Derzeit fehlt ein Therapeut für die Trockengymnastik

Von Henning Karasch

Vor fünfeinhalb Jahren wurde Ellen Schöbel zur Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft (AG) Sande der Rheuma-Liga Niedersachsen e.V. gewählt. Foto: Henning Karasch

Vor fünfeinhalb Jahren wurde Ellen Schöbel zur Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft (AG) Sande der Rheuma-Liga Niedersachsen e.V. gewählt. Die AG bietet den Teilnehmenden, die meist eine Verordnung ihrer Krankenkasse haben, Trockengymnastik, Wassergymnastik und Hockergymnastik. Das Durchschnittsalter der Teilnehmenden, die aus Sande, aber auch aus Wilhelmshaven, Zetel und Horsten kommen, liegt bei über 70 Jahren. Sie sind daher wenig computeraffin. So gab es keine Online-Übungen, wie vom Landesverband vorgeschlagen. Nachdem die Rheuma-Liga Niedersachsen e.V. Hygieneverordnungen erließ, durfte im Sommer 2020 wieder Funktionstraining angeboten werden. Die Teilnehmenden waren aber zurückhaltend, sagt Ellen Schöbel. Matten und Hocker mussten selbst desinfiziert werden. Im Oktober 2020 war dann Schluss. Nach den Sommerferien 2021 soll es wieder losgehen. Wassergymnastik im Nautimo Wilhelmshaven darf seit 1.Juli wieder angeboten werden. 
Die Gruppenleitungen müssen laut Krankenkassen alle Physiotherapeutinnen und -therapeuten sein. Sie erhalten Honorar und Kilometergeld. Der Physiotherapeut, der die Trockengymnastik leitete, bekam während der Pandemie andere Arbeitszeiten. Er musste die beiden jeweils zwölfköpfigen Gruppen, donnerstags zwischen 17 Uhr und 18.30 Uhr in Neustadtgödens, aufgeben. Und wenn sich keine Nachfolge findet, muss Ellen Schöbel die Gruppen zum Herbst abmelden. Sie hat bereits Physiotherapiepraxen angefragt. Die aber haben selbst Arbeit bis zum Anschlag, wie sie sagt. Eine Alternative sieht Ellen Schöbel darin, dass sich die Trockengymnastik dem TuS Sande anschließt.

Ellen Schöbel stammt aus Oldenburg, turnte seit ihrem fünften Lebensjahr an Ringen, Reck und Stufenbarren und spielte später Handball. Vor 30 Jahren zog die EDV-Fachfrau nach Sande. Da sie berufsbedingt viel saß und zudem unter Fibromyalgie leidet, kam Ellen Schöbel vor 20 Jahren zur Rheuma-Liga. Mit einer Freundin stieg sie in die Wassergymnastik ein. Die Rheuma-Liga Niedersachsen e.V. ist mit rund 60 000 Mitgliedern der zweitstärkste Verband innerhalb der Deutschen Rheuma-Liga e.V. Die AG in Sande hat etwa 80 Mitglieder und ist damit eher klein. Dieses Jahr soll es wieder eine Jahreshauptversammlung mit Ehrungen im Rathaus Sande geben, die 2020 ausfallen mussten.
Als der alte Vorstand vor fünfeinhalb Jahren altersbedingt aufhörte, wurde Ellen Schöbel zur Vorsitzenden gewählt. Ihr ist sehr am sozialen Miteinander gelegen. So initiierte sie vor fünf Jahren Klönschnackabende, zu denen man sich jeden zweiten Mittwoch im Monat von 18 Uhr bis 20 Uhr im Rathaus Sande trifft. Manchmal bringt jemand Kuchen mit, oder es gibt Matjes. Es gibt Frühjahrswanderungen mit Grünkohl oder Snirtjebraten, einer Tombola oder Bingospiel. Auf Tagesfahrten mit Angehörigen wurden das Miniaturland in Leer, das Teufelsmoor oder ein Blumencenter in den Niederlanden angesteuert.
Vor sechs Jahren absolvierte Ellen Schöbel eine Ausbildung zur ehrenamtlichen Mitarbeiterin beim Ambulanten Hospizdienst Wilhelmshaven-Friesland. Ihr Vater war vor 19 Jahren in einem Hospiz verstorben. Ihr gefielt die Atmosphäre dort. Sie war beeindruckt von der Freundlichkeit der Mitarbeitenden. Die Freundin, mit der Ellen Schöbel diese Ausbildung machte, kam vor fünf Jahren auch mit zum Lehrgang in Hockergymnastik. So wurde die Freundin Kursleiterin, hörte aber ebenso während der Corona-Pandemie auf. Sie fand aber eine Nachfolgerin aus Jever, die dort Schulkinder begleitet. Die Hockergymnastik trifft sich dienstags von 17 Uhr bis 18 Uhr in Neustadtgödens. Übungen sind im Prinzip der Trockengymnastik ähnlich. Auch Ballspiele und synchrone Tanzschritte wie beim Squaredance gehören dazu. Die 20 Teilnehmenden haben keine Krankenkassenverordnung nach einer Reha. Sie zahlen 30 Euro im Quartal.

Die Wassergymnastik begann bereits vor 20 Jahren im Bad des Pflegeheims Sanderbusch. So lange sind manche Mitglieder auch schon dabei. Später zog die Wassergymnastik ins Lehrschwimmbecken bei der Grundschule, dem späteren Kleiderbad, und weiter ins AquaToll Schortens. Nach dessen Umbau zum AquaFit sei dort die Wassertemperatur zu gering, sagt Ellen Schöbel. Für Aquajogging, das sie auch in der AG anregte, würde es reichen. Für Wassergymnastik brauchen sie jedoch 31 Grad. Sonst verkrampfen beim Training mit Hanteln, Poolnudeln und Smileys mit Augen und Mund zum Reingreifen die Muskeln. Diese Temperatur hat das Wasser des Nautimo Wilhelmshaven. Die Gruppen mit maximal 15 Teilnehmenden trainieren sonnabends zwischen 7.30 Uhr und 9 Uhr. Wer mitmacht, sollte schwimmen können. Es gibt auch Teilnehmende, die beim Training Schwimmflügel tragen. Den Badeintritt von jährlich 30 Euro rechnet die AG mit den Teilnehmenden ab. Die Wassergymnastik kostet mit Verordnung 30 Euro im Quartal und ohne Verordnung 55 Euro im Quartal. Die Krankenkassen zahlen 20 Minuten im Wasser, was aber wenig ist. Daher bietet die Rheuma-Liga eine Dreiviertelstunde an. Bei der Wassergymnastik machen übrigens viele Paare mit. Die Trockengymnastik schließlich kostet mit Verordnung 15 Euro im Quartal und ohne Verordnung 30 Euro im Quartal. Viele Teilnehmende machen nach Auslaufen ihrer Verordnung als Selbstzahler weiter. Wer keiner Gruppe mehr angehört, bleibt der AG dennoch häufig treu. Wer Interesse an der AG hat oder vielleicht sogar als Therapeutin oder Therapeut anfangen möchte, kann sich gerne unter 04422/4593 oder 0176/84429670 melden.     


 

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