Sein Vater schenkte ihm seine erste Elektroorgel

Von Henning Karasch

Neben Unterricht auf dem Akkordeon bis 2008 gab Freddy Hinrichs zudem ab 1982 Unterricht auf der Elektroorgel.

Musik bestimmte Freddy Hinrichs‘ Leben schon vor seiner Geburt.

Ins Akkordeonorchester der Stadtjugendpflege, das sein Vater leitete, wurde er 1963 quasi hineingeboren. Seine Mutter und deren Geschwister sangen im Wilhelmshavener Volkschor. Sonntags morgens wurde zuhause oft mit befreundeten Musikern Hausmusik gemacht. Seine Schwester spielte Saxofon und Akkordeon.

Als Freddy Hinrichs gerade viereinhalb Jahre alt war, bekam er zu Weihnachten sein erstes kleines Akkordeon geschenkt. Nach Unterricht zuhause stieß er mit sechs Jahren zum Akkordeonorchester, das damals im Jugendzentrum Point übte. Die rund 30 Musikerinnen und Musiker zählende Gruppe spielte beim Flohmarkt im Jugendzentrum Krähenbusch genauso wie beim Seniorennachmittag der Banter Kirche. Sie hatten Unterhaltungsmusik, Klassik wie Wolfgang Amadeus Mozart, konzertante Originalmusik, Opern- und Operettenmelodien im Repertoire. Bei den Wertungsspielen des Deutschen Harmonikaverbandes in Bremen erreichten sie die Hauptstufe. Nach Auflösung des Akkordeonorchesters Ende der 1980er Jahre gingen viele Mitglieder ins Erste Akkordeonorchester Schortens. Freddy Hinrichs folgte erst nach zwölf Jahren.

In der Schule hatte der Wilhelmshavener bei einem Chorleiter Musikunterricht und lange eine Eins. Freddy Hinrichs wurde später im Marinearsenal zum Elektrogerätemechaniker und Energiegeräteelektroniker ausgebildet, studierte von 1985 bis 1990 an der Fachhochschule Wilhelmshaven Elektrotechnik und schloss als Elektroingenieur ab. Für eine Oldenburger Firma verkaufte Freddy Hinrichs elektronische Musikinstrumente, Keyboards, Mikrofone, Musikanlagen, eben alles, was ein Kabel hat, außer Gitarren, sagt der Musikbegeisterte. Da wundert es nicht, dass Freddy Hinrichs auch an der elektronischen Musik Gefallen fand. Sein Vater baute seit Ende der 1960er Jahre Elektroorgeln. Das sei damals Trend gewesen, sagt der Musiker, und war für Jugendliche viel cooler als Akkordeons. Freddy Hinrichs bekam 1978 von seinem Vater seine erste Elektroorgel.

Nun war die Zeit gekommen, dass Freddy Hinrichs an Wochenenden als Tanzmusiker unterwegs war. Anfangs mussten ihn Leute, bei denen er spielen sollte, abholen, weil er seine Anlage schlecht aufs Fahrrad bekam. Das änderte sich nach der Führerscheinprüfung 1982. Seine Auftritte gingen meist von 19 Uhr bis gegen 2 Uhr.

Neben Unterricht auf dem Akkordeon bis 2008 gab Freddy Hinrichs zudem ab 1982 Unterricht auf der Elektroorgel mit separatem elektronischen Schlagzeug für den Bass, deren goldene Zeit die 1980er Jahre gewesen seien. Bis 2011 spielte er oft zu Richtfesten in Fedderwarden, wo viele Häuser entstanden. Er spielte zum Schützenfest des Wilhelmshavener Schützenvereins von 1861 e.V., zum Karneval im Gorch-Fock-Haus und in der Stadthalle oder zum Wochenende an der Jade auf dem Rathausplatz, für die Wirte, die Senioren oder das Arsenal. Neue Deutsche Welle war stets besonders gefragt, daneben Hits von Toto, Chicago, Level 42, Depeche Mode und Schlager der Flippers, von Roger Whitaker, Andreas Gabalier und Helene Fischer. Die Größe der Veranstaltungen reichte von der Silberhochzeit mit elf Gästen in der Doppelgarage bis zum Tag der Niedersachsen in Wolfsburg mit 1100 Gästen und dem Auftritt im Palais du Lac in Vichy mit dem Volkstanzkreis vor 3600 Gästen im Rahmen eines Besuchs der Stadtjugendpflege. Tanzmusik sei heute, wo jeder seine MP3s für fünf Stunden Musik auf dem Laptop habe, leider kaum mehr gefragt. Seit dem Rauchverbot stand zudem die halbe Gesellschaft vor der Tür, anstatt zu tanzen.

