Die fünfköpfige Familie macht gerne Hausmusik

Von Henning Karasch

Auf dem Foto Marlene und Maria-Theresia Paetz.FOTO: Karasch

Im musikalischen Gottesdienst mit dem Titel „Lieblingslieder“ letzten Sonntag in der Thomaskirche Neuengroden gab es für Marlene und Maria-Theresia Paetz eine Premiere. Mutter und Tochter wirkten erstmals beide an einer Musikandacht mit. Marlene Paetz spielte Querflöte, gemeinsam mit Elke Schramm „Sonatine & Romanze“ von Ludwig van Beethoven.
Maria-Theresia Paetz führte am Piano Frédéric Chopins „Valse cis-Moll op. 64 No.2“ auf. Es waren weitere Sängerinnen und Sänger sowie Organist Frederic Hinrichs zu hören. Die musikalische Leitung hatte Mezzosopranistin Birgit Brodisch, die Familie Paetz aus Fedderwarden kennt. Weil in der Thomaskirche derzeit nur rund 40 Personen Platz nehmen dürfen und alle Plätze rasch vergeben waren, wird der musikalische Gottesdienst heute ab 18 Uhr wiederholt.
Hausmusik ist Familie Paetz sehr wichtig. Die achtjährige Johanna-Franziska spielt Blockflöte, ihre elfjährige Schwester Anna-Katharina Geige, und die 13-jährige Maria-Theresia Querflöte und Klavier. Vater Harald ist Organist an der Apostel-Johannis-Kirche Altengroden. Zu Weihnachten spielten Maria-Theresia Paetz und ihre Mutter Querflötenduette. Und Marlene Paetz bekam zum Geburtstag ein Ständchen von ihren Töchtern, das diese in ihrem jeweiligen Musikunterricht heimlich geübt hatten.
Marlene Paetz kam in Halle an der Saale zur Welt, zog schon als Kind mit ihrer Familie nach Bautzen. Bereits als Vierjährige sang sie in der Kurrende des Domchores Bautzen.
Später erhielt Marlene Paetz bei einer älteren Dame Blockflötenunterricht. Schon als Kind war sie Feuer und Flamme für die Querflöte, habe dieses „silberne Ding“ unbedingt spielen wollen. Das Instrument, das ihre Eltern in Westdeutschland kauften, hegt und pflegt sie noch heute.
Ans Jugendblasorchester Bautzen hat Marlene Paetz sehr gute Erinnerungen, auch wenn sie zeitweilig die einzige Querflöte war. Gegen die Trompeten und das tiefe Blech anzukommen, sei manchmal schwierig gewesen. Sie spielten Märsche, Film- und Musicalmelodien. Gespielt wurde auf Sommer- und Dorffesten, zum Tag der Sachsen, auf dem Blasmusikfestival in Bautzen und in der Partnerstadt Heidelberg. Einmal im Monat trafen sich die 30 jungen Musikerinnen und Musiker zum Probenwochenende. Ihr Orchesterleiter, selbst Klarinettist und Komponist, fragte Marlene Paetz, ob sie Flötenunterricht geben wollte. Während des Studiums der Tourismuswirtschaft in Wilhelmshaven, wozu ein Auslandssemester in Frankreich zählte, ergab es sich leider nicht, Musik zu machen, bedauert Marlene Paetz. Doch der Kontakt zum Jugendblasorchester Bautzen und seinem musikalischen Leiter riss nicht ab. Das 55-jährige Orchesterjubiläum, das 2020 anstand, soll im Herbst nachgeholt werden. Für das Wochenende hat Marlene Paetz bereits die Noten zuhause.
Maria-Theresia Paetz begann schon mit fünf Jahren, auf dem Klavier zuhause zu spielen. In der Grundschule lernte sie Blockflöte und kam am Neuen Gymnasium Wilhelmshaven, wo ihre Mutter Elternsprecherin ist, in die Bläserklasse. Sie hätte gerne Klarinette spielen gelernt, aber das wollten so viele Kinder, dass sie, wie ihre Mutter, die Querflöte wählte. Das Schulorchester spielt moderne Blasmusik und Coverversionen aktueller Lieder. Vor den Frühjahrskonzerten gibt es eine Probenwoche auf Wangerooge.
Das Klavier wurde Maria-Theresias Hauptinstrument. Täglich übt sie mindesten eine halbe Stunde. Ihre Klavierlehrerin schlug vor, sie könne 2017 am Wettbewerb „Jugend musiziert“ in Oldenburg teilnehmen.
Die Schülerin studierte ein Stück aus ihrer russischen Klavierschule ein und bereitete sich ein Jahr lang auf den Wettbewerb vor. Sie konnte sich über den zweiten Preis freuen.
Zwei Jahre später gab es für Maria-Theresia und eine ein Jahr jüngere Geigenschülerin bei „Jugend musiziert“ sogar den ersten Preis. Sie trugen Werke von Johann Sebastian Bach und Ludwig van Beethoven vor. Maria-Theresia Paetz mag besonders gerne anspruchsvolle Stücke von Ludwig van Beethoven und Wolfgang Amadeus Mozart. Im Schulchor hat sie Popmusik auf dem Klavier begleitet und auch gesungen.
Marlene Paetz engagiert sich sehr in der Kirchengemeinde Altengroden. Sie ist Lektorin, gehört dem Gemeindekirchenrat an, arbeitete am Gemeindebrief mit und gehört nun zum Redaktionsteam des „Gemeindebooten“ der Nordgemeinden Wilhelmshavens. Die dreifache Mutter gestaltet Kindergottesdienste und Krippensingspiele an Heiligabend. Im November 2019 wollte sie noch mehr für die „Kinderchen“ tun, wie sie sagt, und lud zur ersten Probe der Kirchturmspatzen ins Gemeindehaus Altengroden ein, wofür sie im Kindergarten warb.
Die fünf- bis achtjährigen Sänger und Sängerinnen, darunter Marlene Paetz‘ Tochter Johanna-Franziska, trafen sich alle 14 Tage. Da sie nicht anderthalb Stunden nur singen konnten, wurde auch gespielt. Nach vier Monaten hatten die Kirchturmspatzen ihren ersten und bislang einzigen Auftritt in der Thomaskirche Neuengroden bei einem ebenfalls von Birgit Brodisch organisierten Konzert. Durch die Corona-Pandemie liegen die Chorproben nun ebenso brach wie der Kindertanz nach Liedern von Volker Rosin, den Marlene Paetz in einem Sportverein anbietet. Treffen über Zoom würden die ohnehin schon durch Technik stark geforderten Kinder überlasten, fürchtet Marlene Paetz. Derzeit spielt sie für sich Querflöte oder besucht Elke Schramm, um mit ihr zu spielen und Tee zu trinken.     


 

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