Jens Wawrczeck und die „39 Stufen“ sorgen für geniales Kopfkino

Artikel vom 21.02.2024

Désirée Warntjen

Hitch-Enthusiast Jens Wawrczeck. Bild: Désirée Warntjen

Hitch-Enthusiast Jens Wawrczeck sorgte im Pumpwerk in Wilhelmshaven für großes Kopfkino. Mit Musik und seiner urtypischen Stimme zog er die Gäste in einen wahren Bann.

Wilhelmshaven - Was für ein Film! Doch halt, das war ja gar keiner! Das waren allein Jens Wawrczeck, Kontrabassist Guido Jäger und Akkordeonspielerin Natalie Böttcher, die am Freitagabend im Pumpwerk Alfred Hitchcocks „39 Stufen“ zelebrierten. Eine Stimme, zwei Instrumente und atemberaubende Spannung.

Der Synchronsprecher und bekennende Hitch-Enthusiast hat sich zu den Wurzeln der berühmten Filme begeben, liest die Romane, die der große Regisseur verfilmte, in Hörbücher ein und verwandelt sie in Lesungen, in denen es nur so knistert vor greifbarer Atmosphäre. An diesem Abend sind es die „39 Stufen“. Zur Einstimmung gibt es einige Filmsequenzen, dann stellt Wawrczeck sich ans Pult, wird nun selbst Herr und Meister der dichten Handlung.

Seine urtypische Stimme ist bekannt. Dass sie sich wie ein Chamäleon gebärdet, mit ungeheurer Souveränität, das verblüfft auch eingefleischte Wawrczeck-Fans immer wieder. So folgen nicht wenige dem Sprecher bereits zum vierten Mal im Pumpwerk in Szenerien seiner Lesung, die mit den ersten Sätzen das Kopfkino laufen lässt.

John Buchans Roman erschien 1915, der Film – Hitchcocks erster Welterfolg – 1935. Buchan hatte mit Richard Hannay einen Helden geschaffen, der als Mordverdächtiger sowohl von der Polizei als auch von den wirklichen Tätern verfolgt wird. Die literarische Vorlage ist ein Glanzstück für sich, stimmig bis ins feinste Detail. Die Handlung stürmt berauschend voran, akribische Beobachtungen erzeugen in den Köpfen bildkompositorische Wirkung. Der Kontrabass, er darf nicht fehlen, ebenso wenig das Akkordeon. Rein instrumentale Stücke wechseln mit Untermalung - kein Zuviel, kein Zuwenig, die Inszenierung ist perfekt.

Wawrczeck, der da steht, mit beredten Händen, manchmal tänzelnd, manchmal schuckernd, weil der Held gerade auf unwegsamen Pisten Auto fährt, hat das Publikum fest an seiner Seite, die Blicke kleben an seinen Lippen, die Ohren sind gespitzt – und wachsam. Gleich dem Helden will man sich nichts entgehen lassen, begibt sich mit ihm auf die Flucht, bibbert in Verstecken, stürzt sich tollkühn der Gefahr entgegen.

Jeder Figur verleiht Wawrczeck eine Charakterstimme, mal bollerig, mal trunken, falschzüngig schmeichelnd oder donnernd oder gar unterwürfig. Er hat sie alle drauf. Die leichte Spitzzüngigkeit Richard Hannays amüsiert an den unerwartetsten Stellen: „Aber der Alte, der war das Glanzstück!“ lässt Buchan seinen Helden über den finstersten all seiner Widersacher sagen, und als Zuhörer rückt man Hannay noch ein Stück näher. Dazu die Instrumente: Ihre Klänge lassen Autos Hänge hinabstürzen, Flugzeuge sich nähern und wieder entfernen, kündigen dramatische Entwicklungen an. Das ist Kino, ganz großes Kopfkino.

Zum Finale siegt das Gute und die Gerechtigkeit, Wawrczeck tanzt, Kontrabass und Akkordeon jubeln ihr Finale. Auch das Publikum jubelt und bekommt als Zugabe das berühmte „Que sera, sera“ mit auf den Heimweg. Denn Singen kann es auch noch, Wawrczeck, dieses Stimm-Chamäleon.


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