Noch ist Canicross in der Region fast unbekannt

Artikel vom 02.11.2021

Von Henning Karasch

Marleen Dirks aus Schortens und ihre Hündin Marta  trainieren Canicross,  das Laufen in der Natur mit Hund (lateinisch: canis). Foto: Karasch

Schortens. Seit kurzem teilt Marleen Dirks aus Schortens ein Hobby mit ihrer Hündin Marta. Sie trainieren Canicross, also das Laufen in der Natur mit Hund (lateinisch: canis). Beim Laufen sind sie mit einer elastischen, rund zwei Meter langen Ruckdämpferleine verbunden. Marleen Dirks‘ Freund Hilko Peters nimmt ein Leckerli, Marta bevorzugt Käse, und versteckt es in rund 500 Metern Entfernung. Dann starten alle drei, Hilko Peters auf dem Fahrrad, Marleen Dirks und die sechsjährige Marta, die aus Rumänien stammt, zu Fuß. Marta haben Marleen Dirks und Hilko Peters gemeinsam angeschafft. Hilko Peters‘ Sorge, Marta sei zu lang allein, erwies sich als unbegründet. Marta kann sehr gut vier Stunden für sich bleiben. Schließlich leistet ihr die Katze, die Marleen Dirks mit in die Beziehung brachte, Gesellschaft.
Die gebürtige Friedeburgerin wuchs mit Hunden auf. Dreimal am Tag ging sie mit dem Hund raus. Die 24-jährige ausgebildete Raumausstatterin, die Teilzeit in einem Wilhelmshavener Stoffgeschäft arbeitet, hatte mit dem Dobermann oder dem Labrador-Dalmatiner-Mix ihrer Familie aber nie Hundesport ausprobiert. Die Hunde liefen so in der Familie mit. Sie waren für die Schortenserin aber immer ein großes Thema. Marta ist für Marleen Dirks wie ein Kind auf vier Pfoten. Sie hat eine starke emotionale Bindung zu der Hündin und besuchte mit ihr die Hundeschule, um nichts falsch zu machen. Im zweiten Lockdown dachte sich Marleen Dirks, die gerne näht und für Marta Leinen und Geschirre fertigte, die Zeit sinnvoll zu nutzen. Angeregt durch eine Freundin, ließ sie sich zur Hundetrainerin ausbilden. Sie wollte lernen, wie ihre Hündin Dinge kognitiv verknüpft. Die Ausbildung lief meist online. Es gab innerhalb eines Jahres sieben Mal zwei Praxistage. Ob Marleen Dirks auch andere Hunde trainiert und deren Besitzer berät, hat sie noch nicht entschieden. Die Ausbildung ist beliebig erweiterbar. Marleen Dirks könnte sich auf Blindenhunde ebenso spezialisieren wie auf Ernährungsberatung, Tierheilpraxis, aggressive oder ängstliche Hunde.
Auf einem Praxistag in Großenkneten erfuhr Marleen Dirks durch eine Kollegin von Canicross. Im Sommer dieses Jahres ging es erstmals auf die Strecke. Marta, die seit drei Jahren bei Marleen Dirks und Hilko Peters lebt, ist eine ängstliche Hündin. Sie habe bislang nur einmal gebellt und sei die Erste, die weglaufe, wird von ihr berichtet. Daher sei es für Marta besser, erklärt Marleen Dirks, auf ruhigen Waldwegen im Forst Upjever zu laufen. Der Schotterweg am Flugplatz sei besonders geeignet. Dort lenkten höchstens ein paar Radfahrer ab.
Dass sie Canicross kennenlernte, war für die 24-Jährige perfekt. Profis rutschen dabei Abhänge hinab, springen über Heuballen und Schlammlöcher. Weltmeisterin ist eine Französin. Auch in den Niederlanden und Belgien ist Canicross stark vertreten. Sobald die 24-Jährige das Zuggeschirr holt, ist Marta begeistert, denn sie verknüpft es mit Arbeit. Mit einem kurzen Lauf und Dehnübungen wärmen sich Marta, die sich dabei lösen soll, und Marleen Dirks auf. Marta rennt in ihrem Tempo zweimal 500 Meter. Für einen Kilometer brauchen Marta und ihre Besitzerin zwischen fünf und zehn Minuten. Das Leckerli, das Marta ausschließlich beim Canicross bekommt, möchte Marleen Dirks langsam ausschleichen und durch reine Start- und Stoppsignale ersetzen. Die Hündin muss zudem Abbiegen und Überholen lernen. Marta bleibt gern stehen und schnüffelt. Sie bekommt auch Muskelkater. Schließlich wurde die Tierschutzhündin früher in Rumänien im Käfig gehalten. Canicross wird einmal pro Woche trainiert. Canicross könne gut im Team mit mehreren Hunden ausgeübt werden, sagt Marleen Dirks. Die Hunde gucken es sich von ihren Artgenossen ab, motivieren sich sozusagen gegenseitig. In Schortens scheint die 24-Jährige bislang die einzige Canicrosserin zu sein. Im Gebirge sei es verbreitet, als Trailrunning mit Hund. Canicross sei mit jedem ausgewachsenen, gesunden Hund möglich. Bekannt sei es wohl vom Zughundesport mit Huskies. In Monaten, wenn die Außentemperatur unter 15 Grad Celsius liege, sei Canicross zu trainieren, außer, wenn es schneit. Die Strecke von 500 Metern ist erst der Anfang, der Marta bald nicht mehr auslasten wird. Wenn sie genügend Muskulatur aufgebaut hat, sollen Strecken von 1000 bis 2000 Metern gelaufen werden. Möglich seien viel weitere Strecken. Canicrosser mit Huskies schafften auch 100 Kilometer. Sie sei bereits bis zu 30 Stundenkilometer schnell gelaufen. Beim Laufen werden beim Hund genauso Glückshormone ausgeschüttet wie beim Menschen, ist sich Marleen Dirks sicher. Es sei schon einige Zeit her, dass sie gejoggt sei. Canicross hat auch ihren eigenen Laufstil verändert. Sie läuft in großen Ausfallschritten hinter Marta her. Der Hüftgürtel mit Beinschlaufen muss dabei wirklich auf Marleen Dirks‘ Hüfte sitzen. Sonst gäbe es ein Hohlkreuz. Sie trägt dazu geländegängige Schuhe mit grobem Profil und geringer Sprengung. Die Ruckdämpferleine muss Spannung haben. Sie besitzt einen Panikknopf, damit Marleen Dirks, sollte sie hinfallen, Marta von sich lösen kann. Damit die Hündin ziehen kann, trägt sie ein Zuggeschirr auf den Rippen. Sobald Marta verlangsamt, wird auch Marleen Dirks langsamer.
Zu Spaziergängen verabredet sich Marleen Dirks per WhatsApp. Auf Radtouren nimmt die 24-Jährige ihre Hündin lieber in den Anhänger. Sie fürchtet, Marta laufe ihr vors Fahrrad. Die Schortenserin bildet ihre Hündin zur Mantrailerin aus, die versteckte Personen findet. Da die Hündin eine Hüftdysplasie hat, kann sie jedoch keine professionelle Rettungshündin werden. 


 

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