Ministerpräsident Stephan Weil nahm die Auszeichnung vor

Artikel vom 24.11.2021

Von Henning Karasch

Der Südstrand habe seine Tücken, meint Carsten Hoschatt vom DLRG. FOTO: Karasch

Wilhelmshaven. Der Stolz ist Carsten Hoschatt anzumerken, als er an der Wache der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) am Fliegerdeich ankommt. Stolz auf die Riesenanerkennung, als einer von 56 Ehrenamtlichen aus dem Bereich Weser-Ems, davon drei aus Wilhelmshaven, von Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil ausgezeichnet worden zu sein. Zu hören, von der DLRG auf Nachfrage der Stadt vorgeschlagen zu sein, gebe Zuspruch, mit seinem Einsatz Anklang zu finden, sagt der 18-Jährige. Den Brief mit dem herzlichen Glückwunsch des Ministerpräsidenten und der Einladung zum Tag der Ehrenamtlichen in Osnabrück hat Carsten Hoschatt fotografiert und aufbewahrt. Er verbrachte einen Tag mit seiner Mutter in Osnabrück. Es gab eine Stadtführung, zur Ehrung dann Musik und Buffet. Unter den Ehrenamtlichen sei ein bunter Mix von Altenpflege über Feuerwehr und Gartenhelfer bis Ehrenamtsbörse gewesen, erinnert sich der 18-Jährige. Bei der Ehrung durch Stephan Weil, der sehr sympathisch sei, durfte ein Bild ohne Maske gemacht werden. Anschließend machte Carsten Hoschatt weitere Erinnerungsaufnahmen. Die Ehrung sei sinnbildlich für alle Aktiven in seinem Bereich der DLRG. Und so freute sich die ganze Ortsgruppe mit ihm. Carsten Schröder, Vorsitzender der DLRG-Ortsgruppe Wilhelmshaven, sei wohl auf ihn gekommen, weil er in relativ kurzer Zeit bereits viel gemacht habe, meint Carsten Hoschatt. Er ist stellvertretender Jugendvorsitzender, Ausbildungsassistent in der Schwimmausbildung und Rettungsschwimmer. Zur DLRG kam der Rüstersieler zwar schon in seinem ersten Schwimmkurs mit fünf Jahren in Altengroden. Später trainierte er im Nautimo weiter, erlangte Abzeichen in Gold und als Juniorretter. Ausschlaggebend für sein stärkeres Engagement war aber die Einladung zur DLRG-internen Ehrung für zehnjährige Mitgliedschaft Anfang 2019. Da erhielt Carsten Hoschatt Urkunde und Pin und die Anfrage, ob er sich ins Verbandsgeschehen einbringen möchte. So ging er eines Mittwochs zum Dienstabend ins DLRG-Heim an der Jadeallee.
Carsten Hoschatt hilft, zum Saisonstart das Material in die Wachen am Fliegerdeich, Südstrand und in Klein Wangerooge zu bringen und zum Saisonende einzulagern. Dazu gehören Rettungsbretter mit Auftriebskörpern, mit denen Personen weiter draußen gerettet werden können, Ersthelferkoffer, Defibrillatoren, Funkgeräte, Desinfektionsspender und Notfallboxen, falls sich Menschen bei Niedrigwasser im Watt an Muscheln schneiden. Das mag Carsten Hoschatt nicht so gern. Denn er kann kein Blut sehen.
Am Wachdienst nahm Carsten Hoschatt 2019 zunächst als Praktikant teil, da er noch keine 16 Jahre alt war und ihm das Rettungsschwimmabzeichen Silber fehlte. Wachsaison ist in den Sommerferien, jeweils zwei Wochen vorher und hinterher. Tideabhängig wird in der Hauptsaison zwischen 8 Uhr und 18 Uhr vier Stunden vor und nach Hochwasser gewacht. Zwei bis drei Wochen während der Saison macht Carsten Hoschatt Wachdienst. Über den Zentralwasserrettungsdienst Küste melden sich Wachgänger aus dem ganzen Bundesgebiet. Sie