der Melder, den Lennard Liphardt seit 2016 trägt, 14mal, 2019 geringfügig öfter. An seinen ersten Einsatz an einem Dienstagvormittag erinnert sich Lennard Liphardt noch gut. Da war auch ein Kitesurfer in Not geraten. Da der Maschinenbauingenieur, der gerade seine Masterarbeit an der Jade Hochschule geschrieben hat und in Rastede arbeitet, seit 2017 Jüngster der sechs Einsatztaucher der DLRG-Ortsgruppe sowie seit 2018 deren Gruppenführer ist, kann es auch sein, dass dort sein Melder nachts um 3 Uhr auslöst und er sich eine halbe Stunde später im Neoprenanzug im See wiederfindet. Probealarm ist sonnabends um 12 Uhr.
Zum Schwimmen kam Lennard Liphardt wie sein Bruder, der auch zur Einsatzgruppe gehört, klassisch über den Schwimmlernkurs. Nach dem Seepferdchen fand er Gefallen am Schwimmen, legte die Jugendschwimmabzeichen in Silber und Gold ab, wollte sich damit aber nicht zufriedengeben. Er machte den Juniorretter sowie die Rettungsschwimmabzeichen in Bronze, Silber und Gold und war 2014 Bezirksmeister im Rettungsschwimmen im DLRG-Bezirk Oldenburg-Nord. Er appelliert an alle Menschen, Schwimmen zu lernen. Auch Ältere, die es noch nicht könnten, müssten sich nicht schämen. Zurzeit muss die Schwimmausbildung allerdings pausieren.
Leider war das Hallenbad in Schortens zuerst während des Umbaus vom „AquaToll“ zum „AquaFit“ geschlossen, die DLRG-Ortsgruppe trainierte derweil im „Nautimo“ Wilhelmshaven. Dann war das „AquaFit“ rund ein Jahr geöffnet und seit Herbst 2020 nun wieder zu, diesmal wegen der Corona-Pandemie. Bis Ende August konnten die Rettungsschwimmer im Freibad Jever trainieren, wo auch die Badeaufsicht unterstützt wird. Am Sander See stellt die DLRG-Ortsgruppe Rettungsschwimmer. Ersthelferkurs und Rettungsschwimmschein müssen regelmäßig aufgefrischt werden. Die Rettungsschwimmer trainieren mit bekleideten, rund 25 Kilogramm schweren Puppen, müssen Menschen, die zum Beispiel an der Wirbelsäule verletzt sind, sicher ans Ufer bringen können und, sollte jemand in Panik geraten, Befreiungsgriffe kennen. Jugendliche bilden das Jugendeinsatzteam (JET), können aber derzeit nicht trainieren. 
Für ihre Einsätze hat die DLRG-Ortsgruppe Schortens-Jever einen Mannschaftstransportwagen mit Zusatzausstattung Wasserrettung, einen Gerätewagen und einen Anhänger Tauchen. Das Inflatable Rescue Boat, in etwa aufblasbares Rettungsboot, hat einen Riss im Aluminiumrumpf und muss ersetzt werden. Haupteinnahmequelle der DLRG ist die Altkleidersammlung. Brandneu ist das Mehrzweckboot 5000, das Rollen besitzt. Dafür wird ein Name gesucht, mit dem sich die DLRG identifizieren kann. Letztes Jahr wurden für den Angelverein Jever e.V. mit dem Boot Bäume gezogen, die ein Biotop bilden sollten. Dies sei gutes Training für den Hochwasserfall, meint Lennard Liphardt. Und in Neuharlingersiel wurde eine Pumpe repariert. Bei der DLRG können die Bootsführerscheine A und B erworben werden. Derzeit befindet sich unter anderen eine Bootsführerin in Ausbildung.
Seit Ende November sind die DLRG-Ortsgruppen Schortens-Jever, Varel, Bockhorn-Zetel und Wangerland in die Corona-Kontaktnachverfolgung des Gesundheitsamts Friesland einbezogen, bis Mitte März täglich bis zu zehn Stunden, nun am Wochenende. Die DLRG-Ortsgruppen Bockhorn-Zetel, Varel, Wangerland und Schortens-Jever bilden seit 30 Jahren den Wasserrettungszug Friesland, waren beim Elbehochwasser bei Lüneburg tätig. Das Training findet nun online statt. Auswärts beteiligte sich die DLRG-Ortsgruppe Schortens-Jever 2015 am Betrieb einer Flüchtlingsunterkunft.    
Da er als Maschinenbauingenieur großes technisches Interesse hat und seit 2019 als stellvertretender Leiter Einsatz Gerätewart ist, kam Lennard Liphardt zum Tauchen. Er legte die Prüfung zum Einsatztaucher I ab, leistete zehn Tauchstunden in Menschenrettung und Sucheinsätzen sowie 40 Stunden Arbeit unter Wasser und Eistauchen, auch nachts. Medizin und Physik gehörten ebenso zu den vier Blöcken der Tauchausbildung. Tauchtraining ist alle zwei Wochen am Badesee Schortens. Daher sei es unerlässlich, sagt Lennard Liphardt, dass der Zugang zum Badesee frei bleibe. Tauchgänge mit der fest am Gesicht sitzenden Vollmaske, bei denen Sicherheitstaucher mit der Signalleine, Taucheinsatzführer an Land und Signalmann für Sicherheit sorgen, dauern zwischen 30 und 45 Minuten, je nach Schwere der Tätigkeit.
Die Arbeit unter Wasser, wie Sägen oder Knoten, kann an einer speziellen Werkbank auf dem Grund des Badesees geübt werden. Auch im Banter See wurde getaucht. Beim Tauchen gebe es manchmal kuriose Funde, zum Beispiel eine Registrierkasse, die noch die Centstücke enthielt, Flaschen, Autoreifen, Fahrräder, Verkehrsschilder und Einkaufswagen. Ab 16 Jahren können Interessierte die Tauchausbildung absolvieren, zunächst in der Halle, und ab 18 Jahren mit zum Einsatz fahren. Fünf weitere Einsatztaucher wären gut, meint Lennard Liphardt. Trockentauchanzüge und Überlebensanzüge zur Eisrettung werden gestellt. Beim Einsatztauchen müssen jährlich 300 Minuten aus mindesten zehn Tauchgängen nachgewiesen werden. Leider sei eine Rettung, vor allem wenn Personen ins Eis einbrechen, oft nicht mehr möglich. Nach der Bergung helfe ihnen dann die Notfallseelsorge. 


 

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