Afrikanische Gäste des Café International bestanden auf Grünkohl

Von Henning Karasch

Dr. Monika Stamm (v.r.) und Jennifer Brodhagen gehören zum Fachbereich Migration des Caritasverbandes für das Dekanat Wilhelmshaven e.V. Foto: Henning Karasch

Wilhelmshaven - Dr. Monika Stamm und Jennifer Brodhagen gehören zum Fachbereich Migration des Caritasverbandes für das Dekanat Wilhelmshaven e.V.

Dr. Monika Stamm arbeitet seit 2015 mit einer halben Stelle für die Caritas. Das Planungsbüro für Umweltverträglichkeitsuntersuchungen, in dem Dr. Monika Stamm tätig ist, ist sozial engagiert und ermöglichte ihr, die halbe Stelle bei der Caritas anzunehmen. Eine Kollegin hatte bei der Caritas ebenfalls eine halbe Stelle. Die ersten fünf Jahre wurde Dr. Monika Stamm aus Eigenmitteln der Caritas bezahlt. Seit 2021 bekommt die Caritas das Geld von der Stadt.
Dr. Monika Stamm koordiniert den Einsatz der 15 ehrenamtlichen Integrationslotsinnen und -lotsen. Sie sind auch während der Corona-Pandemie aktiv, berichtet die gebürtige Sauerländerin. Manche gehören Risikogruppen an, die meisten seien aber geimpft. Nach der Pandemie soll es mit der Suche nach weiteren Ehrenamtlichen und deren Ausbildung weitergehen.
Dr. Monika Stamm kam während des Biologiestudiums in Marburg erstmals auf Exkursionen nach Sylt und Helgoland an die Nordsee. Für ihre Diplomarbeit und Promotion beim Forschungsinstitut Senckenberg am Meer in Wilhelmshaven erforschte die gebürtige Sauerländerin ab 1993 Muschelbänke im Rückseitenwatt von Spiekeroog. Dr. Monika Stamm hatte als Jugendliche ein Freiwilliges Soziales Jahr bei der Caritas absolviert, war in der Seniorenbegleitung und Jugendarbeit tätig. In Marburg gehörte sie zur katholischen Studierendengemeinde, denn, wie sie sagt, gibt es sie nicht ohne Kreuz. Da lag es nahe, dass die Diplom-Biologin nach ihrer Promotion wieder die Nähe zur katholischen Kirchgemeinde suchte, sich zur Lektorin ausbilden ließ, Kinder auf die Firmung vorbereitet und sich als leidenschaftliche Krimileserin in der Kirchenbücherei einbringt.
Schon vor 2015, als viele Menschen aus dem Ausland nach Wilhelmshaven kamen, war Dr. Monika Stamm in der Migrationsarbeit der katholischen Kirche tätig, ließ sich zur Integrationslotsin ausbilden und hat eine Patenfamilie. Sie gründete den Fachbereich Migration, koordinierte die Ausbildung der Integrationslotsinnen und -lotsen, gründete gleich im Mai 2015 das Café International, damit die Menschen miteinander in Kontakt kamen, und organisierte Feiern.
Die zugewanderten Menschen in Wilhelmshaven stammen aus Syrien, Afghanistan, dem Irak, der Türkei, Marokko, Äthiopien, Bulgarien, Lettland, Polen, Russland, Weißrussland, Moldawien oder Spanien. Die Migrationsarbeit ist offen für alle Menschen, die, egal welcher Religion, Ostereier bemalen und den Nikolaus vermissen, wenn er nicht zur Adventsfeier erscheint.
Es gibt gute Kontakte zu einer Gruppe afrikanischer Studierender. Sie dürfen die Kirchenräume nutzen und gestalteten einen afrikanischen Abend im Café International. Dazu brachten sie landestypische Gerichte mit, wollten aber unbedingt am deutschen Abend, der jährlich begangen wird, Grünkohl essen.
Der wurde dann halal gekocht. Am größten seien stets die reinen Frauenfeste, berichtet Dr. Monika Stamm. Wenn die Frauen dort unbeobachtet tanzen können, falle der Pfarrsaal fast auseinander. Seit Mai 2019 ist Jennifer Brodhagen in der Migrationsberatung der Caritas tätig. Die gebürtige Wilhelmshavenerin ist evangelisch, verheiratet und Mutter eines sechsjährigen Kindes. Ehrenamtlich engagierte sie sich als Behördenbegleiterin und übersetzte beim Büro für leichte Sprache Texte für Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen.
Sie ist ausgebildete Großhandelskauffrau, lernte beim Friesen Presse Vertrieb in Ihlow und studierte im Anschluss an der Universität in Oldenburg Sozial- und Wirtschaftswissenschaften sowie an der Universität Bremen Sozialpolitik. Anschließend war sie als Projektmitarbeiterin bei pro familia tätig und übernahm im April 2018 die Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer beim Deutschen Roten Kreuz in Wilhelmshaven, bevor sie im Mai 2019 letztlich die Vollzeitstelle als Migrationsberaterin bei der Caritas antrat.