machen zwei Wochen Wachdienst, übernachten im DLRG-Heim und verpflegen sich selbst. Meist bringt einer von seiner Joggingrunde Brötchen mit, weiß Carsten Hoschatt. Während der Coronapandemie herrscht im DLRG-Heim Maskenpflicht und eine Personenbeschränkung von höchstens 15 Menschen oder 20 Betten. Für die Tage, an denen Dienst geleistet wird, gibt es eine Aufwandsentschädigung. Manche der Wachgänger haben Angehörige hier, andere pflegen Freundschaften. Manche reisen seit zehn Jahren an, und das, obwohl Wilhelmshaven keinen Sandstrand bietet. Außerhalb der Saison bleibt man über WhatsApp in Kontakt.
In der Vor- und Nachsaison wird nur an Wochenenden Wachdienst gemacht. Der Südstrand habe seine Tücken, meint Carsten Hoschatt. Die Buhne Höhe Aquarium habe man besonders im Auge. Dort gebe es bei auf- und ablaufendem Wasser Verwirbelungen und eine starke Strömung, gegen die auch erfahrene Schwimmer drei Minuten anschwimmen müssten. Für den schnellen Einsatz gibt es das Schlauchboot Arngast. Mit dem Schlauchboot Tonndeich und dem Motorboot Wilhelmshaven werden Veranstaltungen wie das Wochenende an der Jade abgesichert. Im Winter ist Zeit, sie durchzuchecken. Und auch bei Ebbe, wenn der Strand und das Watt voll Menschen seien, könne es Unfälle geben. Bei Starkregen halte man sich an die Wachkernzeiten. Auch in den Wachgebäuden gebe es Maskenpflicht, Abstände würden gewahrt und Wachgänger getestet. Einige Strandgäste kämen zu den Wachen und fragten, welche Restaurants in der Nähe seien, wo eine Toilette sei oder wie der Leuchtturm heiße. Auch ihnen kann geholfen werden.  Früher war Carsten Hoschatt auch in anderen Sportarten aktiv. Er trainierte Jiu-Jitsu und spielte Fußball. Dies lag ihm aber nicht. Nach zehn Minuten sei er heulend vom Platz gegangen, weil er keine Lust mehr hatte. Im Gegensatz zu seiner großen Schwester, die begeistert Fußball spielt, dafür mit dem Schwimmen nach dem Bronzeabzeichen aufhörte.
Der 18-Jährige, der Jahrgang zwölf der Cäcilienschule besucht, brachte einen Schulfreund mit zur DLRG, der sich fürs Leistungsschwimmen interessierte. Carsten Hoschatt nahm 2020 an Landesmeisterschaften teil, die durch die aufkommende Coronapandemie schon sehr zerpflückt waren. Sein großes Interesse gehört aber dem Bootfahren, Tauchen und Rettungsschwimmen. Er möchte sich weiter im Katastrophenschutz engagieren und beruflich in Richtung Maschinenbau gehen, gerne auf einer Werft.
Der 18-Jährige weiß, wie er Personen aus dem Wasser greifen kann, sie schleppt, zieht und schiebt und was er tun muss, wenn sie sich in Panik an ihn klammern. Seit Carsten Hoschatt 2020 mit vier DLRG-Jugendlichen zum Ausbildungsassistent fortgebildet wurde, bringt er Kinder spielerisch an Bewegungen im Wasser heran, darf Seepferdchenprüfungen abnehmen und im Nautimo mit Kindern an deren Schwimmtechnik für Leistungsabzeichen üben. Deren Technik litt merklich unter der Coronapause. Außerdem entstand ein Rückstau bei den Ausbildungen. Denn nur fürs Rettungsschwimmtraining gab es unter strengen Auflagen Trainingsmöglichkeiten. Carsten Hoschatt hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass es für die Jugend eine Weihnachtsfeier geben darf.


 

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