Schwieriger Weg zum „Sport für alle“

Artikel vom 11.01.2023

Lutz rector

Harry Sager, Heinz Ehlers und Klaus-Dieter Schulz (von links) blickten gemeinsam auf die ersten Monate im Tätigkeitsbereich „Inklusionsbeauftragter“ zurück und stellten die Ziele für die Zukunft vor. Bild: Lutz Rector

Nach einem Jahr zieht der Inklusionsbeauftragte beim Sportstadtbund Wilhelmshaven Bilanz: Es gibt noch einiges zu tun.

Mitte 2022 übernahm Heinz Ehlers das neue Amt des Inklusionsbeauftragten beim Stadtsportbund (SSB). Inzwischen hat er die ersten Pflöcke eingeschlagen, doch der Weg, in Wilhelmshaven breitgefächert inklusiven Sport anzubieten, ist nicht so einfach.

Schon beim Begriff „Inklusion“ fingen die Probleme an, erzählt Ehlers. Zunächst hatte er sich und seine Ideen im Sportausschuss vorgestellt, dann die etwa 70 Sportvereine in Wilhelmshaven direkt angeschrieben und ihnen einen Fragebogen zugesandt, um zu erfahren, ob es dort inklusive Angebote und wo es gegebenenfalls Unterstützungsbedarf gebe. Gerade acht Vereine beteiligten sich.

Viele Unkenntnisse über die Zielgruppen

Bei einer späteren Nachfrage habe sich herausgestellt, dass die meisten Adressaten unter Inklusionssport Angebote für Menschen mit geistigen und/oder körperlichen Beeinträchtigungen verstanden, verbunden mit barrierefreien Zugängen. Diese Angebote habe es in vielen Vereinen nicht gegeben, also hätten sich diese auch nicht wirklich angesprochen gefühlt, sagt Ehlers.

Aber diese Definition sei falsch, stellt er klar. „Es umfasst genauso Sportangebote für Menschen, die schlecht hören oder sehen, die zum Beispiel MS oder Osteoporose haben oder von Long Covid betroffen sind. Das zeigt auch, dass inklusiver Sport nicht immer barrierefrei sein muss.“

Information ist keine Einbahnstraße

Informieren und aufklären, unterstützen und weiterbilden – das sind die zentralen Säulen, auf denen Ehlers seine Arbeit aufbauen möchte. „Ich stehe beim SSB jederzeit als zentraler Ansprechpartner für das Thema Inklusion bereit.“ Dabei verstehe er sein Amt keinesfalls als Einbahnstraße, im Gegenteil. Ehlers will im Laufe des Jahres bei allen Vereinen vorstellig werden, einige hat er bereits besucht. „Ich möchte besprechen, wo und wie es möglich gemacht werden kann, Sport tatsächlich für alle anbieten zu können. Was machen die Vereine möglicherweise schon, was ließe sich noch umsetzen? Dabei spielt auch das Thema finanzielle Fördermöglichkeiten eine Rolle.“

Kleine Vereine können schneller umsetzen

Was Ehlers schon feststellen konnte: In kleineren Vereinen wird inklusiver Sport häufiger angeboten und lässt sich in der Regel auch schneller umsetzen. Ein Grund liege im Betreuungsaufwand, den inklusiver Sport mit sich bringe. Während in kleineren Vereinen ausschließlich ehrenamtlich gearbeitet werde, hätten große Vereine häufiger hauptamtliche Trainer, die bezahlt werden müssen.

Dieses Personal ließe sich eben nicht so einfach aufstocken, es dürfe aber kein Hinderungsgrund sein, inklusive Angebote vorzuhalten. Deshalb gelte auch hier sein Ansatz: Aufklären, informieren und unterstützen.

Inklusionssport geht die ganze Stadt an

Inklusionssport sei indes kein Thema, das sich auf Vereine beschränke. „Das geht die ganze Stadt an“, betont Harry Sager, der SSB-Geschäftsführer, lenkt aber gleichzeitig ein, dass die Rahmenbedingungen oft nicht stimmten. So fehle es beispielsweise an öffentlichen Sporthallen. „Dass die Stadt hier mit uns kooperiert, ist ein wichtiges Zeichen dafür, dass das Thema ernst genommen wird“, ergänzt der SSB-Vorsitzende Klaus-Dieter Schulz.

Mit Heinz Ehlers habe man eine Person gefunden, die das Thema Inklusion im SSB und in der Stadt mit viel Herzblut voran bringe, ist Schulz überzeugt. Noch sei der Inklusionsbeauftragte ein Ehrenamt. Es gebe aber Signale der Verwaltung, nach einem Jahr Probe daraus ein bezahltes Hauptamt zu machen.


 

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