Beim Malen arbeitet sie mit vollem Körpereinsatz

Von Henning Karasch

Margit Budrich zog vor zehn Jahren nach Jever.    Foto: Karasch

Ob Margit Budrich aus Jever Hobbymalerin wurde, weil der Kunstunterricht an ihrer Schule oft ausfiel, oder obwohl er ausfiel, kann die studierte Grafikdesignerin nicht sagen.

Seit sie 2018 einen Malkurs bei Brigitte Frehsee im Künstlerforum Jever e.V. belegte, ist Margit Budrich in der Jeveraner Kulturinstitution engagiert. Derzeit kümmert sie sich noch kommissarisch um die Öffentlichkeitsarbeit. Dies soll auf der nächsten Jahreshauptversammlung 2022 per Wahl bestätigt werden.
Natürlich hat die Corona-Pandemie auch auf das Kulturzentrum Lokschuppen und die Galerie im Lokschuppen, die im Erdgeschoss ein Teesiebmuseum umfasst, Auswirkungen.

Der Saal wurde vom Deutschen Roten Kreuz zur Blutspende genutzt. In Zweiergruppen soll demnächst im Fundus und Lager aufgeräumt werden.
Die Konzerte der Reihe „Swinging Lok“ mussten fast alle abgesagt werden. Einige konnten oder sollen demnächst im Schützenhof Jever stattfinden. Denn von 200 Plätzen im Lokschuppen, der zu diesen Konzerten stets ausgebucht war, dürften nur 49 besetzt werden. Den Differenzbetrag übernahm die Loge zu Jever, wofür man beim Künstlerforum Jever e.V. äußerst dankbar ist. Denn über „Swinging Lok“ generierte man bislang die meisten Einnahmen. Auch das Weihnachtsmärchen, das schon einstudiert war, entfiel.
Auf einer Klausurtagung im Oktober 2020 konnte das Künstlerforum Jever e.V. einige neue Aktive hinzugewinnen. Margit Budrich übernahm die Redaktion des LOK-Journals. Die beiden Urgesteine Jochen Ewald und Jacky Rieling wechselten in den Ältestenrat.
Die Aktiven ließen durch ihr Mitglied, Grafikdesignerin Nicole Picard, ein neues Logo entwerfen. Denn das Kleinod Lokschuppen soll unbedingt erhalten und zu einem regional bedeutenden Kulturzentrum ausgebaut werden. Am Gebäude, das seinen Charme natürlich behalten soll, müsse etwas getan werden, meint Margit Budrich. Es wurde kürzlich vom Monumentendienst begutachtet. Die einfachverglasten Fenster schließen schlecht, die Fluchtwegsituation im Saal ist problematisch, und die Heizungsanlage bläst nur Luft hinein, was besonders während der Pandemie schwierig sei. Das Künstlerforum Jever e.V. zahlt die Nebenkosten für das städtische Gebäude.
Bei der Aktion „Kunst tut Gutes“ wurden regional bekannte Künstlerinnen und Künstler, darunter Rainer Fetting und Gisela Kalow, um Werkspenden gebeten. Diese wurde in Jeveraner Geschäften ausgestellt und verkauft. Damit kamen 4000 Euro zusammen, berichtet Margit Budrich, und das Künstlerforum Jever e.V. kam einmal mehr in den Fokus der Bevölkerung.
Im Sommer durfte in der Galerie ausgestellt werden. Am 11. April möchten die Fotokünstler des Hauses ihre Ausstellung eröffnen. Eine Vernissage darf es nicht geben, um Menschenansammlungen zu verhindern.
Margit Budrich hat sehr großes Interesse, dass das Kulturzentrum Lokschuppen erhalten bleibt. Es soll volksnah und vielfältig sein, wie das farbenfrohe neue Logo beweist. Workshops und Sommerakademien, Malerei, Collagetechnik, Lithografie und Ton, was bislang im Atelier angeboten wird, soll es weiterhin geben. Derzeit könnte ein Dozent einen Schüler unterrichten, um Abstände einzuhalten. Mehr Platz könnte eine Aufstockung der Atelierräume bringen. Ein Außenaufzug zur Galerie, eine erweiterte Küche, eine Überdachung im Außenbereich mit Bühne, Kunstflohmärkte und Musik von Tanztee bis Disko wären denkbar, sagt Margit Budrich. Sie wünscht sich Kontakt zu Kindergärten und Schulen.
Margit Budrich zog vor zehn Jahren nach Jever, ihr Ehemann ist Pilot und bei der Luftwaffe in Wittmund stationiert. Nach ihrem Studium in Saarbrücken stieg die 25-Jährige in eine Werbeagentur ein, hatte ihre eigene Agentur, die sie aufgab, als ihr Vater nach dem Tode ihrer Mutter nach Jever zog. Die Mutter zweier Söhne ist seither im Sprachendienst ihres Ehemannes tätig, der auf technische Sprachen spezialisiert ist. Seit einem weiteren Umzug vor einem Jahr wohnt Margit Budrich praktisch beim Kulturzentrum Lokschuppen um die Ecke. Sie ist sehr an Kunstgeschichte interessiert und hätte dies gerne studiert.
Margit Budrichs erstes Bild im Malkurs entstand nach einer Prospektvorlage innerhalb von zwei Stunden. Sie malt in Acryl und mag es abstrakt. Fotos dienen ihr als Grundlage. Die Bilder verselbstständigen sich dabei. Sie darf das Atelier vor Ort nutzen, da sie keines zuhause hat. Neulich malte sie eine Woche lang im Atelier einer Pfälzer Freundin. Sie male expressiv mit vollem Körpereinsatz, sagt die Künstlerin, und reagiere sich vor der Leinwand ab. Das neueste Bild der gebürtigen Saarländerin ist das einer älteren Dame, die gerade geimpft wird. Nach dem Tod ihrer Mutter nahm Margit Budrich ihre Kinderfotos als Vorlage. Ein Portrait ihres Ehemannes erhielt ihr Schwiegervater zum Geburtstag. Besonders freute es die Malerin, als sie bei der Gemeinschaftsausstellung des Künstlerforums Jever e.V. im Bürgerhaus Schortens ihr erstes Bild verkaufte. Sie sei keine Jägerin und Sammlerin, könne sich daher gut von Bildern trennen, wenn sie weiß, dass diese ein gutes Zuhause bekämen. Zumal in ihrem Nurdachhaus kaum gerade Wände zum Hängen der Bilder vorhanden seien.


 

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