Die Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer (MBE), ein Programm des Bundesinnenministeriums, kümmert sich um die soziale, berufliche und sprachliche Integration von Zugewanderten ab 27 Jahren innerhalb der ersten drei Jahre nach Einreise.
Manche Menschen brauchen aber länger. Im Jahr gebe es durchschnittlich über 1000 Kontakte, allein 2021 waren es, Stand jetzt, schon rund 500.
Nach Monaten, in denen Anfragen pandemiebedingt nur telefonisch oder per E-Mail beantwortet werden konnten, ist derzeit zumindest das Gespräch an der Tür der Caritas in der Schellingstraße möglich. Außerdem wurde zusätzlich die Online-Beratung eingerichtet. Geklärt werden Fragen zur Familienzusammenführung, zur Kinderbetreuung oder zum Aufenthaltsrecht. Thematisiert werden oft auch Fragen zur Arbeitssuche oder zur Berufsausbildung, zu sozialrechtlichen Leistungsansprüchen, psychosoziale Themen oder Verbraucherfragen, etwa zu Handyverträgen oder Ähnlichem. Gesprochen wird auf Deutsch, Englisch oder Spanisch. Jennifer Brodhagen hat sich fest vorgenommen auch bald weiter Arabisch zu lernen.
Die Migrationsberatung ist sehr gut mit behördlichen Leistungsträgern vernetzt. Im Ausländeramt der Stadt Wilhelmshaven, als einer der ersten Behörden mit denen Personen mit Migrationsgeschichte in Berührungen kommen, liegt Informationsmaterial über die MBE aus.
Dienstags besucht Jennifer Brodhagen die Integrationskurse der Volkshochschule an der Bremer Straße, um dort, im Rahmen ihrer Außensprechstunde, über die Migrationsberatung zu informieren oder Kurzberatungen durchzuführen. Außerdem begleitet Jennifer Brodhagen einmal im Monat das Café Kunterbunt vom Familienzentrum Ost und bespricht dort alltägliche Themen mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Cafés, informiert über Neuigkeiten und Wissenswertes und steht darüber hinaus für Fragen zur Verfügung.
Die Klientel setzt sich unterschiedlich zusammen. In den persönlichen Beratungsgesprächen sind rund zwei Drittel der Ratsuchenden Männer, während es bei den regelmäßigen Treffen, wie beispielsweise dem Café Kunterbunt, meist Frauen seien, die auf sie zukommen. Die Menschen seien grundsätzlich respektvoll und offen. Dr. Monika Stamm und Jennifer Brodhagen berichten von großer Dankbarkeit jener Menschen, denen sie helfen. Oft werden Pralinen an der Tür der Caritas abgegeben, vor der Corona-Pandemie waren es manchmal sogar Dreigängemenüs. Jeden Gang in die Stadt könne sie sich als Arbeitszeit aufschreiben, scherzt Dr. Monika Stamm, so oft werde sie gegrüßt und angesprochen.
Und auch während der Corona-Pandemie sei sie von Ratsuchenden nach Hause eingeladen worden, so Jennifer Brodhagen. Sie freue sich jedes Mal über solche Einladungen, verweist aber stets auf die jährlichen Feste und Veranstaltungen des Migrationsdienstes der Caritas, bei denen sich Jede und Jeder nach Belieben einbringen dürfe.
Im Mai 2021 wurde in der Christus König-Kirche in Fedderwardergroden die Fotoausstellung „Auf der Flucht: Frauen und Migration“ gezeigt. Am Abendmahlsgottesdienst zur Eröffnung beteiligten sich einige Integrationslotsinnen. Sie berichteten von Fluchtschicksalen und legten symbolische Gegenstände in einen Rucksack, den jeder und jede Geflüchtete zu tragen habe. Während der Ausstellung wurde zudem mit Ehrenamtlichen der Christus König-Kirche und der benachbarten evangelisch-lutherischen Friedenskirche für „United4Rescue“ gesammelt. Die Organisation „United4Rescue“ betreibt ein Schiff, das geflüchtete Menschen im Mittelmeer aus Seenot rettet.
Die Ausstellung sollte schon zur Interkulturellen Woche 2020 gezeigt werden, die aus bekanntem Grund ausfallen musste. Eine Interkulturelle Woche, unter anderem mit Filmabenden, soll es diesen Herbst wieder geben


 

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