Die Eurokrise und die Anschläge vom 11.September 2001 trafen die Musikbranche hart, sagt Freddy Hinrichs rückblickend. Abnehmer von Musikinstrumenten und Technik waren fast ausschließlich Musikschulen. Zu dieser Zeit lernte er Sängerin Irmgard Lückemeier kennen. Sie begleitete er zwölf Jahre lang unter anderem bei Auftritten in der Reha-Klinik. Auf Messen stellte er Keyboards und Digitalpianos vor. Ausstellungseröffnungen untermalte der Musiker mit Klangcollagen.

Die Tanzmusik war für Freddy Hinrichs ein Stück innerer Freiheit und machte ihn musikalisch flexibel, wie er sagt. Der musikalische Leiter des Akkordeonorchesters fragte ihn vor acht Jahren, ob er in seiner Kirchengemeinde Marx/Etzel Organist werden wolle. Mit Pedalen war Freddy Hinrichs bereits bekannt, die Elektroorgel hatte ein Stummelpedal gehabt.

Zudem reizten ihn die Orgeln der Kirchen sehr, auf denen er sowohl klassische barocke und romantische Werke als auch moderne Lobpreismusik spielen kann. Freddy Hinrichs, der als Achtjähriger Klavier lernte, nahm vier Jahre lang Orgelunterricht in Jever. Am 17.Juni 2012 spielte er erstmals im Gottesdienst. Vor dem Kirchenraum und den Zuhörern hat er großen Respekt. Die Orgeln klingen auch unterschiedlich, ob sie in Granitquader- oder Backsteinkirchen stehen.

Vor sechs Jahren übernahm Freddy Hinrichs, der selbst Tenor singt, zudem den Chor „Lucht in Düstern“ in Marx. Die rund 20 Sängerinnen und Sänger singen in den beiden Kirchen, aber auch in Hollen, Wiesmoor und der katholischen Kirche Neustadtgödens.

Freddy Hinrichs schrieb in früheren Jahren rockige Stücke, heute arrangiert er Lieder für seinen Chor. Dieser führt bei der Christmette normalerweise Regie mit 70 Aktiven und Catering der Landfrauen. An das gemeinsam gesungene „Tochter Zion“, begleitet von einem Tenorhorn des Turner-Musikzuges, denkt der Wilhelmshavener gern zurück. Seit Mai übernimmt Freddy Hinrichs den gesamten musikalischen Anteil der Gottesdienste in Marx und Etzel, da weder Gemeinde noch Chor singen dürfen. Zur Konfirmation wurde mit nur vier Chormitgliedern gesungen. Dazu wurden Plexiglasscheiben aus dem Messebau angeschafft.

Das traditionelle Konzert am dritten Advent in Etzel bestreiten drei Chormitglieder mit Soli.

Bei der Gospelnacht Jever sang Freddy Hinrichs im Februar erstmals mit. Gerne würde er einmal im Chor größere Werke einstudieren oder in einem poppigen Gospelchor wie dem Oslo Gospel Choir mitsingen.

Zweimal im Monat geht Freddy Hinrichs zur Stimmbildung bei Birgit Brodisch nach Fedderwarden. Im Chor der Opernsängerin, damals noch in Esens, sang eine „seiner“ Sägerinnen. Birgit Brodisch gab bei „Lucht in Düstern“ einen Stimmbildungsworkshop. Seither begleitet Freddy Hinrichs die Gesangspädagogin bei Kinder- und Schülerkonzerten sowohl am Piano und auf dem Akkordeon als auch mit technischem Gerät.


 

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